Quito, Machachi, Chaupi, Lasso, Latacunga, verschiedene
Aufbruch in Richtung Süden auf der Suche nach dem Neuen
Am Freitag, dem 04. Juli, brechen wir früh morgens in unserem Hotel El Cafecitoin Quito in Richtung Terminal Terrestre auf mit der Angst, im Bus oder im Gedränge der Menschenmassen um den ein oder anderen Gegenstandes erleichtert zu werden. Mein Kartoffelsackschutz gibt wir etwas Sicherheit. Kalt geduscht schaffen wir es, einen Bus zu unseren heutigen Zielort Machachi zu finden.
Ein Gespann aus Busfahrer und Buspage helfen uns, unsere Sachen auf dem Dach des recht modernen Busses zu verstauen. Bei orientalisch anmutenden Klängen geht es dann durch die Vororte Quitos auf die Pana Americana bis zum ersten größeren Ort außerhalb Quitos, Machachi. Wir hätten am liebsten die gesamte Fahrt auf Fotopapier festgehalten, da extrem altertümliche Handwerksbetriebe, skurrile Bauten und wirklich seltsame und teils sehr veraltete Fahrzeuge und natürlich der Anblick der sich in die Talhänge pressenden Stadt zum Fotografieren geradezu einluden. Das Neue für den westlichen Beobachter ergibt sich bei jeder Wendung des Busses. Zu Fuß geht es dann weiter aus Machachi hinaus, da wir ja viel wandern wollten und nur so wenig wie möglich mit dem Bus zurücklegen wollten. Dies war aber nur der naive Plan der ersten Tage in Ecuador…
Mit Hilfe eines alten Mannes können wir die Marschrichtung bestimmen, wir wollen südwärts nach Latacunga. Bereits nach wenigen Minuten merken wir, welche schwere Bürde wir uns da aufgelastet haben; über 20 kg Gepäck ist selbst für uns ungewohnt und eigentlich auch viel zu schwer. Mit häufigen Pausen, Schmerzen im Rücken, den Beinen und Blasenbildung an den Füßen schleppen wir uns Etappenweise an Feldwegen parallel zur Pana Americana entlang. Vorbeifahrende Jeeps decken uns mit Staub ein. Geteerte Wege scheinen außerhalb der Pana Americana eine Seltenheit zu sein. Um wenigstens noch unser gesetztes Minimalziel zu erreichen, lassen wir uns nach Chaupi auf der Ladefläche eines Jeeps, allerdings ohne sichernde Reling, mitnehmen.
Der Fahrer nimmt, wie sollte es auch anders sein, keine Rücksicht auf seine Fracht und brettert über die marode Strasse mit vielen Schlaglöchern., Am Rand stehende Menschen winken uns freudig zu, die Bewohner der Bergregionen scheinen überaus freundlich und hilfsbereit zu sein. In Chaupi, einem winzigen Dorf, wollen wir Verpflegung kaufen für den Abend und den nächsten Tag. Wir wollen zum Abendessen Hühnchen, auf Spanisch pollo, jedoch scheint die Frau uns nicht zu verstehen, wir versuchen alle Betonungen von pollo und suchen auch nach anderen Wörtern für Hahn, Huhn,... im Wörterbuch. Endlich bekommen wir dann doch ein kleines Stück Hühnchen, natürlich roh, aber wir wollten ja sowieso ein Feuer machen.
Erst Wochen später wird uns unser Irrtum bewusst, „ll“ spricht man im Spanischen wie „j“ aus, also „pojo“ und nicht „pollo“. So hätten wir uns die Peinlichkeiten vielleicht ersparen können, aber wir hatten unser Spanischlernporgramm ja bereits im Flugzeug abgeschlossen bzw. aufgegeben, da man auch so überleben kann.
Etwa zwanzig Minuten hinter Chaupi klettern wir auf die Wegböschung und schlagen unser Nachtlager am Feld- und Wegrand auf, so, dass uns ja keiner sieht, denn wer weiß, was die Indios mit gut betuchten Deutschen, welche wir im Verhältnis für diese armen Leute sind, des Nachts so alles machen. Nach Brennholz sammeln, Feuer machen, Hühnchen grillen, Essen und den Sternenhimmel beobachten schlafen wir mit einem etwas mulmigen Gefühl ein. Zuvor widmete jeder ca. ½ Stunde seinen Füssen, die überseht von Druckstellen und Blasen nach Pause und Schonung schreien und das bereits nach dem ersten Tag. Wo soll das nur enden? Die Nacht auf 2800 m wird sehr kalt.
Der nächste Tag begrüßt uns mit knallender Sonne ab sieben Uhr morgens, allerdings auch mit einem nassen Zelt, welches scheinbar nicht sehr gut ist und vielleicht höchstens zum Zelten am Strand geeignet scheint. Hat ja aber auch nur 19 Euro gekostet… Nach kargem Frühstück und dem Trocknen unserer Sachen machen wir uns auf, um zurück an die Pana Americana zu gelangen. Im ersten Ort, der nicht einmal auf der Karte verzeichnet ist, frischen wir unsere Vorräte auf, verlieren beim verlassen des Ortes die Karte und dürfen nun nur mit einer Miniaturkarte aus dem Reiseführer den Rest unserer Reise bestreiten. Nach gekochten Eiern im Schatten eines Waldes als zweites Frühstück gelangen wir dank meines Orientierungssinnes zurück auf die Hauptstrasse, an der wir nun mehrere Stunden entlang laufen. Wir bewundern die seltsame Fahrzeuge im amerikanischen Stil, die bei uns in Deutschland verbotene Überladung sämtlicher Gefährte und bemerken die Bereitschaft eines jeden Fahrers, uns mitzunehmen, um dafür ein kleines Trinkgeld zu ergattern. Gegen halb drei am Nachmittag sind unsere Füße und Kräfte am Ende, wir brauchen Pause, Essen und verlangen nach Reinheit und Sauberkeit. Eine Blase an meinem Fuß ist so groß wie mein Daumen und voller Wasser. Darum beschließen wir, mit einem ca. dreißig Jahre alten Auto nach Lasso zu trampen und von da aus den Bus nach Latacunga zu nehmen Orientierungslos gehorchen wir unserem Stadtplan bzw. dem Reiseführer und finden auf eigene Faust ein Hotel, welches von einer englischen Witwe bewirtet wird. In Latacunga ist ein großer Markt mit Lebensmittel (Früchte, Obst, Gemüse, reis, Fleisch) und zahlreichen Essständen, viele Geschäfte warten zum konsumieren. Ein Reisebüro macht uns auf Dschungeltouren und Vulkanbesteigungen aufmerksam. Abends waschen wir in der Dusche verbotener Weise unsere Klamotten, auf der Suche nach einer Kneipe treffen wir auf penetrante Jugendliche, die wir nur durch gezielte Flucht loswerden und uns ein wenig Angst einjagen. Latacunga macht auf uns einen freundlichen, geschäftigen Eindruck und strotzt ab morgens um fünf vor Leben. Abends hat es durch die beleuchteten Plätze und Kirchen ein ganz besonderes Flair.
Dieser Reisebericht wurde am 01. Dezember 2007 von montechristi
verfasst.
Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: Quito, Machachi, Chaupi, Lasso, Latacunga, verschiedene, Erste Tage in Ecuador, Anden, Zelten, Bus, Pollo.