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Auf Tangoschritten durch Argentinien

Buenos Aires, günstiges Hotel

Wenn bei uns der Herbst einsetzt, beginnt auf der Südhalbkugel der Frühling. Beste Zeit für eine Reise nach Argentinien, dachten wir. Ein langjähriger Brieffreund hatte eingeladen und was kann einem besseres passieren, als sich von einem Einheimischen sein Land zeigen zu lassen. Gesagt getan. Der Flug war schnell gebucht. Mit British Airways ging es via London in Richtung Buenos Aires am Rio de la Plata. Wir hatten Glück, beim Check Inn am Airport plaudern wir ein wenig mit dem Personal und wurden gefragt, ob wir nicht kostenfrei upgraden möchten und in der oberen Etage des Jumbo Jets Platz nehmen möchten. Na das ging ja gut los. Die Passagierkabine war wesentlich kleiner, die Luft besser, der Geräuschpegel geringer, das passte. So vergingen die Stunden sprichwörtlich wie im Fluge, weil wir dank des ausgezeichneten Services ausgeruht am Morgen in Buenos Aires, der Hauptstadt von Argentinien, landeten.



Auf dem Bustransfer in die Innenstadt sahen wir schon bald die Probleme eines Dritte - Welt - Landes. Es ging nämlich vorbei an den Slums. Nirgendwo anders hatten wir bisher real gesehen, wie schmal der Grat zwischen Armut und Reichtum sein kann. Dieser Anblick bereitete uns schon einige Sorgen. Die sollten auch nicht vergehen, als wir wenig später versuchten, ein günstiges Hotelzimmer zu mieten. Mit den schweren Koffern an den Fersen war das nicht unbedingt prickelnd. Buenos Aires ist eine Weltmetropole mit Millionen Einwohnern und man sollte schon versuchen vorher wenigstens die erste Nacht zu buchen. Irgendwann am Nachmittag, nachdem wir auch noch ein Schläfchen gegen die Jetlagfolgen eingelegt hatten kam endlich die Zeit, sich mit den Sehenswürdigkeiten der Stadt bekanntzumachen. Buenos Aires ist nach unserem Eindruck teuerer als Berlin, aber dafür wohl ebenso verrückt und interessant. Sie ist Inbegriff der Sehnsüchte und Träume des Tangos mit einem Fluss vor ihren Toren, so breit, dass man nicht von einem zum anderen Ufer sehen kann. Eine Stadt, die alle Kulturen und Rassen vereint. Der guten Luft verdankt die Stadt übrigens ihren Namen. Drei Tage lang blieben wir in Buenos Aires und haben so unglaublich viele Eindrücke förmlich in uns eingesogen. Wirklich empfehlenswert ist eine Führung oder gar eine Vorstellung im Teatro Colòn, eines der berühmtesten und größten Gastspielhäuser der Welt. Nicht versäumen darf man einen Besuch in San Telmo, dem Altstadtkern und Gründungsmittelpunkt mit seiner interessanten Architektur. Der Stadtteil La Boca hat uns am meisten imponiert. Die Häuser sind hier aus den Blechen der abgewrackten Schiffe gebaut, dazu bunt angemalt. Es wimmelt von Künstlern aller Art, darunter wohl auch massig Lebenskünstlern. Hier wurde übrigens der Tango erfunden. Am Abend besuchten wir ein zünftiges Steakhaus, wo die Gauchos die riesigen Fleischscheiben noch über offenem Feuer zubereiteten. Ein Muss für uns war natürlich ein Tanzabend. Es bereitet


einem unheimlich Laune, den alten Herren zuzuschauen, wie sie ihre Tanzpartnerinnen auf Tangoschritten über den Saal führten.

Bald schon hieß es aber leider Abschied nehmen von dieser faszinierenden, quirligen Stadt. Mit einem zwinkernden Auge blickten wir jedoch in die Zukunft, denn in 10 Tagen würden wir zurückkommen, um von hier aus wieder die Heimreise anzutreten. Mit einem Komfort - Überland – Bus fuhren wir nachts 10 Stunden bis Cordoba, der Heimatstadt unseres Freundes. Das ist hier sehr gängig. Das Bussystem ist sehr gut ausgebaut und genutzt. Man kann damit praktisch jede Ortschaft des Landes erreichen. Còrdoba selbst ist die zweitgrößte Stadt des Landes, vor allem bekannt durch die bedeutende Universität. Herzlich wurden wir in der Familie begrüßt. Am Wochenende erkundeten wir mit dem Wohnmobil die nähere Umgebung und nahmen völlig ausgehungert an einer Geburtstagsfeier teil. Anders als in Deutschland wird hier nämlich erst sehr spät gegessen. Als sollten wir dafür entschädigt werden, gab es dann nach Mitternacht auch noch eine klebrig süße Geburtstagstorte.

Mit verschiedenen Bussen fuhren wir in den nächsten Tagen durch den Norden des Landes bis hin nach Bolivien. Unterwegs besichtigten wir Salta, eine schöne Stadt mit Möglichkeiten zur Seilbahnfahrt hinauf in die Berge, Tucumàn, Tilcara und Humahnaca. Diese Indiogebiete bestechen zwar durch ihre atemberaubend schöne Lage in den Bergen, aber sie zeugen auch von viel Armut. Bei den Speisen und Getränken ist Vorsicht geboten, denn die hygienischen Verhältnisse sind hier völlig anders als gewohnt und der verwöhnte deutsche Magen könnte leicht Probleme bekommen. Doch so groß auch die Not war, wir wurden überall herzlich aufgenommen, fühlten uns wohl und auch ein wenig privilegiert - denn wer kann schon oft in die strahlenden Augen eines kleinen Indiokindes schauen?



Auf dem Rückweg ging es wieder abenteuerlich bis Buenos Aires. Unser Bus wurde nachts unter Waffengewalt gestoppt, die Pässe eingezogen und kontrolliert, Schmuggelgut gesucht. Bis heute wissen wir nicht, ob es wirklich Polizei war oder ob Räuber schnelle Beute machen wollten. Bald schon war jedoch das Ziel erreicht. Wenige Stunden blieben uns noch zum Abschiednehmen. Auf dem Rückflug hatten wir immer das Lied in den Ohren und noch heute in Gedanken „Don´t cry for me Argentina“…

Dieser Reisebericht wurde am 31. Mai 2007 von tangotanz verfasst. Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: Buenos Aires, günstiges Hotel, Auf Tangoschritten durch Argentinien, argentinien tanzen urlaub tango rundreise.

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