Der folgende Reisebericht beschreibt den Betriebsurlaub meiner Arbeitsgruppe ins Pitztal in Österreich im Oktober 2007.
Tag 1: Wir fahren zu dritt morgens um halb zehn in Göttingen los und näheren uns mit einigen Pausen zügig und ohne Stau der österreichischen Grenze und müssen uns nur über die Sanifair-Toiletten ärgern, die einen zu unkontrolliertem Süßigkeitenkonsum zwingen.
Gegen fünf Uhr kommen wir in unsere Pension im Pitztal bei bestem Wetter ein. Für Jemanden, der einen Großteil des Jahres im eher flachen Mitteldeutschland und im Norden Deutschlands verbringt, haben die Alpen mit ihren hohen, oft mit Schnee bedeckten Gipfeln immer einen ganz besonderen Reiz. Ich erkunde noch kurz das Gelände rund um unsere Unterkunft, bevor wir gemeinsam kochen, essen und einen Dienstplan für die nächsten Tage aufstellen.
Tag 2: Heute steht eine leichte Wanderung zum Rifflsee auf dem Programm. Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir in der Wagenkolonne das Pitztal hinauf in Richtung Gletscher und parken im letzten Ort des Tals. Dort entscheiden wir uns, aufgrund des tollen Wetters zu Fuß anstatt mit der Seilbahn zum See zu gelangen. Der Weg ist recht steil, aber für alle zu schaffen. Ab einer gewissen Höhe geht es durch den Schnee und das im T-Shirt und zum Teil in kurzen Hosen, da es wirklich ausgesprochen warm ist. Der Blick in das Tal und dessen Seitentäler ist famos, die Bergwelt sehr schön. Der Riflsee selbst bleibt hinter unserern Erwartungen zurück, es ist ein brauner, brackiger See, der aufgrund des Schmelzwassers sehr kalt und trüb ist. Auf einer Hütte genießen wir erstmals in dieser Woche österreichische Spezialitäten: Eispalatschinke, Germknödel oder Kaiserscharrn. Als Rückweg wählen wir einen so genannten Panoramaweg, der seinen Namen trotz der Steilheit auch wirklich verdient.
Tag 3: Um die Blasen der gestrigen Wanderung nicht noch weiter zu strapazieren, beschließen wir einen Städtebummel in Innsbruck. Die Stadt am Inn erwartet uns mit bestem Wetter und netter Atmosphäre. Natürlich machen viele von uns ein obligatorisches Foto vom Goldenen Dach. Nach einem sich lohnenden Stadtrundgang besichtigen wir noch die Skisprungschanze und ein Schloss, in dessen Park Fasane frei herumlaufen. Bei der Rückfahrt fällt uns auf, dass der Weg nach Innsbruck doch recht weit ist und das die enge Talstraße bei viel Verkehr völlig verstopft und dementsprechend nervt.
Tag 4: Heute steht uns ein Tag voller Sport und Naturgewalt hervor: in Imst haben wir eine Rafting-Tour auf dem Inn gebucht, zu der wir früh morgens aufbrechen. Im Tourbüro werden wir mit Schuhen, Neoprenanzug, Schwimmwest und Helm ausgestattet und mit einem Bus zusammen mit anderen Touristen, die witziger Weise ebenfalls aus Göttingen stammen, zum Startpunkt gefahren. In 6-8er Rafts paddeln wir nun den Inn hinab, ein Guide im hinteren Teil des Schlaubootes steuert und gibt die Kommandos. Obwohl der Inn wenig Wasser führt, sind ein paar ganz lustige Wildwasserpassagen drin, die Spaß machen. Jedoch könnte die Wassertemperatur gute fünf Grad höher sein! Nach der Tour fahren wir noch in ein Skigebiet, wo man im Sommer recht gut wandern kann. Im Anschluss an eine kurze gemeinsame Runde entschließe anderen ich mich mit nur zwei Anderen, bis zum Gipfelkreuz zu marschieren, was wir auch machen. Da es selbst in dieser Höhe (2000 bis knappe 2700 m) noch relativ warm ist und es wirklich steil hinauf geht, laufen wir ohne unsere T-Shirts. Nach etwa einer Stunde bereuen wir es auch, nichts zu Trinken mitgenommen zu haben. Dieses Problem löst sich dann aber kurzzeitig an der Schneegrenze. Vom Gipfel und dem Gipfelkreuz aus haben wir einen tollen Blick auf die unter uns liegenden Pisten, die Gondeln, das umliegende Tal und andere Berge in der Ferne. Zurück geht es dann leider in voller Dunkelheit, während die anderen schon beim Essen im Restaurant sitzen.
Tag 5: Heute am Donnerstag fahren wir nach Imst, laufen dort die Rosengartenschlucht hinauf und gelangen so zum größten Alpen-Rollercoaster der Welt (wohl auch der Einzige). Natürlich wird damit gefahren und man schießt durchaus rasant ins Tal - vorbei an weidenden Kühen und Schafen. Und auch an diesem Tag wird noch mal ein kleines Stück gewandert und wie es in den Alpen nun mal meistens der Fall ist, geht es dabei auch ab und an mal bergauf.
Da wir eine Gruppe von 22 Personen sind, müssen wir natürlich auch heute wieder Einkaufen gehen, nachdem wir uns die Talstraße wieder zu unserer Pension gequält haben. Tag 6: Der Freitag war eigentlich zur Besteigung der Wildspitze angedacht, jedoch sagte uns das Tourbüro wegen schlechten Wetters ab. Zu dritt fahren wir deshalb auf den Pitztal-Gletscher, leihen uns Ski- und Snowboards und rutschen ein Wenig auf dem Gletscher herum. Es macht durchaus schon Spaß, wenn auch noch nicht allzu viel Schnee liegt und nicht alle Pisten geöffnet sind. Der Schnee ist morgens gut, jedoch taut er zum Nachmittag hin und wird so sehr langsam. Es kommt mir erstaunlich, um diese Jahreszeit schon Snowboard zu fahren, aber die Technik macht es eben möglich. Von Kälte kann man nicht sprechen, ich fahre in meiner dünnen Sommerjacke, freue mich aber über meine Sonnenbrille. Das Besondere am Pitztal-Gletscher ist, dass er keinen direkten Zugang zum Pizttal hat. So erreicht man das Skigebiet auch nicht etwa einfach per Lift den Berg hinauf, sondern nur mit dem Pitz-Express. Dieser ist eine Bahn, die in einem Tunnel in acht Minuten vom Tal zum Gletscher führt.
Tag 7: Nach dem Aufräumen, groben Putzen und Packen geht es zurück nach Göttingen.
Wir hatten allesamt eine tolle Woche mit gutem Wetter in einer tollen Berglandschaft. Insbesondere das konstant gute Wetter bin ich von meinen Österreich-Erfahrungen her am wenigsten gewöhnt.
Dieser Reisebericht wurde am 03. Dezember 2007 von montechristi
verfasst.
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