Der nun folgende Reisebericht über eine Insel der Kykladen entstand während einer „Inselhopping-Tour“ im Juli/August 2005, die ich und meine Reisebegleiterin mit Rucksack und Zelt unternahmen.
Als neunte Insel auf unserer Tour über die Kykladen hatten wir uns vorgenommen, auf Santoríni vorbeizuschauen. Die Schönheit von Santoríni konnte man in den Fährbüros der anderen Inseln auf Plakaten schon bewundern und so stand relativ bald fest, dass wir auch auf diesen gigantischen Restkörper eines ehemals großen Vulkans müssen.
Einmalig ist allein schon die Ankunft mit der Fähre. Von Íos her kommend fuhren wir mit der Fähre von Norden her auf die Insel zu. Neben der Hauptinsel Santoríni gehören noch ein paar kleine Inseln zu dem ehemaligen Krater, den es bei einem gigantischen Vulkanausbruch vor hunderten von Jahren in eben diese Inselbruchstücke zerriss. Die Westküste der Insel ist extrem steil, die schwarzen Felswände wechseln sich vielerorts mit rotem Gestein ab, so dass der vulkanische Ursprung von Santoríni unverkennbar ist. Wie ein Dach sitzen dann die Häuser der Ortschaften oben auf diesem Bergkamm, weiß in der Sonne glänzend. Santoríni kann man eigentlich nur mit Superlativen beschreiben, liegt diese Insel mit ihrer traumhaften vulkanischen Landschaft, ihren entzückenden Ortschaften mit engen Gassen und netten Häuschen im tiefblauen Meer. Unsere Fähre legt in Athiniós an, wo alle Fähren der Nachbarinseln anlegen und die Insel dann mit wirklich beeindruckten Passagieren wieder verlassen. Auch hier ist der Andrang an Agenten groß, die ihre Hotels, Zimmer oder Ferienhäuser unter das Reisevolk bringen wollen. Die Straße hinauf auf den Kraterrand ist mehr als steil, in engen Serpentinkurven quält sich unser Bus hinauf, beim Blick nach hinten erhaschen wir tolle Aussichten auf die Anlegestelle, die kleine Nachbarinsel Thirassía und das Meer. Der Campingplatz liegt an der Ostküste im Süden der Insel in der kleinen Stadt Kamári. Der Sandboden, auf dem wir unser Zelt aufstellen ist pechschwarz, der nahe Strand ist ein heerlicher Lavastrand. Der „Sand“ ist hier zwar nicht ganz so fein wie der der weißen Sandstrände auf den anderen Kykladeninseln, jedoch läuft es sich auf dem Lavagestein viel angenehmer.
Kurz vor Sonnenuntergang nehme ich noch ein erfrischendes Bad im Meer, das wegen des schwarzen Untergrundes etwas bedrohlich und unheimlich daherkommt. Am Abend erkunden wir Kamári, das neben ein paar schönen Straßen mit Geschäften, Bars und Restaurants auch eine schicke Kirche zu bieten hat. Später kosten wir Wein von Santoríni, der einzige, der auf den Kykladen gekeltert wird. Wein gibt es auf Santoríni nur deshalb, weil das vulkanische Land so besonders fruchtbar ist. Am nächsten Tag mieten wir uns in aller Frühe wieder mal einen Roller, um damit mobil, felxibel und schnell die Insel zu erkunden. Als ertes führt uns die Straße nach Pírgos, einem Dorf bzw. einer kleinen Stadt im Landesinneren. Pírgos, die alte Hauptstadt im Piratenzeitalter, ist ein sehr verwinkeltes Hangdorf, deren Gassen größtenteils zu eng für Autos sind, weshalb uns hier ständig schön aufgezäumte Esel begegnen. Über viele Treppen und kleine Gassen entdecken wir an diversen Ecken kleine Kirchen und am höchstgelegenen Punkt einen mittelalterliche Befestigungsanlage. Zum Glück sind noch keine anderen Touristen unterwegs, was uns die Möglichkeit gibt, in Ruhe den Blick von einem Aussichtspunkt auf das umliegende relativ grüne Land zu genießen. Allgemein fällt uns auf, dass Pírgos einer der weniger touristischen Orte auf Santoríni ist. Durch mehrere Ortschaften hindurch und an Weinbergen (eher Weinplantagen) vorbei führt uns der Weg nach Firá (Thíra), der Inselhauptstadt. Und Firá ist echt überwältigend! Ein weißes Häusermeer ergießt sich bis an die Abbruchkante des Kraters, viele Häuser sind sogar in den Hang gebaut und müssen einen einmaligen Blick haben. Tolle Clubanlagen etwas abseits des Stadtkerns mit Pools und großen Sonnenterrassen mit unverbauter Sicht auf das Meer und den Krater müssen traumhaft sein, leider bin ich mir sicher, dass die Übernachtungspreise derzeit meine Schmerzgrenze überschreiten. Aber auf jeden Fall ein Grund, in ein paar Jahren noch einmal nach Santoríni zu fahren…
Unser Blick schweift über einen Irrgarten aus Gassen, Wegen, Terrassen, Treppen und Balkonen hin zum schwarzen Kraterhang. In diesem Labyrinth verlieren wir uns sehr angenehm für mehrere Stunden, ohne etwas von der verstrichenen Zeit zu merken. Tavernen und Cafés mit grandiosem Panormablick laden uns zu Mittagessen und Café ein. Im Hafen von Firá liegt ein großes Kreuzfahrtschiff, das gerade mit kleinen Booten beginnt, seine Passagiere in das bezaubernde Häusermeer zu entlassen. Ein steiler Pfad windet sich den Steilhang des Kraters empor, der aber auch mittels einer Seilbahn überwunden werden kann. Wir bummeln durch große Einkaufzentren, bestaunen die vielen Juweliere und Schmuckgeschäfte und rasten im Schatten der schick restaurierten Mitropolis-Kathedrale. Nachmittags laufen wir auf dem Kraterweg nach Firostefáni. Der Spaziergang am Kraterrand ist ebenso beeindruckend wie die Ortschaften selbst, tolle Aussichtspunkte und immer neue Perspektiven auf Firá lassen meine Kamera nicht zur Ruhe kommen. Egal ob Firostefáni, Imerovígli oder andere Dörfer entlang des Kraterweges, jedes ist ein Schmuckstück für sich mit blendend weißen Häusern, einigen Windmühlen und einer insgesamt friedvollen Atmosphäre, die bei mir sehr intensive Urlaubsgefühle auslöst. Insbesondere in diesen Dörfern abseits der Einkaufstraßen in Firá offeriert bald jedes zweite Haus „Rooms“, da natürlich auch hier der Tourismus als lukrative Geldquelle entdeckt wurde. Spät abends machen wir uns mit unserem Roller auf den Rückweg, nach dem wir den Sonnenuntergang und das abendliche Flair in Firá genossen haben. Den nächsten Tag beginnen wir noch einmal in aller Frühe, um an einem der an der Hauptstraße ausgeschilderten Aussichtpunkten den Sonnenaufgang über dem Krater zu beobachten, was ich nur sehr empfehlen kann, da es einfach wunderschön ist. Den Rest des Tages verbringen wir mit weiteren Besichtigungen.
Nach einem vierten Tag auf Santoríni packen wir am fünften Tag dann unsere Sachen und machen uns auf zu unserem nächsten Ziel: Mílos.
Dieser Reisebericht wurde am 07. Dezember 2007 von montechristi
verfasst.
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