Guayaquil, Salinas, Playas, Montanita, Libertad, verschiedene
Rund um Guayaquil...
Nach dem Frühstück machen wir uns auf, den Hafen zu suchen, denn Guayaquil soll den größten Seehafen Ecuadors haben und vor allem über eine große Fischfangflotte verfügen. Nach einem langen Marsch durch Industrie- und Armenviertel finden wir am Ufer des Flussdeltas wenigstens einen riesigen Fischmarkt, auf dem wir die tausenden Thunfische bestaunen, die dort feilgeboten werden. Man darf hier nichts genauer angucken oder für irgendeine Ware Interesse zeigen, sonst wird man die Verkäufer nicht mehr los, die alle ein gutes Geschäft wittern. Die Bedrängung von übereifrigen Verkäufern findet man überall auf allen Märkten Ecuadors, Touristen scheinen beliebte Handelspartner zu sein. Zum Mittagessen gibt es dann folgerichtig Krabben mit Baguette und Krabbensauce, sowie Zwiebeln. Abends sind die Straßen gesperrt, eine Limousinenkolonne rollt an und wir sehen voller Erstaunen den Präsidenten Ecuadors am Malecon bei einem öffentlichen Empfang. Mit Militärparade, Marineorchester, Salutschüssen und mit einem großen Feuerwerk handelt es sich wohl um eine Art Feiertag. Unglaubliche Menschenmassen drängen sich auf der Uferpromenade. Guayaquil lebt! Ein Stromausfall lässt uns eine Großstadt in totaler Dunkelheit erleben. Alles ist schwarz, bis auf die Hauptstrasse, die 9ième de Octobre, auf der sich Banken, Schnellrestaurants wie Mc Donalds, KFC, Starbucks und Dunkin Donuts und teure Geschäfte tummeln.
Bamos a la Playa
Am Freitag heißt es dann endlich Bamos à la playa, von dem unser Guide auf dem Cotopaxi die ganze Zeit gesungen hat. Möglichst früh wollen wir los, doch wir haben die Rechnung ohne die ecuadorianische Gemütlichkeit gemacht. Nachdem wir 1 Stunde auf unsere Wäsche gewartet haben, erfahren wir, dass die Wäscherei heute gar nicht aufmacht. Da wir aber weiterhin an den Strand wollen, beschließen wir, vorerst ohne unsere Anziehsachen weiter zu reisen. Mit dem Bus durchqueren wir die weiten Ausläufer Guayaquils und sehen auch slumähnlich Wohngebiete. Angekommen im touristischen Badeort Playas quartieren wir uns im Hotel El Galeon ein und nehmen sofort ein Bad im angenehm warmen Meer und genießen die Tagesrestsonne. Der Strand ist sauber, aber voller Verkäufer und Geschäftemacher, ca. 10 Restaurantbesitzer wollen uns für das Abendessen verpflichten. Playas ist ein lebhafter und schöner Ort, der allerdings in der Nebensaison der ecuadorianischen Urlaubszeit etwas leer wirkt. Abends genießen wir ein sehr gutes und auch teures Fischessen mit Cocktails, weitere folgen am Strand. Beim Heimkommen in unser Hotel müssen wir mal wieder die Besitzer wach klingeln, da die lieben Leute sehr früh abschließen und den Gästen keinen Haustürschlüssel anvertrauen. Der 25. und mit Abstand der schmerzreichste Tag beginnt mit fantastischem Wetter. Ab dem frühen Morgen, nach Frühstück und Eincremen, geht’s zum Strand, um Sonne zu tanken. Der Himmel zeigt bereits um kurz vor elf keine Wolke, die Temperaturen sind angenehm warm und die Sonne brennt erbarmungslos und nur ein kleines Windchen am Meer schafft Abkühlung. Nachdem wir uns durch die Restaurantbesitzer durchgewühlt hatten, schaffen wir es, gerade noch an den Strandhüttenbesitzern vorbei zu kommen, ohne für die ganze restliche Woche eine Hütte mieten zu müssen. An unserem Platz im Sand werden wir regelmäßig von Verkäufern aller Art besucht. Das Wasser ist angenehm warm, die Wellen moderat, der Strand ist nur im Bereich der größeren Hotelanlagen voll, es schwimmen kein Müll und auch keine Algen im Wasser. Nach 4 Stunden Strand und Sonne prall machen wir Mittag in unserem Hotel, erste Rötungen mahnen zur Vorsicht mit unserer Haut. Ab 15.30 Uhr nehmen wir noch etwas Restsonne in einer gemieteten Strandhütte mit und laufen am Strand entlang. Abends offenbart sich dann bei uns beiden ein Ganzkörper-Sonnenbrand, der uns die nächsten Tage an diese sonnige Dummheit denken lässt. Statt sich also die nächsten Tage auch noch zu sonnen, heißt es nun aufpassen und die schmerzende Sonnenstrahlung so gut es geht zu meiden. Zum Essen kaufen wir uns 1 kg Krabben, die hier wirklich nur einen Spottpreis kosten und uns so auch große Mengen der sonst so teuren Ware verköstigen lassen. Problem war nur, dass wir diesmal die Krabben erst ausnehmen und pulen mussten, auch eine interessante Erfahrung, nur dass wir 3 Stunden das Essen vorbereiten mussten (mit Salat) und nur etwa eine halbe Stunde davon gegessen haben. Mit 3 anderen Touristen, ebenfalls aus Deutschland, verbringen wir den Abend in unserem Hotel und geben ihnen Reisetipps, da sie erst neu in Ecuador sind, dafür aber alle drei recht gut spanisch sprechen, was sie in einer Mission in Peru gelernt hatten. Die Nacht war eine Tortur, auf dem Rücken schlafen war unmöglich, alles spannte und brannte. Mit viel Nivea und anderen Feuchtigkeitssalben versuchen wir, unsere Schmerzen zu lindern. Nach dem gemütlichen Frühstück mit den anderen Deutschen mieten wir uns, verständlicherweise für den ganzen Tag, eine Strandhütte und genießen den Tag den Blick aufs Meer unter dem blauen Himmel. Gegen penetrante Verkäufer hilft nur sich schlafend stellen, damit sie weitergehen und einen in Ruhe lassen. Schaut man direkt einen Verkäufer an, hat man seine Ware schon halb gekauft. Auf Balsaholzflößen paddeln Männer hinaus aufs Meer, um Fischreusen zu kontrollieren. Abends sieht man auf dem Meer unzählige Lichter von den vielen Fischerbooten, die wahrscheinlich alle ihre Ware am nächsten Morgen nach Guayaquil bringen, um sie dort auf dem großen Fischmarkt oder in den Fischfabriken zu verkaufen. Aus Brötchen, Waffeln, Bananen und Schokolade kann man sich leckere Sandwichs zusammenstellen, wie wir jetzt öfters testen. Im Verlaufe des Abends schreiben wir Briefe an die zurückgebliebenen und hängen mit unseren Landsleuten, die allesamt aus dem Ruhrpott kommen, in den Hängematten in unserem Hotel. Ein Stadtrundgang zeigt, dass in Playas mehr Leben steckt, als wir laut Reiseführer erwartet hatten. Es ist trotzdem ein Touristenort, denn etwa die Hälfte der Restaurants ist geschlossen, zudem müssen wir uns über erhöhte Preise ärgern. Obwohl es uns ewig vorkommt, haben wir am folgenden Tag erst oder bzw. bereits die Hälfte der Zeit in Ecuador hinter uns. Nach zeitigem Aufstehen, mittlerweile etwas schneller von statten gehendem Packens machen wir uns mit dem Bus auf den Weg nach Libertad. Vorher zwingt uns unsere Wäsche, die noch in Guayaquil lagert, einen mehrstündigen Umweg über die Metropole. Glücklicherweise hat die Wäscherei diesmal geöffnet, wir können uns aber leider mangels ausreichender Spanischkenntnisse nicht einmal bei den Leuten beschweren. Mit Internet, nach einem Rolexladen suchend und Briefe verschicken wird unser Aufenthalt in Guayaquil fast zu einem Tagesausflug. Wir stellen schmerzlich fest, dass sich 20 kg Gepäck mit Sonnenbrand auf dem Rücken besonders unangenehm tragen lassen. Auf dem Weg mit dem Bus nach Libertad bewundern wir die sehr guten Strassen im Küstenbereich und sehen einen Unfall, bei dem wohl weder Busfahrer noch Autoinsassen mit dem Leben davon gekommen sind. Der ecuadorianische Fahrstil ist nämlich eher offensiv bis verantwortungslos und die Sicherheit der doch schon etwas älteren Fahrzeuge lässt in den meisten Fällen sehr zu wünschen übrig. Die Einquartierung im Hotel El Sol dauert etwas länger, da die Frau erst ihren stockbesoffenen Mann wecken muss, der dann kaum einen Stift halten kann, um eine Anmeldung auszufüllen. Die 10 $ von uns werden wohl sinnvoll und gut in Alkohol investiert. Auf unserem Balkon im recht akzeptablen Zimmer kann man sich wunderbar Essen zubereiten und dies mit Blick auf einen ecuadorianischen Friedhof. In Ecuador werden Tote ähnlich wie in Frankreich in Gruften bestattet, die Ärmeren in „Leichenhochhäusern“. Abends wagen wir uns auf Anraten des sehr netten, wenn auch angetrunkenen Wirtes nicht mehr an den Strand, da der Weg durch ein Wohngebiet führt. Der Ort scheint nur eine Hauptstrasse zu haben und soll angeblich 50000 Menschen fassen, Libertad ist bei weitem nicht so schön wie Latacunga und touristisch und atmosphärisch uninteressant. Am Abend planen wir den letzten Teil unserer Reise: insgesamt 14 Tage Strand bis Manta, dann Dschungel, Otavalo, San Rafael und letztendlich noch einmal Quito.
Vom nächsten Morgen an sehen wir die Sonne erst einmal nicht mehr, der Himmel ist, wie zu dieser Zeit in Ecuador üblich, verhangen und grau. Nach Fitnessstudio und Krabben kochen reisen wir weiter nach Salinas, wo wir bei der Hotelsuche die drei Deutschen wiedertreffen, die aber sofort nach Montanita weiterfahren, da Salinas teuer und voller Bettenbunker ist. Salinas ähnelt wirklich einer der Massenbadeorte, wie man sie vom Mittelmeer her kennt. Salinas hat einen Yachthafen, einen strand mit Palmen und sehr ruhiges, türkisblaues, sauberes Wasser und zum ersten Mal an der Küste auch einen Muschelstrand. Nachdem es wieder mal eine Knorr-Fertigsuppe zum Essen gab, die mit Brötchen ganz gut schmecken, spielen wir den Abend bis tief in die Nacht „Age of Empires“ in einem Internetcafé. Aus reinem Interesse beschließe ich, mir die nächsten zwei Woche einen Bart wachsen zu lassen und mich nicht mehr zu Rasieren.
Dieser Reisebericht wurde am 01. Dezember 2007 von montechristi
verfasst.
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