Eine Woche Sankt Petersburg - Müde Füße, Geschichte und Kultur
Sankt Petersburg, Oktjabrskaja, Dostojewski (09. Juli 2008)
Eine Woche Sankt Petersburg – Eine Erlebnisreise Teil 1 Mittwoch, 09.07.2008: Ankunft in Sankt Petersburg, Pulkovo 1, nicht gerade ein großer Flughafen für eine solche Weltstadt. Trotz des eher beschaulichen Ambientes war die Schlange derer, die sich für so genannte Migrationskarten anstellten, nicht gerade klein, da diese Kärtchen nun mal unentbehrlich für einen ruhigen Aufenthalt in der Russischen Föderation sind. Als wir dann endlich alle Formalitäten erledigt hatten, das glaubten wir zumindest, und unser Gepäck wohlbehalten in Empfang nahmen, erwartete uns schon Marina, die Gute-Laune-Frau, welche uns in den nächsten Tagen ihre Heimatstadt näher bringen sollte.
Hotel Oktjabrskaja
Schon auf der Fahrt zu unserem Hotel, welches stilecht den Namen Oktjabrskaja, also Oktober trug, erzählte sie uns in nahezu tadellosem Deutsch von Lenin-Denkmälern, Palästen und langen geraden Straßen. Was uns auch in den folgenden Tagen noch viel Spaß bereiten sollte, war ihr ständiger Hang zu Verniedlichungen. So tauschten wir Eurochen in Rubelchen, gaben unsere Reisepässchen im Hotelchen zur Registrierung ab und planten eine Böötchentour. Nach dem Abendessen im Hotel beschlossen wir, abseits der Gruppe noch einen kleinen Spaziergang durch das nächtliche Sankt Petersburg zu unternehmen, wobei der Begriff nächtlich, in diesem Fall keinen Helligkeits- bzw. Dunkelheitsindikator darstellt, da die Stadt zu diesem Zeitpunkt von den „Weißen Nächten“ beherrscht wurde. Diese ermöglichten uns ein ungestörtes Erkunden der Petersburger Altstadt und den Genuss der Menschenmassen auf dem Newski-Prospekt, der Hauptmagistrale der Stadt. Dieses Leben und diese Aktivität selbst in der Nacht gehörten zu den beeindruckenden Erlebnissen unserer Reise. Nur ein Beispiel: Wir kommen um Mitternacht von einem Spaziergang zurück ins Hotel und auf der Straße springen Kinder umher, bieten Straßenhändler ihre Waren feil und Bauarbeiter schneiden mit riesigen Steinschneidern die Straße auf, und das mit einem ohrenbetäubendem Lärm, welcher nur noch von dem Hupen der Autos in den endlosen Staus übertroffen wurde. Das ist die wahre „Stadt die niemals schläft“, zumindest im Sommer nicht.
Stadtrundfahrt
Was wir in den nächsten 3 Tagen erlebten, kann man, denke ich, am treffendsten als „kulturelle Volldröhnung“ bezeichnen. Das Programm begann am Donnerstagmorgen mit einer umfangreichen Stadtrundfahrt, während der uns Marina eine Fülle an Informationen über Baustile, Zaren und Kanäle lieferte. Und wieder müssen wir feststellen: Was für eine Stadt! Da Petersburg hauptsächlich als Residenzstadt gebaut wurde, herrscht hier eine Palastdichte, wie sonst nirgendwo auf der Welt. Ein Palast neben dem anderen und einer prunkvoller als der andere. Da wir für die ersten Tage eine Gruppenreise gebucht hatten, bekamen wir unser Mittagessen in einer jener Touristenabfüllstationen vorgesetzt, welche nur existieren um in möglichst kurzer Zeit, möglichst viele Touristen mit russischen Spezialitäten zu füttern. Also aßen wir unseren Borschtsch und machten uns dann auf in Richtung Peter-Paul-Festung den Kern des alten Sankt Petersburg, der Festung, mit der Peter der Große im Jahr 1703 die Stadt gründete. Dort besichtigten wir in der alten Kathedrale die Gräber der russischen Zaren und die unermüdliche Marina versorgte und auf ihre humorvolle Art mit jeder Menge wichtiger und weniger wichtiger Informationen zum Klatsch und Tratsch der Zarenzeit. Am nächsten Morgen wartete mit der Eremitage eines der wichtigsten Kunstmuseen der Welt auf unseren Besuch. Wenn es sich bis jetzt noch nicht gezeigt hatte, hier war der endgültige Beweis: Ein Sankt Petersburg Besuch ist nahezu nur in einer organisierten Gruppenreise möglich. Bei allen Nachteilen die diese Form der Reise mit sich bringt, eines ist nicht hoch genug zu schätzen. Die Wartezeit vor der Eremitage wurde von ca. 4 Stunden auf nicht mal eine halbe reduziert und wir konnten die Ausstellung so schon sehr zeitig genießen. Wir sahen so ziemlich alles, was die Kunstgeschichte an Meisterwerken zu bieten hat: Da Vinci, Raffael, Rubens, Rembrandt, Van Gogh, Degas, Michelangelo, El Greco, Velazquez und wie sie alle heißen. Nach dem dreistündigen Besichtigungsmarathon ging es zum Mittagessen, dem sich ein Besuch der Isaakskathedrale und besagte Böötchentour anschlossen. Zu meiner Verwunderung findet man in der Petersburger Altstadt kaum noch aktive Gotteshäuser, da sie nahezu komplett museal erschlossen sind. So auch die Issakskathedrale. Zu Sowjetzeiten befand sich in ihr das Museum für Atheismus, welches nach deren Ende in ein Museum zur Geschichte des Hauses umgewandelt wurde. Die Bootsfahrt auf den Kanälen und Flüssen der Stadt stellte ein weiteres Highlight unserer Tour und des Marinaschen Humors dar. Wir hörten die Geschichte von Paul dem Erwürgten und sahen eine klassizistische Musterhaussiedlung.
Für den Abend stand ein Besuch des Ballettes Schwanensee auf dem Programm, welcher selbst für mich, der ich kein so großer Anhänger dieser Kunstform bin, zu einem beeindruckenden Erlebnis wurde, welches nur durch ständig fotografierende und filmende japanische Mitbürger getrübt wurde. Durch die Fülle der Erlebnisse musste ich den Bericht teilen. Der zweite folgt bald.
Dieser Reisebericht wurde am 18. August 2008 von rofrie11
verfasst.
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