Der folgende Reisebericht beschreibt den Aufenthalt in Banos und die anschließende Reise aus dem Andenhochland ins Amazonasbecken während meiner Ecuadorreise 2003.
Erschöpft vom Klima in den Hochregionen Ecuadors (Lago Quilotoa, Cotopaxi) ist unser erster Tag in Banos der Regeneration gewidmet. Wir erkunden die etwas touristische Stadt nach einem ausgiebigen europäischen Frühstück. Nach der Stadtwasserfallbesichtigung suchen wir das etwas außerhalb gelegene Schwimmbad Salado auf, da Temperatur und gutes Wetter zum Baden sich ideal eignen. Das neu gestrichene, in orange und grün gehaltene Schwimmbad wird von heißen, vulkanischen Quellen gespeist, weshalb das Wasser trüb und milchig ist. Es gibt viele verschiedene Becken mit unterschiedlichen Temperaturen, ein Becken ist sehr kalt, da es mit Wasser aus einem Gebirgsbach gespeist wird. Das heißeste Becken untersagt jegliche Bewegungen, es ist einfach zu warm um sich irgendwie von der Stelle zu bewegen, zudem steigen vom Boden heiße Luftblasen auf. Neben einigen Touristen nutzen vor allem viele Eingeborene die heißen Quellen und begutachten die sehr weißen Touristen, wie z.B. uns, genau. Wir verbringen also den Nachmittag im Schatten des schneebedeckten Tungurahua unter blauem Himmel und gleißender Sonne. Die Landschaft um Banos (1800 m über NN) erinnert an die Alpen, wenn auch vereinzelte Palmen und Orangenbäume für einen leicht tropischen Hauch sorgen.Zum Abendessen kochen wir uns in unserer Unterkunft Nudeln, viel Zwiebeln, gekochten Schinken und Krabbensauce. Zudem kommen wir wieder einmal auf den Geschmack von gutem ecuadorianischen Bier.Auffällig in Banos ist, dass sich unzählige Reisebüros auf engstem Raum drängen, die den auch sehr zahlreichen Touristen Wanderungen, Pferdetouren, Radtouren, Bergbesteigungen, Raftingtouren und Dschungeltouren vermitteln wollen.
Man sieht man auch viele Produkte aus Zuckerrohr bzw. die Verarbeitung von Zuckerrohr zu z.B. Nugat. Abends werden wir Zeugen eines kleinen Erdbebens, was in Banos aufgrund der Nähe zum Tungurahua (5016 m über NN) häufig ist. In Deutschland erfahren wir, dass wenige Wochen nach unserem Aufenthalt in Banos der Vulkan wieder aktiv geworden ist und die Stadt in Asche eingehüllt hat. Nach wiederholt reichhaltigem Frühstück wollen wir den uns im Reiseführer angepriesenen Zoo besuchen, um wenigstens dort wilde Tiere zu sehen, wie z.B. Kondor und Puma. Der Zoo liegt auf einer kleinen Insel in einem Wildfluss, der sich rund herum in tiefen Schluchten windet. Der schön angelegte Zoo, dessen Gehege wohl für die freiheitsliebenden Tiere viel zu klein sind, beherbergt viele Raubkatzen wie Leopard, Puma, Gepard, Panther. Ebenso warten viele schaurig schöne Raubvögel wie Kondor, große Greifvögel und Geier, aber ebenso auch viele tropische Vögel, wie z.B. Papageien auf den Besucher. Affen und drei Galapagosschildkröten runden das Bild ab. Zur Mittagszeit müssen wir mal wieder mit unseren Reiseschecks Geld tanken, um über die Runden zu kommen. Von einem hoch gelegenen Aussichtspunkt über der Stadt hat man einen guten Blick auf das gesamte Tal, in dem sich Banos erstreckt. Abends genießen wir das abendliche Flair der Touristenstadt und besuchen das Hard Rock Café in Banos. Zu Beginn des nächsten Tages machen wir uns früh auf, um zu Fuss in das Regenwaldgebiet vorzudringen. Wir laufen entlang der zunächst noch geteerten Straße bergab in Richtung Puyo mit dem Ziel, diese Nacht irgendwo zu zelten. Der Marsch lohnt sich landschaftlich auf jeden Fall, man kann zusehen, wie die Vegetation immer tropischer, üppiger und verwachsener wird. Es gibt nur noch selten Hütten und besiedelte Höfe, dafür schießen überall aus den Bergen Wasserfälle hervor. Wir laufen also entlang des Flusses stets bergab. An einer Stelle ist eine alte, klapprige Seilbahn über den Fluss mit der wir diese Schlucht überqueren, um in wohl gepflegten Orangen- und Mandarinenplantagen unser Mittagessen zu genießen. Bis Rioverde lässt es sich gut laufen, danach merken wir die zurückgelegten Kilometre und müssen bei jedem vorbeifahrenden Fahrzeug in Deckung gehen, um nicht vom Staub eingenebelt zu werden, da die Straßen von nun an nicht mehr geteert sind. Allmählich halten wir auch Ausschau nach einem geeigneten Campingplatz. An einer Tomatenplantage wagen wir den Abstieg und geraten in einen Sumpf. 1,5 m hohes Gras, viele Mücken und Krabbeltiere lassen uns letztendlich feststellen, dass es bei dieser Vegetation und diesen Bodenbedingungen unmöglich ist, zu zelten. Wieder an der Strasse angelangt, warten wir auf den nächsten Bus, um mit diesem nach Puyo zu kommen. Kurz vor Puyo öffnen sich die Berge, man kann ewig weit in das flache Land hinein sehen, vor uns liegt jetzt das Amazonasgebiet mit ihrer unglaublichen Weite und Vielfalt. Farne, Palmen, dichter Bewuchs, bunte Vögel, riesige Schmetterlinge, große Blätter, viel Wasser und weitere interessante Gewächse säumen den Wegrand. Puyo ist auch nur noch 930 m hoch, das Landschaftsbild hat sich noch mal extrem im Vergleich zu Banos (1800 m) gewandelt. Die Temperaturen in Puyo sind sehr angenehm, man kann abends bis 21 Uhr mit freiem Oberkörper draußen sitzen. Unsere Unterkunft ist wieder mal eine Absteige der übelsten Sorte, allerdings sind wir in der 3. Etage und können vor unserem Zimmer auf einer Bank dem Leben unten auf der Strasse zusehen. In der Nacht beunruhigen uns der Krawall in der Straße und der starke Regen. Der nächste Tag in Puyo ist ein trister Regentag, der Himmel ist grau verhangen, kurze Schauer reizen nicht gerade zu größeren Unternehmungen. Am angeblich saubersten Fluss Ecuadors angeln wir, bestaunen die hohen Schilfwände, die sich auf der anderen Seite des Flusses auftun und sind über die abenteuerliche Konstruktion einer Hängebrücke erstaunt. Die Stadt bietet wenig, was einen längeren Aufenthalt lohnt, einzig das Meriendas (typisches Tagesessen in Ecuador) war sehr lecker und die Tatsache, dass die Wirtin nicht einmal einen 5 $- Schein wechseln konnte, sehr amüsant. Ansonsten kommen uns die Menschen eher misstrauisch und unfreundlich uns gegenüber vor. Zum guten Abschluss spaziert eine Kakalake munter aus unserem Zimmer heraus, über der Holzdecke über unserem Bett scheint es zu leben. In Panik kleben wir mit Klebeband alle offenen Ritzen in der Wand und in dem Holzboden ab, bauen unser Moskitonetz auf und versuchen, unseren Ekel zu überwinden und dann einzuschlafen. Früh am nächsten Morgen stellen wir erneut erbost fest, dass die sanitären Anlagen natürlich immer noch nicht funktionieren und dass es in diesen bestialisch stinkt. Die Residencial Ecuador (unser "Hotel") und Puyo selbst sind nicht sehr zu empfehlen. Mit dem Bus fahren wir dann über Banos und Ambato nach Riobamba, die Landschaft wird wieder trocken und kahl, dafür sehen wir die Sonne wieder und fühlen uns in den Anden, jetzt wieder auf 2750 m, viel wohler als im sumpfigen Puyo. Riobamba ist eine pulsierende Stadt mit viel Leben und Lebensfreude, im Hotel Metro direkt am Bahnhof quartieren wir uns ein und machen uns sogleich auf einen Stadtrundgang. Viele Stände, Bäckereien und Geschäfte laden zum Flanieren ein, auch abends erlischt das Leben nicht. Unser Hotel ist eine gute Abwechslung zu Puyo, mit Dusche und Fernseher werden wir ein wenig für die schlechte Unterbringung in Puyo entschädigt.
Fazit: Auch wenn Puyo nur als Durchgangsort für Dschungeltouren genutzt werden sollte, lohnt die Strecke Banos-Puyo sehr. Besonders mit einem (geliehenen) Fahrrad eine sehr attraktive Tour, da man dann schnell den Wechsel der Vergetationszonen miterleben kann.
Dieser Reisebericht wurde am 29. November 2007 von montechristi
verfasst.
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