Island - ein karges, kaltes, bergiges Land voller beeindruckender Ausblicke, so stellte ich mir mein Reiseziel im letzten September vor. Damit lag ich schon mal gar nicht schlecht. Die Insel präsentierte sich mir allerdings noch kurioser als ich mir hätte ausmalen können. Bereits auf der Fahrt vom Flughafen zu meiner isländischen Freundin nach Hause bewunderte ich den mit Wolken tief verhangenen Himmel. Davor die Kulisse der Berge, beziehungsweise der Highlands. Links und rechts der Straße nur dunkles, raues Gestein - gehärtete Lava, wie meine Freundin mir erklärte. Und dann begann es auch schon zu regnen. Meine Woche in Island hatte begonnen.
Eine Woche voller Abenteuer
Als waschechte Isländerin kannte meine Freundin ihr Land natürlich aus der Insiderperspektive. Umso besser für mich, denn so konnte ich den Reiseführer in der Tasche lassen und mich ganz darauf verlassen, dass sie die interessantesten Ausflüge für uns auswählen würde. Tatsächlich hatte sie die ganze Woche schon perfekt durchgeplant: Montag shoppen und schwimmen, Dienstag reiten, Mittwoch einen Ausflug zu den Geysiren in der Nähe von Reykjavik, Donnerstag ein Besuch in der berühmten Blauen Lagune, Freitag ein Bummel über den Flohmarkt - und Samstag würde ich wieder nach Hause fliegen. Um viele Erfahrungen reicher.
Isländische Gemütlichkeit
Gesagt, getan. Neben all den Aktivitäten fanden wir sogar noch Zeit für die Dinge, die viele Isländer so gern zu tun scheinen: Zusammen sitzen und reden, Wein trinken und schmackhaften Käse auf Crackern essen. Da die meisten Fernsehsendungen auf Englisch sind, konnten wir sogar gemeinsam fernsehen. Eine weitere angenehme Erfahrung: Heißes Wasser ist in Island aufgrund der Quellen spottbillig. So war das Einfamilienhaus meiner Freundin immer angenehm geheizt und das tägliche heiße Bad wurde zur Selbstverständlichkeit.
Badespaß unter freiem Himmel
Baden ist ohnehin eine fast tägliche Aktivität der Isländer. Es gibt in und um Reykjavik unzählige staatliche finanzierte Schwimmbäder, die zu allen Tageszeiten gut besucht sind. Das Interessante daran: Die Pools sind allesamt unter freiem Himmel. Das bedeutet, dass wir selbst bei nur 10 Grad und Regen im Badeanzug in den heißen Pool sprangen! Weil das Wasser in den meisten Pools rund 39 Grad warm ist, erschien mir die kühle Luft als angenehme Abkühlung.
Auf dem Rücken der Pferde - Reiten in Island
Auch das Reiten ist in Island anders, als ich es kannte. Die isländischen Pferde besitzen zwei Gänge mehr als die meisten anderen Pferderassen. Einer davon, der Tölt, hat trotz des hohen Tempos einen solch angenehmen Takt, dass man sich als Reiter einfach nur zurücklehnen muss und die Landschaft an sich vorbeiziehen sieht. Genauso machte ich es denn auch: Meine Freundin und ich hatten einen Ausritt auf der Pferdefarm "Laxness" bei Reykjavik gebucht, wo wir zunächst einen Ganzkörper-Regenanzug verpasst bekamen. Anschließend durften wir unsere Islandpferde selbst putzen, bevor es losging. In rasantem Tölt ritten wir zu fünft in die weite Landschaft, Hügel hinauf und hinunter, durch Pfützen hindurch, dass es spritzte, an Wasserfällen und Hütten vorbei.
Fontänen für Touristen - Geysir und Strokkur
Der Tölt mag zwar bequem sein, aber Muskelkater hatte ich am nächsten Tag trotzdem! So passte es mir gut, dass nur ein Trip zu den nächstgelegenen Geysiren geplant war. Wir besuchen "Geysir", den Namensgeber für alle anderen Erscheinungen dieser Art in der ganzen Welt. Leider bricht er nicht mehr aus, aber sein nahegelegener kleiner Bruder "Strokkur" machte uns die Freude, etwa alle zehn Minuten eine hohe Fontäne auszuspucken. Ein fantastisches Schauspiel: Im Geysir brodelt es, heißer Dampf steigt auf. Das Zentrum des Geysirs sieht aus, als würde es sich zusammenziehen und das Wasser einsaugen - bevor es sich plötzlich in einer bestimmt zehn Meter hohen Ladung Wasser entlädt!
Ein Besuch in der Blauen Lagune
Diese spezielle isländische Erfahrung wurde durch den nächsten Tag noch getoppt: Ich kam in den Genuss einer Wassermassage in der Blauen Lagune. Die berühmteste aller isländischen Quellen ist ein künstlich angelegtes Bassin, umgeben von dunklem Lavageröll. Das Wasser ist so warm, dass selbst die kältesten Außentemperaturen die Besucher nicht vom baden abhalten. Während der Massage liegt man auf einer Art Isomatte auf dem Rücken, die im Wasser schwimmt. Da man nur einen Badeanzug trägt, legt der Masseur eine Fleecedecke über den Körper der Kunden und taucht sie regelmäßig ins heiße Wasser ein, damit niemandem kalt wird. Da man entspannt auf dem Rücken liegt, kann der Masseur problemlos Rücken, Nacken, Arme und Beine massieren. Zudem sagt man dem Wasser heilende Kräfte für die Haut nach.
Shopping in Reykjavik - Flohmarkt
Nach diesen tollen Urlaubstagen konnte nicht viel Besseres mehr kommen, dachte ich. Bis ich zum Flohmarkt im Stadtzentrum von Reykjavik kam und eine fantastische braune Wildlederjacke für etwa fünf Euro fand! Außerdem durchstöberte ich zahlreiche CD-Sammlungen (Isländer haben in etwa denselben Musikgeschmack wie wir), bewunderte die herrlichen isländischen Pullis (handgestrickt natürlich) und wunderte mich über den Stand mit unzähligen Mänteln und Stiefeln der deutschen Bundeswehr, die dort angeblich ungebraucht verkauft wurden. Das Zentrum von Reykjavik gefiel mir sehr: Kleine, typisch skandinavisch wirkende Holzhäuser, meist in bunten Farben wie Grün oder Rot angestrichen. Dazwischen war natürlich auch der ein oder andere Neubau, aber insgesamt erschien mir das Zentrum angenehm traditionell und unmodern.
Dieser Reisebericht wurde am 15. Oktober 2007 von Babs
verfasst.
Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: Reykjavik, Privatunterkunft, Island: Trip zu den heißen Quellen und mehr, .