Letzte Station vor dem Rückflug nach Deutschland ist Athen, nachdem meine Reisebegleiterin und ich auf insgesamt zehn Kykladeninseln Halt gemacht hatten.
Von Mílos, der zehnten und letzten Insel unserer Tour, kommend, fahren wir früh morgens mit der Fähre in den Riesenhafen Piräus ein. Schon lange bevor wir die Anlegestelle sehen, schieben sich an uns riesige Containerschiffe, Tanker, Fischerboote, Schnellboote und andere Fähren vorbei, die ins eben hauptsächlich von Piräus aus ins Mittelmeer und in die griechische Inselwelt starten.
Dass wir nun in einer Großstadt mit einem echten Industriehafen sind, merken wir schnell an der Wasserfarbe, die mit dem malerischen Blau des Meeres rund um die Kykladeninseln nun wirklich nicht mehr viel gemeinsam hat. Geradezu geschockt sind wir von der schlechten und mit Abgasen verpesteten Luft, die uns bei Betreten des griechischen Festlandes entgegen schlägt. Für Europa ist diese Luftverschmutzung schon recht krass! Außer unzähligen Anlegestellen und einem gigantischen Fuhrpark an Wassergefährten hat Piräus aber auf den ersten Blick nicht so viel zu bieten und wir suchen so schnell wie möglich einen Bus, der uns in die Hauptstadt bringt. Schon während der Busfahrt stellen wir fest, dass mit Ruhe, Einsamkeit und Inselidylle nun definitiv vorbei ist. Athen ist laut, großstädtisch, die Straßen sind überfüllt und oftmals verstopft und das Häusermeer, was sich bis zu den im Dunst liegenden Umrissen der Berge in der Ferne ergießt, scheint ziemlich chaotisch und planlos zu sein. Anhand eines Mini-Stadtplans in unserem Kykladen-Reiseführer orientieren wir uns im alten Stadtzentrum unterhalb der Akropolis und navigieren von Hotel zu Hotel. Nach einer etwas längeren Suche mit unserem aufgrund der vielen Souveniere und Mitbringsel deutlich schwerer gewordenen Reisegepäck finden wir dann doch noch ein Low-Budget-Hotel. Da wir den ganzen Tag noch vor uns haben, brechen wir sofort wieder auf, obwohl die Nacht auf der Fähre kurz und alles andere als erholsam für uns beide war. Da heute Sonntag ist und wir dem Massenansturm auf Akropolis und Co. vermeiden wollen, fahren wir zuerst mit der U-Bahn, die irgendwann zur Straßenbahn wird, hinaus vor die Tore Athens zu den Bauten der letzten olympischen Spiele. Dank letzterer ist das U-Bahn-Netz gut ausgebaut und sehr modern und sollte definitiv von mehr Athenern genutzt werden.
Das Areal rund um das große Stadion ist ziemlich menschenleer, beeindruckend finde ich die Radrennbahn. Da ich solche Sportstätten bisher nur aus dem Fernsehen kannte, bin ich erstaunt, wie steil die Steilkurven wirklich sind. Verwunderlich finde ich nur, dass so eine teure und sicherlich auch moderne Anlage für Jedermann frei zugänglich ist, was dem Holzbelag des Rundkurses sicherlich nicht nur gut tut. Auch das Stadion kann man betreten, wenn man dabei auch einen kleinen Nebeneingang mit einem aufgebrochenen Schloss benutzen muss. Zu diesem Zeitpunkt sind wir die einzigen Besucher in diesem Stadion, dessen Größe und Architektur sehr beeindruckend ist. Auch die zahlreichen Versorgungsstände auf dem Areal und im Stadion sind nicht verschlossen oder abgesperrt, man findet Saftmixer und in ausgeschalteten Kühltruhen noch Getränke. Das Ganze macht einen eher runtergekommenen Eindruck, es sieht so aus, als sei mit dem Ende der Sommerspiele 2004 auch auf dem Areal die Zeit stehen geblieben, ohne das jemand die Spuren des Sportfestes beseitigt hätte. Auf einem großen Platz vor dem Stadion ist ein olympisches Dorf aufgebaut, in dem sich einzelne Sportarten präsentieren und irgendwelche Sportgeräte von Olympioniken von 2004 ausstellen. Die Präsentation ist aber eher ärmlich und bringt echt nicht viel. Zurück im Stadtzentrum, wenn man in Athen überhaupt von nur einem Zentrum sprechen kann, lassen wir uns von den Menschenmassen durch die Gassen und Straßen schieben und entdecken dabei durchaus nette Orte, Plätze und Grünanlagen. Um sich schon mal auf das morgige Kulturprogramm einzustimmen, schauen wir uns die Große Mitrópolis (Kathedrale) und die kleine Mitrópolis an.
Zu Fuß wühlen wir uns bis zum Síntagma-Platz bzw. -Park durch und warten am gegenüberliegenden Parlament geduldig auf die Wachablösung der unter Touristen wohl bekannte Soldaten in ihren lustigen und altertümlichen Uniformen. Das abendliche Flair der südeuropäischen Metropole ist besonders in den Vierteln um die Akropolis herum sehr angenehm, bei angenehm warmen Temperaturen bis in die Nacht hinein kann man draußen in Cafés und Bars sitzen oder durch die Straßen flanieren, deren Geschäfte und Stände bis weit in den Abend hinein geöffnet haben. Nach der ersten Nacht in einem Bett seit zwei Wochen wollen wie heute, am Montag, in aller Frühe die kulturellen Pflichtbesuche absolvieren. Mit einem Pauschalticket für sämtliche Ruinen, Heiligtümer, Museen und Tempel Athens ausgestattet, fahren wir mit der Metro zur Akropolis. Und deren Besuch lohnt sich wirklich! Auf einem weitläufigen Areal kann man wunderbar die alte Baukunst begutachten und sich von der antiken Bedeutung dieser Orte ergreifen lassen. Vielerorts wird noch restauriert, was jedoch nicht im Geringsten stört. Besonders beeindruckend finde ich das Pathenon, den Nike-Tempel und das Akropolis-Museum. Auch dem Tempel des Hephaistos statten wir einen Besuch ab. Wenn man wirklich viele Säulen sehen will, so sollte man den eher am Rande des Zentrums liegenden Tempel des olympische Zeus nicht vergessen, der nahe dem Hadriansbogen mitten im Häusermeer ein lebender Zeuge alter Glanzzeiten Griechenlands ist. Neben den antiken Stätten kann man sich in den umgebenden Parks jederzeit ein kleines Päuschen gönnen und man findet sogar Bänke, an denen pro Minute keine hundert Touristen vorbei laufen. Wir verbringen im Anschluss an dieses sich sehr lohnende Pflichtprogramm noch ein paar angenehme Tage in Athen, um dem Kosum zu frönen und der Heimat zu passenden Mitbringseln zu verhelfen.
Nach wirklich interessanten und extrem abwechslungsreichen Wochen fliegen wir zurück nach Frnakfurt, wo uns zum ersten Mal seit Reiseantritt ein bewölkter Himmel erwartet.
Fazit: Eine Kykladentour mit anschließendem Athen-Aufenthalt kann sehr individuell gestaltet werden und hat uns einfach super gefallen.
Dieser Reisebericht wurde am 08. Dezember 2007 von montechristi
verfasst.
Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: Athen, irgendwo, Athen, Akropolis, Olympia, Metro, Regierungspalast.