Verzeichnis » Südamerika » Ecuador » Begehung des Cotopaxi (5897 m)

Begehung des Cotopaxi (5897 m)

Ecuador, Cotopaxi National Park, Refugio auf 4800 m auf dem Cotopaxi

Da zu einem Ecuador-Aufenthalt eigentlich auch eine Besteigung einer der zahlreichen, schneebedeckten Vulkan gehört, haben mein Freund und ich uns nach ein paar Tagen Akklimatisierung am Kratersee Lago Quilotoa für den Cotopaxi entschieden, dem zweithöchsten Berg Ecuadors.




Früh am Morgen des elften Tages unseres Aufenthaltes in Ecuador packen wir unsere sieben Sachen und gehen zur Agentur, bei der wir einige Tage zuvor unsere Tour auf einen der höchsten aktiven Vulkane, den Cotopaxi (5897 m), gebucht hatten.

Nach Begleichung der Hotelrechnung in Latacunga und anschließender Einkleidung mit der Bergausrüstung machen wir uns mit zwei Guides und zwei anderen Touristen, einem Belgier und einem Franzosen, mit einem etwas betagten Jeep auf in Richtung Cotopaxi Nationalpark.
Im Naturschutzgebiet selbst ändert sich die gut geteerte Strasse in eine holprige und staubige Piste, wir durchqueren mit dem Auto einen Fluss und gelangen in immer höhere Regionen. Mit jedem Höhenmeter mehr wird die Vegetation allmählich karger und die Landschaft ähnelt zusehends einer Mondlandschaft. Man sieht und merkt deutlich, dass es sich um vulkanisches Gebiet handelt.

Nach anstrengender Fahrt kommen wir auf dem Parkplatz auf 4600 Metern an, es nieselt und es geht ein extrem kalter Wind. Die Temperaturen sind auf einmal um den Gefrierpunkt und nicht mehr bei knappen 20 Grad, wie in Latacunga, unserem Ausgangsort.

Vom Parkplatz aus müssen wir nun mit vollem Gepäck, also Verpflegung, Steigeisen, Pickel, Jacke, Hose, Handschuhen, Getränken,... bis zum Refugio auf 4800 Meter klettern. Mir geht deutlich der Puls nach oben und ich bin gespannt, wie wohl der Gipfelsturm wird.

Nach kurzem Erkunden und Einräumen machen wir vier Touristen uns mit einem Guide auf den Weg zu einem Übungsgletscher, wo wir in voller Ausrüstung bei supertollem Wetter die Grundtechniken des Bergsteigens bzw. den Umgang mit Pickel und Steigeisen gezeigt bekommen.



Abends werden wir über den morgigen Tag eingewiesen, es soll um ein Uhr nachts losgehen. Ab 20 Uhr starten wir den Versuch, wenigstens 4 Stunden zu schlafen, um für den harten Marsch bei sehr dünner Luft gut bei Kräften zu sein. Dieser Versuch scheitert, teils wegen der Aufregung, teils wegen dem Wind und teils wegen den anderen Gipfelstürmern, die alle zu unterschiedlichen Zeiten ins Bett gehen, schnarchen, mit Licht ihre Sachen zurecht legen oder anderwärtig Krach machen.

Am Sonntagmorgen um kurz nach Mitternacht ist die Zeit zum Aufstehen gekommen. Nach Frühstücken, Anziehen und Packen geht es dann um ein Uhr los in Richtung Gletscher, wo wir unsere Steigeisen anlegen müssen und uns zu Dreierseilschaften zusammenfinden. Von vor der Hütte aus kann man die Lichter von Quito sehen.

Die nächsten sieben Stunden sind dem Aufstieg zum Gipfel gewidmet, bei Dunkelheit nur mit unseren Kopflampen, Wind, Eisregen und Schnee. Mein Freund macht immer langsamer und scheint wirklich hart am Limit zu laufen, wir brauchen immer mehr Pausen. Korrekter Weise muss man zufügen, dass er zwei Tage vor der Tour noch mit Magen-Darm-Problemen ans Bett bzw. Hotelzimmer gefesselt war.
Das Laufen ist anstrengend, besonders im tiefen Schnee und an steilen Hängen. Unser Guide lotst uns mit unerschütterlicher Sicherheit hinauf zum Gipfel, zeitweise sind wir sogar das erste Team und müssen neue Spuren in den frischen Schnee trampeln. Unsere Klamotten sind nach kurzer Zeit mit einer Eisschicht bedeckt.
An diesem Tag gelingt es erstmals seit einer Woche, wieder den Gipfel zu erklimmen. Uns schien also gutes Wetter beschert zu sein.


Irgendwann teilt uns unser Führer mit, dies sei der Gipfel, wir sehen aber nicht viel mehr als Nebel und die anderen Seilschaften, der Blick in den Krater hinein, wie man es auf vielen Fotos sehen kann, bleibt uns leider verwehrt.



Der Gipfel zeigt sich also eher von seiner unspektakuläreren Seite, der gesamte Aufstieg lies aufgrund der Anstrengung und Dunkelheit wenig Zeit zum genießen, was wir, laut Guide, beim Abstieg gebührend nachholen werden.

Da die Sonne den Schnee antaut und ein Laufen auf dem Schnee erschwert, müssen wir uns sofort nach knappen zehn Minuten Gipfeldasein auf stolzen 5897 Meter wieder an den Abstieg machen, der nur drei Stunden dauert.
Kurz unterhalb des Gipfels offenbart sich uns aber eine tolle Sicht auf die Landschaft und das Vulkan-Vorland. Der Nebel ist weg und die Sonne nun endlich aufgegangen. Ein wunderbares Panorama täuscht uns nicht über die vielen Gletscherspalten und Abgründe hinweg, durch und über die wir während der Dunkelheit in Unwissenheit gelaufen sind, blind der Allmacht unseres Guides vertrauend. Jetzt haben wir bestes Wetter, eine tolle Sicht und fühlen uns gut, da wir was geleistet haben.

Der Cotopaxi zeigt sich in vielen Farben, in Weiß, Rot, Schwarz, Braun, Glitzer, die gesamte Landschaft an der Grenze von Schnee und Eis zu Erde und Gestein ist faszinierend.

Völlig entkräftet kommen wir wieder in der Berghütte, an, nachdem wir mal eben über 1100 Höhenmeter hoch und dieselben wieder runter zurückgelegt haben. 5897 m war der höchste Punkt, auf dem ich bis dahin außerhalb eines Flugzeugs jemals gewesen bin und meiner Luft nach zu urteilen, gehen noch ein paar Meter mehr.
Das Kopfweh, das immer beim Überwinden großer Höhenunterschiede auftritt, ist eine unangenehme Nebenerscheinung, mit der wir uns neben der extremen Müdigkeit und Geschafftheit den Rest des Tages herumplagen müssen. Schlafend fahren wir zurück nach Latacunga und kommen aus der Agentur, ohne dem Guide Trinkgeld geben müssem.

Wir verzehren eine leckere Ananas und suchen uns einen Bus in Richtung Banos, der uns zu Erholung und etwas Ruhe bringen soll.
Der erste Eindruck von Banos ist überaus positiv, die Vegetation ist wesentlich grüner als in den kahlen Anden, es ist warm und Frühlingshaft. Man merkt, dass man nur noch auf 1800 m ist, einzelne Palmen deuten auf die Nähe zum Regenwald, viele Touristen und die entsprechenden Geschäfte machen einen touristischen Eindruck. Unsere Unterkunft Princesa Maria hat eine eigene Küche, in der wir uns abends Essen machen können. Und gut schlafen können wir an diesem Abend sowieso, erstens weil unsere Körper der Tagesleistung entsprechend müde sind und zweitens, weil die Luft „dicker“ ist und keine anderen Menschen um einen herum sonst irgendwas machen.

Dieser Reisebericht wurde am 28. November 2007 von montechristi verfasst. Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: Ecuador, Cotopaxi National Park, Refugio auf 4800 m auf dem Cotopaxi, Begehung des Cotopaxi (5897 m), Cotopaxi, Vulkan, Ecuador, Gletscher.

Hat Ihnen dieser Bericht gefallen?

Dieser Reisebericht wurde noch nicht bewertet. Loggen Sie sich ein, damit auch Sie diesen Bericht bewerten können.

0 Sonnen (Unbewertet)

Wie bewerte ich Berichte?

Möchten Sie diesen Bericht kommentieren?


Dann loggen Sie sich ein und los geht's! Wir freuen uns über Ihre Meinung.



Diesen Reisebericht verlinken:




Login


Benutzer:
Passwort:
Nicht registriert?

Jetzt kostenlos bei adios.de registrieren


Passwort vergessen?

Neues Passwort per Email anfordern