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Kreta in 5 Tagen mit nur 3,5 kg Gepäck

all around the island, Sternenzelt

Idee dieses Kurztrips war es, mit möglichst wenig Gepäck möglichst autark und mobil unterwegs zu sein und dabei trotzdem so viel wie möglich von der Insel, ihrer Flora, ihrer Fauna und ihren Bewohnern zu sehen. Zeitpunkt der Reise war der Juni 2007, kurz bevor in ganz Griechenland die verheerenden Waldbrände ausbrachen und auch auf Kreta Hitzetote zu beklagen waren.



Mein Gepäck bestand aus (sehr) wenigen Wechselklamotten, Schlafsack-Inlay, Aluminium-Isomatte, Digitalkamera, Unterwasserkamera, Schnorchel und Taucherbrille, Mütze, Badesachen, Sonnencreme und -brille, Wasser, Leatherman, die nötigen Papiere und Hygieneartikel sowie ein Reiseführer.

…denn schlafen kann man ja schließlich überall und Kreta hat über 1000 km Küstenlinie, d.h. Wasser zum Waschen sollte man reichlich zur Verfügung haben.

Nach guten drei Stunden Flug landeten wir abends in Irkaklion auf Kreta, der Haupt- und Hafenstadt dieser größten griechischen Insel. Das abendliche Flair dieser Mittelmeermetropole fühlt man am besten im Promenadenbereich nahe des alten venezianischen Kastells und den umliegenden Strassen und Gassen, die auch zu später Stunde bei sommerlichen Temperaturen noch lebhaft bevölkert sind.
Erste Mahlzeit auf kretischem Boden wurde ein Pita Gyros, viele sollten dem folgen, da es ohne Kühlschrank wenig Alternativen bei 40 °C gab.
Als erste Nachtruhestätte diente uns die Hafenmauer nahe dem Kastell, hart und windig aber eben sehr exklusiv. Es sollte nicht die erste Übernachtung unter freiem Himmel gewesen sein…
Früh am nächsten Morgen mieteten wir nach kurzem Stadtrundgang zwei Roller. 125er natürlich, was Kleineres ist bei den bis zu 2456 m hohen Bergen im Inneren der Insel auch nicht zu empfehlen; der Führerschein interessierte übrigens nicht, die Helmpflicht wird in Griechenland auch nicht so streng eingehalten.

Und dann ging es los auf die Strassen, Schotterpisten, Trampelpfade, Wege und Autobahnen der Insel! Zuerst fuhren wir östlich in Richtung Agios Nikolaos mit Stopps zum Schnorcheln, Baden, Landschaft bestaunen, Pause machen und Orte ansehen.
Sehr empfehlenswert ist es, so kleine Strassen wie möglich zu wählen, denn so erhält trotz eventueller Umwege schönere Einblicke in das Leben auf Kreta und vor allem in die sehr typische Landschaft, die im Sommer von Hartblattgewächsen, Olivenbäumen und Palmen dominiert wird.



Nach einer weiteren Übernachtung im Freien nahe Agio Nikoloas führte uns unsere zweite Tagesreise am schmalsten Punkt der Insel (12 km!) vorbei über Sitia, Palekastro und einige sehenswerte Kloster und Kirchen zum wohlbekannten Palmenstrand von Vai, der an der Mündung eines palmenübersähten Flussdeltas liegt und sich aufgrund der Felsen nahe dem Ufer sehr gut zum Schnorcheln eignet. Wie an allen „offizielleren“ Stränden gab es auch an diesem die Möglichkeit, sich das Salzwasser nach dem Schwimmen abzuduschen.
Von dem am östlichen Ende der Insel gelegenen Vai ging es dann durch das Landesinnere an die Südküste von Kreta, wo insbesondere die Höhlen von Matala unseren Besuch lohnten. Das touristische Matala hat mit seiner Lage direkt am Wasser gegenüber der mit Höhlen übersäten Kalksteinwand besonders in den Abendstunden einen ganz besonderen Charme zu bieten.

Dem dritten Tag widmeten wir der Erkenntnis, dass es zum Südausgang der berühmten Samaria-Schlucht keine Strassenanbindung gibt. Trotzdem lohnt sich die Reise auf der Küstenstrasse von Matala nach Agio Roumeli: schöne Strände, Steilküsten, wildlaufende Ziegen, beschauliche Bergdörfer, verschlafen Fischerorte, tolle Landschaftseindrücke, steile Serpentinstrassen, Einsamkeit, wenig Touristen, die Imbros-Schlucht.

Zurück zur Nordküste ging es dann über steile Pässe auf der Strasse über Armeni. Eine sehr schöne Fahrt, denn man kann hier auf nur wenigen Kilometern und Höhenmetern den Vegetationswechsel von der eher kargen Küstenvegetation hin zu dem üppigeren Grün der höher gelegenen Gegenden beobachten. Angekommen in Rethimnon fuhren wir an unserem vierten Tag die Küstenstrasse entlang in Richtung Chania, einer großen und alten Hafenstadt mit viel Leben.
Die Küstenstrasse geht komplett am Meer entlang, jedoch ist fast die gesamte Strecke bebaut. Allgemein ist Kreta nordwestlich der Hauptstadt Irkalion wesentlich dichter besiedelt und bebaut, große Hotelanlagen und andere touristische Bauten säumen die Küste.


Mit dem Roller ging es dann weiter zur Halbinsel Gramvousa. Die letzten Kilometer bis zum nördlichsten Punkt waren nur über eine mehr als holprige Schotterpiste mit zahllosen Schlaglöchern zu erreichen, der auf den wandermütigen Besucher wartende Strand bzw. die gesamte Bucht ist aber ohne Gleichen auf der Insel. Türkises Wasser, ein ausgedehnter und feiner Sandstrand und eine ansprechende Wanderung über enge Pfade mit der typischen Küstenvegetation entlohnen für die Tatsache, dass es am Strand selbst so gut wie keinen Schatten gibt. Ein recht flacher Bereich der Bucht hat nur einen sehr schmalen Zufluss zum Meer, aufgrund dessen ist das Wasser darin so warm, dass man sich stundenlang hinein legen kann und dabei, wie in unserem Falle, genüsslich eine Wassermelone verspeisen kann.
Auf dem Rückweg in Richtung Iraklion nahmen wir die schnellere, aber nicht annähernd so schöne Autobahn.

Der fünfte und letzte Tag begann auf einer Hausruine im bergigen Vorland, von wo aus wir dann ins Ida-Gebirge aufbrachen. Tagesziel war, neben dem Heimflug, die vermeintliche Geburtshöhle Zeus. In Zentralkreta bekamen wir eine weitere, sich zu den vorherigen komplett unterscheidende Seite der Insel zu Gesicht: Die Menschen in den bergigen und felsigen Regionen sind ebenso freundlich und zuvorkommend, wie es die Flachlandbewohner sind, jedoch sehen sie alle etwas urtümlicher und wilder aus. Männer mit dunklen Vollbärten und Frauen in Tracht prägen das Bild. Die mit großkalibrigen Gewehren durchlöcherten Ortsschilde und Wegweiser bringen die Ununterdrückbarkeit dieser Bewohner Kretas zum Ausdruck. Die viel gepriesene Zeus-Höhle erwies sich aus unserer Sicht eher als unspektakulär. Wenig anziehend, schlecht zurecht gemacht und mit etwas verfallenen Holztreppen lohnt sie selbst den weiten Weg von der Hauptstadt nur bedingt. Jedoch die Bergwelt mit den freilaufenden Ziegen, der grünen Hochebene, die typischen Bergdörfer und die Fahrtstrecke an sich werten diese Tour definitiv auf.


Mit dem (beinahe) letzten Tropfen Sprit erreichten wir schließlich nachmittags wieder unseren Ausgangsort, der Tacho zeigt über 1200 km (in 5 Tagen auf einem Roller!) an, die wir auch deutlich in unseren Knochen merkten. Erschöpft und am Hausstrand von Iraklion frisch gewaschen treten wir nach einer tollen und intensiven Erkundung Kretas den Heimflug an mit dem Gedanken, noch einmal her zu kommen.


Ob jetzt Knossos oder andere, weniger bekannte antike Stätten, Zeichen und Zeugen einer vergangenen, aber großen Zivilisation sind überall zu erkennen und zu bewundern. Im Landesinnern dominieren vor allem die ausgedehnten Olivenhaine das Landschaftsbild, welches vielerorts lediglich von Klöstern, Kirchen oder Kapellen durchbrochen wird.

Aufgrund der großen Hitze war ein Oberteil bei guter Sonnencreme meistens überflüssig, eine Kopfbedeckung und ausreichendes Trinken sind bei solchen Bedingungen aber ein Muss.

Die von uns gewählte Reisezeit erwies sich dahingehend als günstig, dass nur wenige Touristen auf Kreta waren und man daher mehr vom ursprünglichen Kreta in Augenschein nehmen konnte.

Dieser Reisebericht wurde am 25. November 2007 von montechristi verfasst. Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: all around the island, Sternenzelt, Kreta in 5 Tagen mit nur 3, 5 kg Gepäck, Rundreise, Höhlen von Matala, Palmenstrand von Vai, Samaria-Schlucht.

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