Verlassen der westlichen Zivilisationszonen und Eintauchen in die Neue Welt
Früh um 4 Uhr morgens des 02. Juli 2003 beginnt das Abenteuer mit den ersten Strapazen, der Anreise. Mit dem Auto geht es zum Flughafen und von Frankfurt dann mit Britsh Airways nach London Heathrow, wo uns der erste Aufenthalt im sehr hässlichen Transitbereich des größten europäischen Flughafens erwartet. Der längste Flugabschnitt, von London über den Atlantik bei sehr gutem Flugwetter nach Miami dauert über 8 Stunden, die besonders gegen Ende sehr an unserer Geduld zerren. Die Informationen des Passagierbildschirmes, dass wir gerade 12000 Meter hoch sind und ca. 935 km/h schnell fliegen und das alles bei einer Außentemperatur von –58 °C, helfen nicht gerade, diese Zeit zu verkürzen. Auch die englischsprachigen Filme bringen nur die ersten paar Stunden etwas Zerstreuung. In Miami, einem Flughafen, der sich mit einem undichten Dach herumschlagen muss, da überall Eimer zum Tropfenfang stehen, wird zum Ort weitern sinnlosen Wartens auf die Anschlussmaschine nach Quito. Mit gehöriger Verspätung überqueren wir stark ermüdet die Karibik, Kuba und den Panamakanal, danach wird es dunkel, zudem treffen über dem Panamakanal zwei Luftströme aufeinander, welche Tatsache für reichliche Turbulenzen sorgt. Unser Versuch, auf dem Flugweg uns mit Grundbegriffen des Spanischen bekannt zu machen, scheitern, weil die Motivation nach langen Stunden des Sitzens doch etwas verloren gegangen ist.
Von der Flughafenrezeption wird uns ein Taxi bestellt und ein Hotel in der Neustadt von Quito empfohlen. In rasantem Tempo und besorgt darüber, ob wir wohl Heil ankommen werden, rasen wir durch das nächtliche Quito und genießen die fremden Eindrücke. Angekommen im Hotel El Cafecito schaffen wir es, uns mit Händen und Füßen ein Zimmer zu organisieren und finden uns nach kurzem Auspacken in der hauseigenen Bar um 23 Uhr ein, nachdem wir mit Berücksichtigung der Zeitverschiebung mehr als 25 Stunden von Fulda aus unterwegs waren, allerdings auch mehr als 10000 km Luftlinie zurück gelegt haben. Der erste Schock sind die Preise für die Cerveza, mit 2,50 $ hätten wir wirklich nicht gerechnet, auch die anderen Preise auf der Karte erinnern eher an europäisches Preisniveau als an Entwicklungsland. Erste Zweifel kommen auf, ob wir richtig informiert gewesen waren und ob unser Geld wohl reichen wird. Unsere Reisegepäck ist bereits um einen Karabinerhaken, eine Kamera, ein Wörterbuch und Batterien erleichtert wurde, wahrscheinlich durch übereifrige Flughafenangestellte. Der zweite Tag beginnt mit dem Aufsuchen eines Internetcafés, um mit der Heimat erste Kontakte aufzunehmen. Wir stellen fest, das von den Einheimischen überhaupt kein Englisch gesprochen wird und von uns leider auch kein Spanisch. Voller Tatendrang machen wir uns dann auf, die Stadt zu erkunden, das sehr gute Wetter lädt dazu ein. Verwunderlicherweise spüren wir keinen Höhenunterschied zu Fulda, obwohl Quito doch auf guten 2800 Metern über Normalnull liegt und die Luft hier oben wesentlich sauerstoffärmer ist. Nach anfänglichen Unsicherheiten über die Größe der Zeitverschiebung stellen wir fest, dass entgegen unserer Berechnung doch eine Zeitverschiebung von 7 Stunden vorliegt, die uns aber wenig zu schaffen gemacht hat. Ohne Jet-Lag üben wir uns im Stadtbus fahren, sammeln Erfahrungen aus Begegnungen mit Verkäufern und lassen uns von dem frühlingshaften Bedingungen in der Hauptstadt des Frühlings betören. Quito begrüßt uns mit vielen kolonialen Bauten, gepflegten Häusern, netter Atmosphäre, freudigen und bunten Farben, vielen Menschen, wenigen Touristen und verdammt vielen hupenden Autos. Den Tag verbringen wir mit dem Testen des fremdländischen Essens, dem Kaufen eines vermeintlichen Panamahutes und der fast verzweifelten Suche nach anderen Touristen; wir sehen höchstens 30 andere „Touris“ und das in einer Metropole mit mehr als 1,5 Millionen Einwohnern. Bemerkenswert ist auch, dass vor jedem Geschäft private Wachleute mit teils altertümlichen Waffen stehen. Wir freuen uns schon jetzt auf die letzte Woche unserer Ecuaddor-Reise, die wir in Quito zum Einkaufen verbringen wollen. Nach 8 Stunden auf den Beinen wissen wir, dass Quito eine schöne, saubere und sichere Stadt ist, in der man sich wohl fühlen kann. Mit einem neu gekauften Stadtplan finden wir zum Glück wieder zu unsrem Hotel zurück, nachdem wir ziemlich wahllos in dieser pulsierenden Stadt herumgeirrt sind. Überall lauern Straßenverkäufer und Schuhputzer sowie Taxifahrer, die bei Touristen scheinbar immer ein gutes Geschäft wittern. Bei Touristen wird immer etwas mehr verlangt, was ja eigentlich auch nicht schlimm ist. Um 9 Uhr fallen wir ermüdet ins Bett, nachdem wir auf unserem kleinen Balkon den Sonnenuntergang miterlebt haben und ein wenig das Straßenleben analysiert haben. Zum Abendessen mussten wir mit recht trockenen Brötchen und Tomaten und einer Dose Thunfisch Vorlieb vornehmen, da wir es noch nicht so ganz raus haben, wo man was zu kaufen bekommt. Erleichternd stellen wir fest, dass doch nicht alles so teuer ist, wie es am ersten Tag schien. Ein wenig Restmüdigkeit ist vom langen Flug wohl noch geblieben. Am nächsten Morgen packen wir unsere Sachen und machen uns auf den Weg in Richtung Terminal Terrestre, dem großen und mehrstöckigen Busbahnhof der Stadt. Wir leisten unserem Reiseführer Folge und packen unsere Rucksäcke in Jutesäcke ein, da dies Ecuadorianer angeblich auch ständig machen und unser Gepäck, dass ja Ziel diebischer Begierde sein könnte, so weniger auffällig machen würde. Im Stadtbus stellen wir fest, dass diese Maßnahme völlig bescheuert war. Wir sind die einzigen Stadtbusbenutzer, die überhaupt größeres Gepäck dabei haben, welches nun in groben, unschönen Kartoffelsäcken verstaut ist. Auch auf allen weiteren Busreisen sehen wir niemanden, der Jute-Säcke benutzt: auch in Ecuador hat nämlich das Kunststoffzeitalter begonnen. Wie diese Erfahrung und Erkenntnis werden wir in den nächsten Wochen noch weiter sammeln.
Fazit: Quito ist eine Stadt des ewigen Frühlings und mit seinem kolonialen Viertel ein echter Blickfang!
Dieser Reisebericht wurde am 01. Dezember 2007 von montechristi
verfasst.
Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: Quito, im Flugzeug, El Cafecito, Ankunft in Ecuador, koloniale Altstadt.