Um zum Kratersee Lago Quilotoa zu gelangen, starteten wir per Bus in Latacunga in Richtung Pujili.
In der 10000 Einwohnerstadt Pujili gestaltete sich die Hotelsuche als äußerst schwierig. Wir fanden nur eine sehr dürftige Unterkunft in einer Kammer, die von den Besitzern eines Restaurants ansonsten nicht genutzt. Wieder äußerst interessant zeigte sich der Markt in Pujili, wo es viel Obst und Gemüse, aber auch Fleisch und Eier in Unmengen - alles ungekühlt, versteht sich - gab. Der Dorfberg von Pujili liegt etwa 150 m über den Häusern und wir bestiegen ihn auf einer bunt bemalten Treppe in der Hoffnung, dort oben einen Kratersee zu finden, wie er uns von dem Mann in dem Reisebüro beschrieben wurde. In diesem Reisebüro hatten wir eine Tour auf den Cotopaxi (5897 m) gebucht und wollten uns am Lago Quilotoa (ca. 4000 m) akklimatisieren. Dies erwies sich jedoch als Fehlanzeige, wir aßen auf der Aussichtsplattform, die uns einen wirklich atemberaubenden Blick in die Bergwelt Ecuadors gewährte.
Höhenluft
Man merkte deutlich die sehr dünne Luft auf ungefähr 3200 m über NN, insbesondere bei körperlicher Anstrengung. Der pompöse Treppensaufgang entpuppte sich als Wallfahrtsort, wie wir unserem Reiseführer entnehmen konnten. Der erwartete See sollte nicht in Pujili, sondern in Quilotoa sein. Wir nahmen uns vor, das nächste Mal gründlicher im Reiseführer zu schmökern. Bei der Stadterkundung stellten wir fest, dass die Ecuadorianer großen Wert auf Kirchen legen und diese mit viel Geld und Prunk in Stand halten. In einer pingelig gepflegten Parkanlage wachsen Palmen, große, schöne Bäume und interessante Sträucher. Tagsüber sahen wir immerhin noch 2 weitere Touristen in Pujili. Das Internet war dort oben sehr teuer und noch viel langsamer. Trotz zahlreicher Warnungen meiner Eltern probierten wir auf dem Markt das von Indios selbst hergestellte Eis, ohne an Magenverstimmungen zu verenden. Das Abendessen nahmen wir in unserer Unterkunft ein. Wir bekamen eine leckere Hühnersuppe vorgesetzt, in der sich Eingeweide und Füße von Hühnern fainden. Ansonsten konnte man das Essen aber durchaus genießen. Der Tag diente uns ein wenig dazu, unsere Blasen an den Füßen auszukurieren. Unser Zimmer hatte keine 12 m2, ein Doppelbett mit uralter Matratze und fast verrotteten Decken, ein Bad, bei dem aber weder Dusche, noch Waschbecken, noch Klo funktionierten. Das fehlende Fenster machte das Lüften unmöglich, das Schloss der Tür erschien nicht sehr vertrauenswürdig und der Gesamtkomfort war unter jeglichem Niveau. Frohen Mutes starteten wir am nächsten Morgen nach dem Aufstehen weiter hoch in die Anden.
Busfahrt endet in Zumbahua
Die Busfahrt endet in Zumbahua und da wir keine Lust hatten, die letzten Kilometer bergauf zu laufen, nahmen wir ein „Taxi“ zum Ort am Kratersee. Bei dem „Taxi“ handelte es sich um einen nach und Benzin stinkenden, ca. 30 Jahre alten Chevrolet-Van. Oben angelangt, wurde uns unser Fehler bewusst: Wir vergaßen, vor der Fahrt einen Preis auszuhandeln. An den 12 $ (viel für ecuadorianische Verhältnisse) war nun nichts mehr zu ändern. Um 11 Uhr kamen wir im einzigen Hotel am Kratersee an, um gleich zur Umrundung aufzubrechen, die laut der Wirtin nur etwa 4 Stunden dauert. Es sollte aber anders kommen. Am Kraterrand offenbarte sich uns ein sensationelles Panorama, der See sah aus wie eine karibische Lagune, die Vegetation war karg aber auf ihre Weise doch sehr passend und interessant. Die Mittagspause verbrachten wir in der Sonne bei nur leicht bewölktem Himmel; alle Berge waren bis auf einen Höhe von knapp 4000 m bewirtschaftet. Überall konnte man Indiohütten entdecken und Indios (korrekter: Indigenas) auf kleinen Feldern arbeiten sehen. Kurz nach der Mittagspause begannen aber bereits die Torturen. Bei wechselhaftem Wetter von Sonnenschein hin zu kaltem Wind und Nebelschwaden kreuzten wir den Weg von einer einheimischen Schaafhirtin, die zur Bewachung ihrer Herde 2 wolfs- oder hyänenähnliche Hunde mit sich führte. Es waren die wildesten, dreistesten und aggressivsten Hunde, die uns in Ecuador auf unserer ganzen Reise begegnet sind. Mit Steinwürfen und Drohungen wehrten wir uns immer nur knapp den zähnefletschenden Bestien, sie brachten uns aber völlig von dem richtigen Weg ab und zwangen uns zum Abstieg auf Wasserebene, also rund 100 Höhenmeter unterhalb des eigentlichen Weges. Unter abenteuerlichen Klettereien an sehr steilen Hängen erreichten wir schließlich die Seeebene und beschlossen, unsere Tour unten fortzusetzen. An einer Steilwand angekommen, die ein Weiterkommen unmöglich machte, entschieden wir uns entkräftet und entnervt für die Umkehr. Auf der Fährte von irgendwelchen Tieren erklommen wir wieder den Kraterrand, unser Puls zeigte deutlich, dass wir auf 4000 m waren. Bei fortgeschrittener Zeit und immer schlechter und kälter werdendem Wetter versuchten wir, einen leichten und schnellen Rückweg zu finden. Durch Nebelschwaden und einbrechende Dunkelheit hindurch fanden wir gerade mit der letzten Kraft das Dorf wieder und fielen über das Abendessen her, völlig entkräftet und ausgehungert. Im Esssaal trafen wir andere Touristen, mit denen wir unsere Erfahrungen austauschten. Der eiserne Wille hat uns wieder heimgeführt, unseren Füßen hatte diese Tortur aber weiteren Schaden in Form von Blasen zugeführt. Am Abend fielen wir, ungeduscht und ungewaschen, da es kein fließendes Wasser gab, in unser Bett; wir waren froh, noch zu leben. Oder beinahe so :-)
Nach gemütlichem Aufstehen am nächsten Tag um 12 Uhr machten wir uns auf in Richtung Kratersee. Direkt am Dorf ging ein Weg hinunter zur Seeebene, wo eine Hütte stand und ein kleiner Bootsverleih nach zahlungswilligen Touristen suchte. Nachdem wir herausgefunden hatten, das bei den 5 $ pro Person für die Übernachtung auch nach ein reichhaltiges Frühstück und das zweigängige Abendessen mit inbegriffen ist, machten wir uns an den 45 minutigen Abstieg durch Sand und Felsen vulkanischen Ursprungs. Nach vergeblichen Sonnen am Strand mieteten wir zum Wohlwollen des Vermieters doch endlich eines seiner 2 Boote und verbrachten 2 Stunden auf dem See. Wir entdeckten an einer Stelle brodelndes Wasser, was zeigte, dass es sich um einen aktiven Vulkan handeln musste. Der Rückmarsch war verständlicher Weise weitaus anstrengender. In unserer Unterkunft waren im Laufe des Tages weitere „Gringos“ eingetroffen, aus Frankreich, den USA und Holland.Vergeblich suchten wir nach einer Wasch- und Duschmöglichkeit. Den Abend verbrachten wir in der Ess- oder besser Räucherhütte, in der Indiofrauen unzählige Meerschweinchen ausnahmen und rupften. Ein kleiner Junge grillte diese an einem Spieß. Nach dem Abendessen, genossen wir endlich mal wieder die Gesellschaft anderer Touristen, mit denen wir sprechen konnten. Am nächsten Tag wollten wir wieder zurück nach Latacunga, um endlich eine Bergtour zu buchen und um einen der beiden höchsten Berge Ecuadors zu besteigen. Nach frühem Aufstehen und einstündigen Packen genossen wir noch einmal das gute Frühstück bestehend aus Eiern, Kaffee, Brötchen, Marmelade, Käse und Butter. Um nicht ganz aus dem Training zu kommen, liefen wir 2 ½ Stunden bergab nach Zumbahua, auch um keinem weiteren Taxi-Betrug zum Opfer zu fallen. Die folgenden 2 Stunden verbachten wir dann im Bus von Zumbahua nach Latacunga durch die schöne Andenlandschaft hindurch und da kein Nebel war wie auf dem Hinweg, konnten wir mehr sehen und die ein oder andere Indiohütte in der Einsamkeit beobachten. In Latacunga hatten wir Schwierigkeiten, ein günstiges Hotel zu finden. Nach Preiserkundigungen bei verschiedenen Reiseagenturen buchten wir den Cotopaxi-Trip für Freitag. Latacunga, die 35000 Einwohnerstadt, lud mit seinen vielen Geschäften und dem Markt geradezu zum fotografieren und Obst kaufen ein. Zu Essen gab es Hühnchen mit Pommes, Reis, Suppe und einer eigenartigen, dickflüssigen Milch als Nachtisch. Die vermeintlich ruhige Nacht wurde für meinen Mitreisenden allerdings zu einem Inferno, von Durchfall und Brechattacken gequält bekam er kein Auge zu.
Fazit: Sehr empfehlenswert! Man erlebt Abenteuer abseits der Zivilisation in einer beeindruckenden Bergkulisse.
Dieser Reisebericht wurde am 30. November 2007 von montechristi
verfasst.
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