Wir konnten uns einfach nicht entscheiden. Der Winterurlaub stand vor der Tür und Tom und ich hatten immer noch kein Reiseziel für unsere nächste Backpacking – Tour. Costa Rica oder Sri Lanka? Es waren bereits im Oktober schon alle günstigen Flüge nach Costa Rica ausgebucht und Sri Lanka kam aufgrund der aktuellen politischen Lage nicht in Frage. Also suchten wir weiter.
Eines Tages kam ein faszinierender viertelstündiger Bericht über Thailand im Fernsehen und wir holten uns weitere Informationen über dieses Land. Da auch Schorsch, ein Freund von uns der aus beruflichen Gründen nach Thailand gezogen war, in Bangkok lebt und wir daher den Urlaub mit einem Besuch bei ihm kombinieren konnten, entschieden wir uns schließlich für dieses Land als Urlaubsziel.
Nach langem Suchen im Internet und zahllosen Telefonaten mit unterschiedlichen Reisebüros bot mir Explorer – Fernreisen, über die wir auch schon unsere letzten Urlaubs - Flüge buchten, einen Flug ab Frankfurt über Taiwan nach Bangkok für 690 Euro an, die Zugfahrt von München nach Frankfurt bereits inbegriffen.
Wir schlugen zu! Eine lange Reise!
Jetzt endlich würde mein neuer Deuter – Rucksack auf Herz und Nieren geprüft werden!
Einen Monat vorher informierten wir uns noch ausreichend über Thailand und mit zwei dicken Reiseführern von Stefan Loose und Lonely Planet im Gepäck, sollte die Reise durch Thailand kein Problem sein.
30.12.2006 Auf geht´s!
Die Rucksäcke waren wie immer bis aufs Letzte ausgereizt. Kleidung für warme Tage und kalte Nächte, Schlafsack, Moskitonetz, Isomatte, Kamera, Vorhängeschloss, Sonnenbrille und Hut, Adapter für Steckdosen, Sonnencreme, Autan, Medikamente gegen Magenbeschwerden und Fieber und natürlich Malaria – Prophylaxe.
Mit vollen Rucksäcken trafen wir uns am Abend beim Mart um vor unserer Abreise noch eine Jamming – Session hinzulegen.
Mit Reggae – Rhythmen im Blut und Reisefieber starteten wir um Mitternacht zum Bahnhof Petershausen um von dort aus mit dem nächsten Zug zum Münchner Hauptbahnhof zu fahren wo gegen halb 4 Uhr der nächste ICE nach Frankfurt abfuhr.
31.12.2006 Der Flug
Am Hauptbahnhof in München genehmigten wir uns noch ein Fast – Food – Frühstück und stiegen schließlich in unseren Zug der pünktlich um 3 Uhr 45 losfuhr. Etwas übermüdet fühlten wir uns schon, doch der Kaffee im Speisewagen half und die fast vierstündige Zugfahrt zum Fernbahnhof Frankfurt war schnell vorüber.
Wir fuhren mit dem Shuttlebus zum Terminal 2, gaben unser Gepäck auf und gingen erstmal ausgiebig frühstücken, da wir bis zur „Boarding – Time“ noch ausreichend Zeit hatten.
Um 13 Uhr ging´s los. China Air; nur halb voll startete die Boing 737 nach Teipei. An jedem Sitz war ein Fernseher angebracht und die Getränke waren alle kostenlos. Somit sollte der zwölfstündige Flug kein Problem sein.
Irgendwo kam eine Durchsage des Piloten, dass hier nun Mitternacht sei (Zeitverschiebung) und wünschte den Fluggästen ein gutes neues Jahr.
01.01.2007 Thailand – Ankunft in Bangkok
Mit gestocktem Blut in den Beinen landeten wir dann in Teipei wo in drei Stunden der Anschlussflug nach Bangkok weitergehen würde.
Wir setzten uns in eine kleine Bar am Flughafen um dort ein kleines Frühstück zu uns zu nehmen.
Um 6 Uhr ging es dann weiter, wieder mit einer Boing 737, nach Bangkok wo wir um 11Uhr landeten.
Erstmal raus aus dem Flugzeug und durch die Passkontrolle. Die Dreiviertelstunde Wartezeit am Schalter störte uns nicht. Wir waren sogar froh, dass wir nicht mehr sitzen mussten. Kaum hatten wir die Kontrolle passiert landeten auch schon unsere Rucksäcke auf dem Band der Gepäckausgabe; just in time! Am nächsten Exchange wechselten wir noch ein paar Travellerschecks und verließen den Flughafen.
Erstmal wollten wir raus aus der Großstadt und mit der Bahn Richtung Norden. Doch wo war die Bahnlinie? Laut Reiseführer sollte diese ja direkt am Flughafen entlang laufen. Stattdessen standen wir unter dem überdachten Taxiständen und Bushaltestellen. Etwas übermüdet und genervt fragten wir eine wartende Thailänderin die uns mit gebrochenem Englisch erklärte, dass wir am besten zum Busterminal fahren sollten und von dort aus dann weiter.
Wir hatten ja Zeit und ohne lange nachzudenken folgten wir ihrem Rat und fuhren mit dem nächsten Shuttlebus dorthin. Der Fahrer schien sich ebenso wenig auszukennen wie wir, denn er fuhr ständig im Kreis und ohne anzuhalten dreimal am Flughafen vorbei bis er endlich die richtige Abzweigung nahm. Nach einer dreißigminütigen Fahrt kamen wir am Busbahnhof an. Und jetzt? Wir fragten am Touristenschalter nach dem Hauptbahnhof im Zentrum Bangkoks wo alle Züge nach Norden abfahren. Der Mann kritzelte zwei Zahlen auf einen Fetzen Papier und machte uns deutlich, dass wir zuerst Bus 551 und dann Bus 34 nehmen sollten um zum Hauptbahnhof zu kommen. Also versuchten wir unser Glück. Unsere erste thailändische Linienbusfahrt. Wir hatten nicht einmal Fahrscheine. Wie sich jedoch, nachdem wir „schwarzfahrend“ eingestiegen waren, herausstellte, werden diese im Bus verkauft. Man muss nur der netten Dame irgendwie klar machen, wohin man möchte. Wir deuteten einfach in der Stadtkarte im Reiseführer auf den Bahnhof und sie murmelte irgendwas in Landessprache (wahrscheinlich wollte sie uns klar machen, dass wir umsteigen müssen) und verkaufte uns für je 40 Baht zwei Tickets. Los ging die Fahrt. Mit offenen Türen (und wir mit offenen Mündern) raste der volle Bus („hoffentlich“, dachten wir) in Richtung Stadtmitte.
Dreispurig, manchmal auch vierspurig wenn man die „lebensmüden“ Roller - und TukTuk – Fahrer mitzählt die sich ständig zwischen dem kleinen Zwischenraum von Gehweg und Bus hindurchschlängelten, fuhr der Bus von einer, für uns nicht erkennbaren Haltestelle zur nächsten. Wir hatten keine Ahnung wo die Fahrt hinging oder wo wir umsteigen sollten und nach einer Stunde Fahrt wurden wir schon etwas skeptisch. Aber unser Vertrauen in die freundliche Kontrolleurin zahlte sich aus. Irgendwann nach etwa 90 Minuten Thailand - Bangkok – Linienbusfahrt verdeutlichte uns diese, dass wir hier aussteigen sollen.
Wir standen mitten in der Stadt. Ein riesiger Kreisverkehr mit einer hohen Säule in der Mitte, der nur durch Überführungen überquerbar war, war unsere nächste Herausforderung. Rundherum Haltestellen und überall Busse! Wir brauchten Bus 34! Aber in welche Himmelsrichtung?
Ein etwa fünfzigjähriger kanadischer Rucksacktourist mit seiner Freundin stieg ebenfalls aus unserem Bus und die beiden wollten auch zum Bahnhof. Das Problem war, dass diese sich genauso wenig auskannten wie wir. Aber: geteiltes Leid ist halbes Leid! Also auf zum Bus – suchen!
Nachdem wir mit unseren schweren Rucksäcken und bei 35°C Smokhitze die Überführungen auf und ab marschiert waren und fast alle Infotafeln der Haltestellen abgesucht hatten, schienen wir an der richtigen angekommen zu sein.
Gerade in diesem Augenblick fuhr ein Bus mit der Nummer 34 ein. Tom und ich sprangen (wortwörtlich) auf, nur der Kanadier hatte vor lauter Hektik den Bus übersehen und war irgendwo im Getümmel verschwunden.
Weiter ging die Fahrt. Wir hofften Richtung Hauptbahnhof. Diesmal war keine Kontrolleurin im Bus die uns Auskunft geben konnte. Nur hinten in der Ecke saß eine junge Thailänderin die auch unser Englisch verstand. Sie bestätigte uns, dass dies der richtige Bus sei und meinte sie wolle auch zum Bahnhof und wir sollten einfach dort aussteigen wo sie aussteigen würde. Ich bedankte mich bei ihr mit einer thailändischen Verbeugung, welche, wie sich auch später noch herausstellte, immer ein Zeichen der Freundlichkeit und des Respekts darstellt. Somit waren wir immigriert und hatten die erste Verhaltensprüfung bestanden!
Zum Hauptbahnhof waren es nur einige Haltestellen und dort angekommen, es war so gegen 17 Uhr, gingen wir in die Schalterhalle um Tickets nach Ayutthaya zu kaufen. Unsere erste thailändische Bahnfahrt; wir gingen gleich in die Vollen und kauften Tickets für die 3. Klasse.
Der Zug stand bereits im Kopfbahnhof und wir dachten es würde bald losgehen, was sich jedoch als Irrtum herausstellte. Wartezeit und Pünktlichkeit spielt keine besondere Rolle. Nach einer Stunde, wir schauten dem Treiben auf dem Bahnsteig zu und unsere Hinterteile schmerzten bereits von den Holzbänken der 3. Klasse, fuhr der Zug langsam aber sicher aus dem Bahnhof aus.
Auf nach Norden!
Die Fenster der 3. Klasse – Wägen lassen sich nicht verschließen und auch die Türen der Wagen standen offen. So verließen wir Bangkok. Nachdem die Hochhäuser zu Ende waren änderte sich das Stadtbild urplötzlich. Am Bahndamm standen nun Frauen mit Kindern auf dem Arm und Leute die über die Gleise wollten. Die Hütten waren aus Holz und Blech zusammengezimmert und an Seitenstreifen der Bahnlinie wehte Wäsche im Wind. Die andere Seite Bangkoks; Slums!
Nach etwa 45 Minuten erreichten wir auch die Haltestelle, an der wir heute morgen vom Flughafen aus in den Zug einsteigen wollten. „Naja, die Reise in die Innenstadt hätten wir uns auch sparen können und gleich hier einsteigen (wie wir es ja vorgehabt hatten)“, dachten wir (am Ende unserer Thailandreise sollten dann unsere Gedanken über die Flugzeug – Bus – Verbindung noch mal über den Haufen geworfen werden).
Jetzt waren wir endlich raus aus der Großstadt, die gleich am ersten Thailand - Tag jede Menge schockierende und auch faszinierende Eindrücke hinterließ.
Rechts und links zogen nun Reisfelder vorbei auf denen in der Abendsonne noch einige Bauern bei der Arbeit waren. So ging es im langsamen Tempo von Dorf zu Dorf und von Bahnhof zu Bahnhof.
Nach etwa 3 Stunden, die Sonne war bereits untergegangen, erreichten wir Ayutthaya.
Zu unserer Verwunderung waren keine Schlepper am Bahnhof die uns zu einem „super“ Guesthouse bringen wollten und die wir abwimmeln hätten müssen.
Zu Fuß zogen wir los.
Ayutthaya ist eine kleine, altertümliche Stadt die von einem Fluss umgeben ist, den wir erstmal überqueren mussten. An einer Anlegestelle, etwa 5 Gehminuten vom Bahnhof entfernt, fährt hier alle fünf Minuten für 3 Baht pro Person ein kleines Motorboot ans andere Ufer und fast zu schnell für die Motorik unserer belasteten Gehirnzellen, die nun schon 36 Stunden ohne Schlafregeneration ausgekommen waren, standen wir vor einem Guesthouse. Dieses (oder eins da in der Nähe, war uns jetzt auch egal) hatten wir uns aus unseren Reiseführern während der Bahnfahrt rausgepickt.
Sofort wurden wir herzlich empfangen. Vorsicht beim Betreten eines Hauses erstmal Schuhe ausziehen. Die Besitzerin der kleinen Pension zeigte uns das letzte freie Zimmer und wir sagten für 200 Baht pro Nacht zu.
Der Mann des Hauses begann sofort in seiner Open – Air – Küche für uns Abendessen zuzubereiten und als wir unser Gepäck verstaut hatten, setzten wir uns an einen der beiden Holztische im Eingangsbereich um seine Köstlichkeiten zu genießen. „Spicy“, fragte er uns. „Nein, bloß nicht zu scharf“! Somit lernten wir gleich am ersten Abend was hier eigentlich scharf ist, wenn dieses Essen schon „nicht scharf“ sein sollte. Die Hausherrin brachte uns noch ein (unser erstes) thailändisches Bier an den Tisch und setzte sich zusammen mit einer jungen Japanerin, die hier ebenfalls Urlaub machte, zu uns an den Tisch.
Somit hatten wir etwa 42 Stunden fast ohne Schlaf verbracht. Aber immer noch mit einem Lächeln auf den Lippen und einer maßlosen Zufriedenheit vielen wir in unsere Betten.
02.01.2007 Ayutthaya
Als wir morgens aufwachten, stand ein beißender Güllegeruch im Zimmer. Wir sahen aus dem Fenster und mussten feststellen, dass sich direkt davor die Versitzgrube des Hauses befand. Thailand und Kanalisation – Fehlanzeige. Schnell raus hier!
Wir brachen also, nach dem Genuss unseres ersten Thai-Coffee, mit unseren Reisebüchern auf um Ayutthaya zu erkunden. Die Hausherrin gab uns den Tipp zuerst mal die Märkte, für die Ayutthaya recht bekannt ist, anzuschauen. Wir machten uns also auf Richtung Stadtmitte.
Die Märkte sind in Thailand nicht mit den deutschen Märkten vergleichbar. Hier ist ein Markt eher ein Straßenverkauf. Die kleinen Seitenstraßen sind voll mit Menschen. Die Leute verkaufen hier Essen, Kleidung und jede Menge Kleinkram. Man bekommt hier alles. Von Batterien über Sonnencreme bis hin zu Schmuck und Edelsteinen.
In Ayutthaya gibt es drei Märkte an verschiedenen Orten, die jeden Tag aufs Neue aufgebaut werden. Einen Morgenmarkt, der bereits gegen 6 Uhr öffnet, einen Tagmarkt und einen Nachtmarkt. Der Morgenmarkt hatte bereits geschlossen und so gingen wir zum Tagmarkt, der sich in der Nähe des Flusses, der Ayutthaya umgibt, befindet. Wir schlenderten staunend durch die kleinen Gassen und setzten uns später auf eine Mauer am Fluss und genossen den Ausblick auf das Kloster gegenüber, wo ständig Mönche mit einem kleinen Boot zum Markt übersetzten.
Zum ersten thailändischen Mittagessen bogen wir in eine kleine Seitengasse ab, wo zwei Frauen an ihrer Moped – mit – Seitenwagen – Küche Essen verkauften. Da wir noch gar nicht wussten wie das ganze überhaupt funktioniert und wir natürlich noch kein Wort Thai verstanden, setzten wir uns einfach an einen der Plastiktische die daneben standen. Ohne Bestellung brachte uns eine Frau etwas zu Essen an den Tisch und wir testeten vorsichtig (spicy oder hot?) an.
Suppe, Reis mit Gemüse und Chicken und dazu Gewürze und Soßen. Das ganze wurde zum Experiment. „Was ist das alles“. „Einfach würzen und probieren!“. Wir stellten erneut fest, dass die Thais was vom Kochen verstehen. Super Mittagessen; für 20 Baht!
Nach einem Blick in den Stadtplan des Reiseführers ging´s dann weiter zu den Ruinen der alten Klöster Ayutthayas. Die ersten „Steine“ befanden sich an einer belebten Kreuzung und plötzlich war das Wat (so heißen die Klöster und Klosterruinen Thailands) nicht mehr interessant. Wir kauften uns erstmal was zu trinken, setzten uns auf die alte Mauer des Wats und sahen mit Staunen dem „Kreuzungstreiben“ zu. Ein riesen Erfahrungswert. Wir lernten thailändische Verkehrsregeln:
- Rot bedeutet hier nicht „Halt“, sondern „wenn du Lust hast kannst du ja stehen bleiben“.
- Fahrradfahrer sind Selbstmörder. Sie haben kein Recht die Kreuzung zu überqueren.
- Wer das schwerste Auto hat darf als erstes die Kreuzung überqueren.
- Motorradfahrer sollten erst dann losfahren, wenn sich mindestens eine Ansammlung von zehn Motorrädern gebildet hat.
- Wenn du keine Lust mehr hast weiterzufahren, darfst du mitten auf der Kreuzung stehen bleiben und dem Treiben zuwinken.
Nach einiger Zeit schlenderten wir dann in der Mittagshitze weiter zum nächsten, dem größten Wat Ayutthayas. Das Wat Ratchaburana wurde 1424 von König Borom Rachathirat II erbaut und ist neben dem Ramapark eine der größten Attraktionen Ayutthayas. Ein hohes turmähnliches Gebäude steht im Zentrum der Anlage und wir stiegen die steilen Steintreppen hinauf. Oben im Turm geht es dann schmale dunkle Treppen hinunter wo am Ende in einer Glasvitrine einige alte Reliquien des Klosters ausgestellt sind.
Weiter ging´s dann zum Ramapark wo wir uns in den Schatten eines Baumes setzten um der Hitze zu trotzen. Wir zogen unsere Schuhe aus und machten es uns mit einem Singha - Bier, das wir für teures Geld an einen der Touristenständen gekauft hatten, gemütlich.
Nachdem wir eine Stunde ausgespannt hatten, gingen wir quer durch die Stadt, es war gegen 15 Uhr, zum Anlegeplatz der Fähre. Wir brauchten Zugtickets für unsere Weiterfahrt. Also setzten wir wieder mit dem kleinen Boot, ans andere Ufer über und gingen zum Bahnhof. Sukhotai sollte unsere nächste Station sein. Dort hält aber kein Zug. Wir kauften die Tickets, dieses mal 2. Klasse, bis Pitsanulok von wo aus es dann mit dem Bus weiter gehen soll. Dann machten wir uns wieder auf den Weg zur Fähre.
Unterwegs kam uns ein Inder mit einem jungen Elefanten entgegen der für 20 Baht mit Zuckerrohr gefüttert werden sollte. Wir waren anfangs verwundert. „Ein Elefant mitten in der Stadt“. Dies kommt, wie sich später noch herausstellte, in Thailand ziemlich oft vor. Es ist eine reine Touristenattraktion. Man soll dem Inder kein Zuckerrohr abkaufen um den Elefanten zu füttern, da diese oft sehr
schlecht behandelt werden und man damit nur diese sinnlose Tierhaltung unterstützt.
Irgendwo musste der Nachtmarkt sein. Nach unserem Stadtplan und der Erklärung unserer Hausherrin waren wir auch richtig aber wahrscheinlich zu spät. An der Straße standen nur einige mit kunstvollem Airbrush besprühte Reisebusse.
Wir gaben die Suche auf und beschlossen zurück zum Guesthouse zu gehen um dort zu Essen. Alle Gäste waren bereits da und der Hausherr hatte bereits den Grill angeheizt. Wir stellten die drei Tische zusammen und setzten uns. Ein englischer Gast fehlte noch. Er war, mit zuviel Whiskey im Blut, um die Mittagszeit zum Fischen aufgebrochen und seit Freund hatte seither nichts mehr von ihm gehört.
Das Abendessen startete also ohne ihn. Wir unterhielten uns mit einem deutschen Gast aus Kassel, der schon öfter in Thailand war und nun mit seiner Tochter hier Urlaub machte.
Der Hausherr verstand sein Handwerk. Er tischte im offenen Eingangsbereich ein spitzen Essen auf und wir sammelten weiter Erfahrung über die Thai – Küche.
Im Hintergrund begann plötzlich ein Gecko mit seinem Abendkonzert und urplötzlich tauchte „Fishingman“, der vermisste Engländer, auf einem Pritschenwagen auf. Er schien noch irgendwo Party gefeiert zu haben, denn er konnte sich kaum auf den Beinen halten.
03.01.2007 Sukhothai
Der Zug sollte um 9:30 Uhr abfahren, also hatte ich den Wecker auf 7:30 gestellt. Wir packten unsere Rucksäcke und setzten uns dann an den Frühstückstisch um Kaffee zu trinken. Plötzlich viel mein Blick auf die Uhr über der Theke. 9 Uhr. Ich hatte den Wecker um eine Stunde falsch gestellt. Sofort zahlten wir unseren Aufenthalt, verabschiedeten uns mit dem thailändischen Gruß von unseren Gastgebern und starteten los Richtung Fähre. Zum Glück lief alles glatt und wir erreichten zehn Minuten vor Abfahrt des Zuges den Bahnhof. Der Fahnenwinkebahnhofsangestellte fragte uns mit englischen Brocken wohin wir den wollen und wir nannten ihm unser Ziel; „Phitsanulok“. „Ten minutes“, meinte er. Alles klar!
Ein Zug fuhr ein und wir wollten einsteigen als uns plötzlich der Bahnhofsangestellte zurückhielt. Falscher Zug; der Nächste erst. Noch mal Glück gehabt.
Mit Zweiter – Klasse – Nobelreisen verließ der Zug den Bahnhof!
Im Zug wurde Essen und Getränke verkauft und somit war das Frühstück auch gerettet.
Gegen Mittag erreichten wir dann Phitsanulok. Die Mittagshitze brannte vom Himmel und wir wollten ja noch weiter nach Sukhothai. Irgendwo hier musste der Bus dorthin abfahren. Die Taxifahrer waren schon wieder startbereit und wollten uns mitnehmen, doch wir verneinten und gingen zu Fuß zur Bushaltestelle die laut Reiseführer etwa einen Kilometer entfernt an der Hauptstraße liegen sollte.
Ohne Probleme kamen wir dort an und kaum hatten wir am Kiosk ein paar Flaschen Wasser gekauft, fuhr schon der Bus heran.
AC – Bus, yuhee, AC! Vorne neben dem Fahrer stand eine Stereoanlage aus der Thai – Musik schallte und die Leute unterhielten sich mit freundlichen Gesten was uns beiden ein Lächeln aufs Gesicht zauberte. Eine Stunde Busfahrt für 70 Baht und wir fuhren im Busbahnhof von New Sukhothai ein. Die Sammeltaxifahrer standen schon bereit um die Touristen mitzunehmen und wir fuhren Richtung Stadtmitte. „Zur Chopper – Bar“, sagten wir.
In der Nähe der Bar hatten wir uns ein Guesthouse ausgesucht und aus Vorsicht vor Schleppern nannten wir nicht den Namen des Guesthouses da die Sammeltaxifahrer einen gerne nicht zum gewünschten Ziel bringen, sondern zu einem Guesthouse wo sie für das Bringen neuer Gäste bezahlt werden. Und genau so war es auch. Der Taxifahrer brachte uns zu einem Guesthouse. Zum Glück war dieses direkt neben der Bar und wir deuteten an, dass wir kein Interesse an einer Übernachtung hätten, da wir (angeblich) nur hier wären um in der Chopper – Bar Freunde zu treffen.
Also zogen wir ab und gingen zu dem von uns aus dem Reiseführer ausgewählten Guesthouse: „TR Guesthouse“. Eine schöne, gepflegte Anlage mit einer zur Straße hin offenen Terrasse, Zimmern auf zwei Stockwerken und zwei großen Holzbungalows im hinteren Teil des Gartens.
Bungalow, jawohl. Wir bezogen sofort einen für 350 Baht pro Nacht. Nobel!
Nachdem wir uns heimisch eingerichtet hatten, gingen wir Richtung Stadtmitte von New Sukhothai, um irgendwo zu Abend zu essen. Wir folgten dem nicht – touristischem Treiben und gingen, wie schon von Ayutthaya gewohnt, in eine der Seitengassen wo eine mobile Garküche an der anderen stand und setzten uns. Die Speisekarte war auf thailändisch und wir versuchten unseren Erfahrungsschatz anzuwenden. Wieder mal spitzen Essen; thai – selfmade.
Nachdem wir uns den Bauch vollgeschlagen hatten, schlenderten wir noch etwas durch die Gassen, tranken noch ein Bier in einer Bar, kauften noch etwas DEET – haltige Antimückencreme (inzwischen hatte sich die Anzahl meiner Stiche auf sechs erhöht) und ein paar Dosen Singha - Bier und kehrten zurück zu unserem Bungalow, wo wir bei brennender Muskitospirale und singendem Gecko den Abend ausklingen ließen.
04.01.2007 Old Sukhothai
Um halb neun wurden wir wieder von „Three little Birds“ Bob Marley – Sound aus dem Handy geweckt. Auf der Terrasse des Guesthouses bestellten wir erstmal ein „sündiges“ American Breakfast und machten uns auf den Weg zur nächsten Minibus - Haltestelle um nach Old Sukhothai zu fahren. 30 Minuten tuckerte der Bus die 12 km über die Straße und beendete die Fahrt am Touristenpunkt von Old Sukhothai.
Für uns wäre es glatt eine Sünde gewesen, nicht gleich am danebenliegenden kleinen Kaffeestand einen jamaikanischen Blue Mountain Coffee zu trinken und kaum hatten wir es uns auf den holzgeschnitzten Hockern gemütlich gemacht, tauchte wieder ein Inder mit seinem Elefant auf, der diesmal allerdings kein Geld von uns bekam.
Old Sukhothai wird auch als „Wiege Thailands“ bezeichnet, da früher hier der Hauptsitz des Königs war.
Wie wir aus unseren Reiseführern wussten, stehen außerhalb des Stadtwalls rund um die alte Stadt jede Menge Wat – Ruinen. Zu Fuß ist des Weg zu lang, also mieteten wir uns für je 150 Baht zwei Fahrräder und mit einer kleinen Stadtkarte vom Touristeninfopunkt radelten wir in Richtung der südlichen Walldurchfahrt.
Außerhalb des Walls steht kein einziges Haus mehr und wir richteten uns nach der unübersichtlichen Karte und der Himmelsrichtung. So radelten wir auf schmalen Straßen quer durch den „Urwald“ und suchten die versteckten Wat – Ruinen.
Nach einer Weile, wir dachten schon wir hätten uns verfahren, tauchte am Waldrand nach einer Biegung plötzlich ein offener Holzbau auf. Wir trauten unseren Augen nicht. Stand doch da mitten in der verlassenen Gegend eine „Open Air Bar“ hinter der ein weißer, älterer Mann mit Vollbart stand und uns auf Englisch zurief. „Coffee?“. Warum nicht? Wir stoppten, setzten uns und der ausgewanderte Holländer braute uns frischen Kaffee auf.
Wir unterhielten uns einige Zeit mit ihm, wobei sich herausstellte, dass wir auf dem richtigen Weg waren, und fuhren dann die Straße weiter zur nördlichen Walldurchfahrt.
Wieder im Zentrum von Old – Sukhothai angekommen (von Wats hatten wir jetzt echt genug) kehrten wir an einem Restaurant ein um zu Mittag zu essen.
Mit aufgebessertem Wasservorrat ging die Tour weiter ins Zentrum von Old Sukhothai. Wir radelten durch die kleinen Straßen des Ortes und nachdem wir uns aufgrund unserer schmerzenden Hinterteile nicht mehr auf den Sätteln halten konnten, legten wir am wenig besuchten Touristenmarkt eine Pause ein und bummelten durch die Stände.
Gegen 15 Uhr gaben wir die Fahrräder zurück und machten uns, mit frischem Dosen – Eiskaffee auf den Weg zurück zum Sammeltaxistand.
Wir hatten einen schlechten Zeitpunkt erwischt.
Auf dem Weg zurück nach New Sukhothai hielt der Taxifahrer, obwohl der Straßenrand schon mit Taxis zugeparkt war, an der Schule an. Dort standen wir etwa eine Viertelstunde, bis sich, nachdem alle anderen Taxis voll waren, endlich ein paar Schulkinder dazu durchrangen auf unser, mit „Whities“ (Weiße) besetztes Taxi zu steigen. Die Kinder steckten die Köpfe zusammen und tuschelten, warfen uns Blicke zu und lachten.
„Long Noses“ (so werden in Thailand die Weißen genannt); wir waren für die Kinder anscheinend eine unterhaltsame Abwechslung.
Die Rückreise nach New Sukhothai dauerte fast doppelt so lange als die Fahrt am Morgen.
Nach einer erholsamen Dusche gingen wir wieder in die Innenstadt von New Sukhothai um zu Abend zu essen. Diesmal setzten wir uns in einen der überdachten Essensmärkte, wo an verschiedenen Ständen jegliche Art von Essen und frisch gepresste Obstcocktails angeboten wurden. Es war kein einziger Tourist zu sehen; so fühlten wir uns wohl!
Auf dem Weg zurück war mitten auf der Straße eine riesige Bühne aufgebaut auf der zu thailändische Musik Tänzerinnen ihr Bestes gaben. Wir stellten uns ins Publikum. Anscheinend wurde immer noch Neujahr gefeiert.
Wir mussten unbedingt noch in die Chopper – Bar einkehren, die uns ja vor dem Abschleppversuch des TukTuk - Fahrers gerettet hatte. In der teilüberdachten Dachterrasse setzten wir uns an einen Tisch am Geländer und schauten dem Nachttreiben der Stadt zu. Die Bedienung brachte uns Singha - Bier, stellte eine Moskitospirale unter den Tisch und wir lauschten dem Alleinunterhalter der auf „thai – englisch“ mit einer Gitarre Worldmusik spielte. Hier ließ es sich aushalten, bis sich wieder mal bestätigte, das dieses Land für uns „Long Noses“ zu klein „ausgelegt“ war. Auf dem Weg zur Toilette stieß sich Tom an einem Dachbalken so heftig die Stirn, dass die Wunde erst nach einer Woche wieder verheilt war.
Mit einem erstaunlichen Feuerwerk, das in etwa in der Nähe der Bühne in der Innenstadt hochging, endete der Abend!
05.01.2007 Chiang Mai
Bob Marley weckte uns wieder sanft aus dem Schlaf. Wir setzten uns auf die Terrasse des Guesthouses und bestellten eine riesige Portion Müsli und Kaffee. Unser nächstes Reiseziel hieß Chiang Mai.
Diese Stadt liebt im Norden von Bangkok und ist nach Bangkok die zweitgrößte Thailands.
Nach dem Frühstück packten wir unsere Rucksäcke, zahlten unseren Bungalow und wollten das Guesthouse verlassen um mit dem nächsten Minibus zum Busbahnhof zu fahren. Wir hatten bei unserer Ankunft in Sukhothai bereits Fahrpläne besorgt und wussten somit wann der nächste Bus nach Chiang Mai abfahren würde.
Der Guesthousebesitzer hielt uns zurück. Er sagte wir bräuchten nicht mit dem Minibus zu fahren da er uns mit seinem Pickup fahren könne. Super Service. Auf der Ladefläche des Fahrzeuges fuhren wir zum Busterminal!
AC – Bus um 10:30 Uhr; so ging es erst mal Richtung Westen. Mit einem Zwischenstopp in Tak, wo wir uns ein paar „Kugelwürstchen“ und Wasser kauften, endete die fünfstündige Reise mit schmerzenden Hinterteilen am Eastern – Busterminal von Chiang Mai.
Natürlich hatten wir uns schon wieder aus den Reiseführern ein Guesthouse ausgesucht. Wir entschieden uns für das Eagle House 2, da es nicht direkt im Zentrum lag und in den Büchern als gute Empfehlung für Trekkingtouren angepriesen wurde. Die Bemerkung „schwer sauber zu haltende Zimmer“ störte uns nicht.
Wieder aus Vorsicht vor Schleppern ließen wir uns mit einem Tuk Tuk, nachdem wir uns am Busterminal einen Doseneiskaffee genehmigt hatten, zum Wat Chai Sri Phum in der Nähe des Guesthouses bringen. Mit dem Stadtplan des Reiseführers in der Hand schlenderten wir, nachdem wir einen kurzen Blick auf das Wat („schon wieder Wat“) geworfen hatten, durch die schmalen Gassen zum Eagle House 2.
Wir ließen uns das Zimmer zeigen. Schrecklich. Verrostete Bettgestelle, eine kleine Toilette ohne Toilettenpapier und Spülung (nur mit thailändischer Reinigungsvorrichtung d.h. Eimer und Wasserstrahler), kleinem Waschbecken, mattem Spiegel, und einer Duschvorrichtung mit verschimmeltem Duschvorhang der die nichtvorhandene Tür der Toilette ersetzte. Jetzt wussten wir was im Reiseführer „schwer sauber zu halten“ bedeutet.
Da jedoch das Trekking hier so hoch gelobt wurde, entschieden wir uns zu bleiben. Das Eagle House hat auch einen Wäscheservice und wir sortierten unsere schmutzigen Klamotten aus und gaben sie zum Waschen ab.
Wir hängten unsere Moskitonetze über unsere Betten und machten uns mit der wunderwirkenden DEET - Creme auf der Haut auf in Richtung Innenstadt um irgendwo zu Abend zu essen.
Kaum hatten wir die Seitengassen verlassen, war es vorbei mit der Ruhe. Die Straßen waren auch am späten Abend noch überfüllt mit Fahrzeugen und Gehwege fehlten hier. Irgendwie kämpften wir uns durch und landeten vor einer Pizzeria „Art Cafe“. Überall waren fast nur „Long Noses“ und dicke Weiße mit Thaigirls zu sehen und da wir keine Lust mehr hatten, weiter nach einheimischem Flair zu suchen, beschlossen wir heute thailändisch zu „sündigen“. Heute gab es kein thailändisches Abendessen sondern westliche Pizza und danach noch Kaffee beim Starbuck. Schnellstmöglich kehrten wir, ohne weiter durch die stressige Stadt zu spazieren, zurück zum Guesthouse.
Diese Stadt war absolut nichts für uns. Wir wollten wieder weg hier; weiter Richtung Norden.
06.01.2007 Chiang Dao
Wir wollten Frühstücken. Ein Toaster und eine Kaffeekanne standen an der Rezeption. Das war alles. Frühstück ade. Wir genehmigten uns lediglich ein Tasse Kaffee und fragten nach unserer Wäsche. Diese würde jedoch erst am Abend fertig sein. Wir machten der Frau an der Rezeption klar, dass wir uns entschieden hätten heute noch abzureisen jedoch auch die folgende Nacht zu zahlen. Das Problem war nur unsere Wäsche und sie meinte sie würde sich damit beeilen.
Was nun? In die Stadt? Wir zogen los! Mit unseren Stadtplänen war es kein Problem den „Flower Market“ zu finden, der jedes Jahr stattfindet und für den Chiang Mai recht bekannt ist. Wir schlenderten durch den Markt und bewunderten die Blumenpracht die an den Ständen zum Verkauf angeboten wurde. Mit einer Dose Cola setzten wir uns am Rand des Marktes an den Fluss und schauten dem Treiben zu.
Die Sonne stand schon ziemlich hoch und wir hatten heute noch immer nichts Richtiges gegessen. In China Town fanden wir eines der, bei den Einheimischen beliebten, „Garagenrestaurants“. Vor dem Eingang der Garage stand wieder eine der berühmten mobilen (Moped-)Garküchen. Wir wurden sofort höflich bedient und bekamen ein spitzen Essen
aufgetischt. Gemüsesuppe mit Chicken und Obst. Jetzt lernten wir Stäbchenessen!
Die chinesischen Spezialsuppenlöffel fehlten noch in unseren Rucksäcken. So was musste her. Um die restliche Zeit des Tages noch totzuschlagen, in dieser Stadt hatte wir keine Lust auf Sehenswürdigkeiten, wanderten wir weiter durch die Straßen der Stadt.
In einem Elektrogeschäft entdeckte ich ein Mischpult für die Hälfte des Betrages den man in Deutschland dafür zahlen würde. Es war nicht originalverpackt und so begutachtete ich es einige Zeit, als plötzlich ein Polizist im Laden neben mir stand. Wahrscheinlich wartete er nur darauf, dass ich diese Ware kaufe. Das auftreten des Polizisten machte mich stutzig und so verließ ich schleunigst den Laden. Zu einem späteren Zeitpunkt unserer Reise erklärte mir ein junger Thai, dass dieses Verhalten genau richtig war. Es war Schwarzmarktware und man kann sich dann bei der Polizei durch Schmiergelder freikaufen. Noch mal Glück gehabt.
Wir kehrten noch in einem Musikgeschäft ein, wo ich mir für 60 Baht eine Mundharmonika kaufte und fanden schließlich ein Eisenwarengeschäft die diese asiatischen Suppenlöffel verkauften. Wir nahmen für 120 Baht gleich eine Zwölferpackung (weniger gab´s nicht) mit und machten uns auf den Weg zurück zum Eagle House.
Vor einem Geschäft saß ein etwa fünfzehnjähriger Junge der Bussitze restaurierte. Mit der Aussage: „brrrr, brrrr“ und einigen Gesten fragte ich ihn, ob es möglich wäre ein kleines Loch in zwei Löffel zu bohren. Er tat es und ich gab ihm 15 Baht dafür.
Jetzt konnten wir die Löffel an die Rucksäcke hängen.
Unsere Kleidung war natürlich noch nicht zurück aus der Wäscherei und so setzten wir uns im Eagle House an einen Holztisch, tranken Kaffee, schrieben Postkarten und suchten unser nächstes Reiseziel aus. Die Hoffnung, heute noch diese Stadt verlassen zu können, hatten wir bereits aufgegeben, als plötzlich eine Angestellte mit unserer Wäsche ankam. Wir schauten auf die Uhr. 16 Uhr. Um 17 Uhr geht der letzte Bus Richtung Norden. Das würden wir schaffen. Gepackt war gleich, zahlten noch für unsere Nacht (und noch zusätzlich für die Nächste), 380 Baht und machten uns auf dem Weg zur viel befahrenen Hauptstraße. Sofort hatten wir ein Tuk Tuk angehalten und fuhren mit einem Lächeln auf den Lippen zum nördlichen Busbahnhof.
Der Bus nach Fang stand schon bereit. Schnell hatten wir für 40 Baht pro Person zwei Tickets am Schalter besorgt und betraten mit unseren Rucksäcken den Bus. Ach ja, die Rucksäcke. Die hatten natürlich im Reisebus nichts verloren. Mit einem Gelächter der Einheimischen Reisenden gings dann zur hinteren Tür wieder raus und wir ließen unser Gepäck im Heck des 3. Klasse „non AC“ – Busses verstauen.
Los ging´s in nördlicher Richtung raus aus Chiang Mai.
Wir wollten im Norden über Tha Ton und Chiang Rai eine Schleife drehen und dann wieder zurück nach Chiang Mai um mit dem Nachtzug dann zurück nach Bangkok zu fahren.
Unser nächstes Ziel sollte Chiang Dao sein, dass etwa 70 km nördlich von Chiang Mai liegt. „Malee´s Nature Lovers Bungalows“ wurden in unseren Reiseführern sehr gelobt. Diese Anlage liegt etwa 5 km westlich von Chiang Dao mitten in der Natur. „Genau unser Fall“, dachten wir!
Während der dreistündigen Busfahrt beobachteten wir die vorbeiziehenden Berge und Wälder und lauschten den unverständlichen Gesprächen und dem Gelächter (manchmal mit Blicken auf uns) der von der Arbeit heimfahrenden Pendler. Ein Mönch, der es sich neben Tom gemütlich gemacht hatte, begann mit uns in gebrochenem Englisch ein Gespräch und wollte wissen, woher wir kämen. „Germany“, meinten wir! „Hitler“, mehr viel ihm anscheinend zu unserem Land nicht ein.
Ein Busbegleiter winkte uns zu und meinte „Chiang Dao, next station“! Um 19 Uhr, die Sonne war bereits hinter den Bergen verschwunden und es begann kalt zu werden, verließen wir den Bus und standen wieder mal in einer uns fremden Umgebung. Freiheit, so sollte es sein.
Gegenüber der Haltestelle setzten wir uns erstmal in ein kleines Cafe und unterhielten uns mit dem jungen Besitzer, ein Engländer, der ausgewandert war und nun mit seiner thailändischen Frau und seinem Kind hier lebt. Nachdem seine Frau uns den Kaffee auf den Tisch gestellt hatte, wollte er wissen wohin wir denn wollen. „Zu Malee´s Nature Lovers Bungalows“, antworteten wir und er bestellte uns ein Sammeltaxi, das wenige Minuten später vor der Tür stand.
Nach einer viertelstündigen Fahrt bog das Taxi von der Hauptstraße in einen Feldweg ein, an dessen Ende sich Malee´s Anlage befand.
Ein großes Wohnhaus, in dem Malee mit ihrem Bruder und ihrem Sohn lebt, mit einer großen überdachten Terrasse davor und ringsherum hinter Bäumen einige Stein- und Holzbungalows.
Ich stieg aus dem Taxi aus, Malee´s Bruder kam mir bereits entgegen, und fragt nach einer Übernachtung. „Ja, ein Bungalow ist noch frei! 900 Baht pro Nacht“.
Wir zerrten unsere Rucksäcke aus dem Sammeltaxi und ließen uns von Malee den Bungalow zeigen! „The Honeymoon – Suite“, meinte sie und lachte. Ein riesiger Bungalow mit großen Betten, großen Fenstern, großem sauberem Bad mit Warmwasserboiler und einem Balkon, mit Tisch, Stühlen und einer Hängematte, unter dem ein kleiner Bach vorbeiplätscherte. Wir waren begeistert.
Wir sollten uns beeilen, meinte Malee, da dass Abendessen bereits fertig sei.
Bei unserem Hunger war das kein Problem. Wir warfen unsere Rucksäcke in die Ecke und gingen zurück zur Terrasse am Haupthaus, wo bereits die anderen Gäste am original Thai – Buffet anstanden.
Eine der beiden Angestellten Malee´s stellte uns noch zwei Singha – Bier auf den Tisch und wir genossen das vorzügliche, hausgemachte Thai – Food.
Nachdem wir uns den Bauch vollgeschlagen, mit Malee´s Sohn rumgetollt und uns ein bisschen mit den anderen Gästen unterhalten hatten, gingen wir zurück zu unserem Bungalow, packten unsere Rucksäcke aus und machten es uns noch einige Zeit auf unserem Balkon gemütlich bis wir durch das meditative Rauschen des Baches und den Klang der Frösche und Grillen die Augen nicht mehr offen halten konnten.
07.01.2006 Durch den Urwald
In so einem Paradies ist es Pflicht früh aufzustehen. Heute hatten wir nichts Besonderes vor und gingen erst mal gemütlich frühstücken. Der Morgendunst hing noch zwischen den Bergen und die wärmende Energie der Sonne hatte Malee´s Nature Lovers Bungalows noch nicht erreicht. Mit unseren Fleecejacken saßen wir auf der Terrasse und tranken Kaffee.
Neben der Theke hing ein kleiner Umgebungsplan und wir beschlossen heute auf den darauf eingezeichneten Weg, den Nature Trail, entlang zu wandern und die beiden darauf verzeichneten Höhlen zu suchen. Ja, Natur pur. Ich fotografierte noch den Umgebungsplan und wir packten Getränke, Sonnencreme, Moskitospray und unsere Stirnlampen in unseren Riemenbeutel und wanderten los.
Der Weg führte zuerst über ein kleines Feldstück und dann hinein in den Wald. Wir folgten einem Trampelpfad der sofort steil bergauf durch den durchwachsenen Urwald verlief, bis wir, nach einer Stunde und einer kurzen Pause eine Biegung erreichten, an der wir bald vorbeigelaufen wären. Ich zog meine Kamera aus der Tasche und wir warfen einen Blick auf die fotografierte Karte. „Nach rechts geht’s zur Höhle!“ Also bogen wir ab. Als sich der Wald gelichtet hatte, war am steilen Felsen der Höhleneingang zu sehen. „Bat Cave“, so stand es auf der fotografierten Karte. Diese Höhle war keine Touristenattraktion, also war der Weg zum Eingang nur mit wackeligen Holzgeländern gesichert. Wir setzten unsere Stirnlampen auf und kletterten hinauf.
In der Höhle war es stockfinster und das Ende war trotz unserer Kopfbeleuchtung nicht zu erkennen. Am Boden waren Salzrückstände von kleinen neu wachsenden Stalagmiten zu erkennen die durch das ständige Tropfen von der Decke entstanden. Weiter im inneren der Höhle hörten wir plötzlich ein Pfeifen und wir leuchteten an die Decke. Jede Menge Fledermäuse hatten es sich dort gemütlich gemacht. „Jetzt bloß keinen Lärm verursachen, sonst stürmt der Riesenschwarm los!“
Das Ende des Caves viel Licht durch eine Öffnung an der Decke und es war eine Feuerstelle zu erkennen. In der Ecke lag etwas Müll und eine alte Isomatte. Hier musste schon mal jemand die Nacht verbracht haben.
Nach einiger Zeit kehrten wir über den glitschigen Boden zurück zum Eingang und setzten unseren Weg durch den Urwald in Richtung Chiang Dao fort.
Nach einer weiteren halben Stunde Fußmarsch waren wir wieder im Tal angekommen und standen vor den Chiang Dao Caves. Eine reine Touristenattraktion, mit Souvenirshops und Kasse. Dort gingen wir an einen der Stände, es war bereits gegen 14 Uhr, erstmal Essen und betraten dann die Höhle.
Für 100 Baht pro Person durften wir mit einem „Fackelguide“ durch die Höhlengänge kriechen. Mit etwas Phantasie waren Figuren aus den Formen der gewachsenen Steine zu erkennen, worauf uns die Führerin in gebrochenem Englisch ständig aufmerksam machte. Nach etwa 45 Minuten war die durchaus sehenswerte Tour beendet und wir standen vor einem Grabdenkmal, wo die Gläubigen ihre Blumen abgelegt hatten.
Nachdem wir die Höhle verlassen hatten, wanderten wir noch etwas durch den Markt und machten uns auf der Hauptstraße zurück zu Malee´s Bungalows.
Dieser Reisebericht wurde am 20. Juni 2007 von BavarianHias
verfasst.
Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: Thailand der Norden, , Backpackingtour durch das Land des Lächelns, Rucksacktour, Backpacking, Thailand.