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Im Winter in die Normandie
Etretat, Le Corsair (22. Dezember 2003)
Endlich geht's wieder einmal nach Frankreich. Wird auch schon langsam Zeit! Meine Frau und ich fliegen von Wien über Lyon weiter nach Caen, wo wir uns ein Auto nehmen und die Küste nach Norden abfahren. Nichts ist gebucht, nichts vorbestellt, so trifft es uns auch nicht besonders hart, dass wir wegen Vereisungen an der Maschine den Anschlussflug von Lyon nach Caen verpassen. Air France besorgt uns blitzschnell ein nettes Zimmer und ein gutes Abendessen. Am nächsten Morgen geht es mit dem ersten Flieger weiter.Die der Seinemündung am nächsten gelegene Brücke ist der "Pont du Normandie".
Sie führt über den Kanal von Le Havre und ist eine von weitem sichtbare technische Meisterleistung. Die Brücke ist wirklich umwerfend, wenn man sie das erste Mal sieht. Ich habe die Seine an dieser Stelle schon mehrmals überquert und bin immer noch von der Kühnheit und Steilheit dieses Bauwerks beeindruckt.In Etretat angekommen, haben wir großes Glück. Im direkt am Strand gelegenen Hotel "Le Corsaire" ist das beste Zimmer gerade noch frei. Es liegt im zweiten Stock und verfügt über einen Balkon, der direkt aufs Meer hinausschaut.
Die wichtigsten Aussichtspunkte und Naturschönheiten der kleinen Küstenstadt auf einem Blick: "Manneporte" ist ein aus dem Kreidefelsen in Jahrmillionen heraus gewaschenes Riesentor. "Falaise d'Aval" ist jener Felsen, der einem überdimensionalen Elefantenrüssel gleicht und der schon von vielen Künstlern - unter ihnen Monet - mehrfach gemalt wurde. "Falaise d'Amont" ist die nördliche Begrenzung der Bucht - dort stehen auch ein Museum und eine Gedächtniskirche.
"Falaise d'Aval" mit einer Höhe von 85 m ist – wie alle Felsen hier - stark "verbunkert". Kein Wunder, rechnete man ja im Zweiten Weltkrieg hier mit der Invasion der Alliierten, die dann etliche Kilometer südlich tatsächlich stattfand.
Am Plateau der "Falaise d'Aval" hat man eine 18 Loch-Golfanlage errichtet, die das ganze Jahr über bespielbar ist. Vom Fuß der "Falaise d'Aval" hat man einen herrlichen Rundblick über die gesamte Bucht von Etretat bis hinüber zur "Falaise d'Amont" mit dem Kirchlein.
Die Gegend ist gut beschildert. Tourismusinformation und Routen sind gut erkennbar und leicht nachzuvollziehen. Macht man sich die Mühe und besteigt die "Falaise d'Aval", wird man mit einem unvergesslichen Rundblick belohnt. Der kleine Ort Etretat schmiegt sich zwischen den beiden Landerhebungen ganz eng ans Meer.Bei Ebbe kommen viele Menschen auch im Winter an den Strand und suchen nach Muscheln oder den schönen vom Meer rund geschliffenen Steinen. Auch die Fischerboote liegen um diese Jahreszeit hoch oben am Strand, wo sie vom Wasser nicht erreicht werden.Am Abend ist die Uferpromenade leergefegt. Es wird merklich kühler und der Wind frischt auf. Die wenigen Straßen des Städtchens sind weihnachtlich geschmückt, auch die meisten Restaurants, Hotels und Geschäftslokale sind festlich geschmückt.Natürlich unternehmen wir mit dem Wagen auch Ausflüge in die nähere Umgebung. Wir fahren die Küste nach Norden und Süden ab. In Dieppe sind die Fischer auch im Winter aktiv. Als wir ankommen, haben sie bereits all ihre Fische verkauft und die Netze zum Trocknen ausgelegt. Hier im Norden der Normandie ist die Küste wesentlich flacher und sandiger als in der Gegend um Etretat, wo wir zu Hause sind. Im Sommer findet man hier ideale Badebedingungen vor. Und dann natürlich die Spaziergänge ins Hinterland. An manchen Tagen ist es hier schon richtig warm und bei 15 Grad kommen wir oft ins Schwitzen. Wir laufen sogar täglich ein paar Stunden nur in unseren T-Shirts umher. Und in der Taverne „Zu den beiden Augustins“ kann man ausgezeichnet essen und trinken.Und nähert sich doch tatsächlich eine Sturmfront unserer Gegend. Auch das sollte man erlebt haben! Es ist jene Front, die in Deutschland um die Jahreswende wieder verheerende Unwetter und Überschwemmungen auslösen soll. Etretat trifft eines Nachmittags seine Vorkehrungen. Die an vielen Stellen für die Fußgänger durchbrochene Kaimauer wird mit Brettern abgeriegelt und dicht gemacht. Oben kommt ein Keil drauf, und wir harren der Dinge, die da kommen sollen. Sicherheitshalber stelle ich das Mietauto ein paar hundert Meter weiter landeinwärts ab. Man kann ja nie wissen. Zu dieser Jahreszeit war ich noch nie in Etretat, das ich nur vom Sommer her kenne.Und dann rauscht, stürmt und tost es eine ganz Nacht lang, dass wir in unseren Betten kein Auge zumachen können. Eine kleine Springflut donnert an die Kaimauer und überwindet sie gottlob nur ein wenig. Der Strand wird mit Treibgut, Algen und allem möglichen übersät. Steine, die mit den Wogen über die Mauern flogen, werden von den Straßenkehrern schnell eingesammelt - aber ernste Schäden entstehen kaum.Nun ist es Zeit, unseren Champagner zu öffnen und auf den Jahreswechsel anzustoßen. Es war wieder einmal wunderschön in Frankreich und ich kann auch diese Jahreszeit dem interessierten Besucher nur wärmstens empfehlen.
Dieser Reisebericht wurde am 28. August 2007 von superschida
verfasst.
Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: Etretat, Le Corsair, Im Winter in die Normandie, Frankreich, Küste, Etretat, Meer, Golf, Falaise.
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