nachdem wir nachmittags LA verlassen haben, kommen wir abends so gegen elf in New Orleans an, werden von etwa dreissig Grad und einer enormen Luftfeuchtigkeit empfangen und stellen erstmal die Uhr um, weil es Zeitzonen auch in den USA gibt.
Anschliessend checken wir im Saint Louis Hotel ein, mitten im French Quarter gelegen, ist es ein kleines historisches Hotel mit ca. 90 Zimmern und Möbeln aus echtem Holz. Ansonsten hat es die Standardausstattung mit Klimaanlage (Gott sei Dank), Kaffee- bzw. Teemaschine, Fernseher, Telefon etc.
20.07.2004
Heute stehen keine gebuchten Touren auf dem Plan, sondern wir sehen uns auf eigene Faust um und besuchen zuerst das Historic Voodoo Museum of New Orleans.
Das ist eine sehr interessante Einrichtung.
Natürlich wird anhand von Bildern die Geschichte des Voodoo und von Marie Laveau erzählt.
Vor einzelnen Bildern stehen Schalen mit brennenden Kerzen, Münzen und Mardi Gras Ketten drin.
Es gibt auch einen Wish Stump. Hier kann man Marie Laveau opfern und zu ihr beten. Man schreibt seinen Wunsch auf einen Zettel, wickelt ihn um eine Münze, wirft es in den Baumstumpf und klopft in einer bestimmten Weise auf ihn.
Zum Abschluss des Besuchs kann man sich mit echten Voodoo-Puppen, echten (!) Hühnerkrallen, Ritualkerzen, Gris-Gris und anderem eindecken.
Die Voodoo-Puppen, die in den Souvenirläden angeboten werden, haben mit Voodoo übrigens nichts zu tun. Sie sind wesentlich grösser, mit Goldglitzer bestäubt, haben bunte Federn auf dem Kopf und irgendwo ein Schild mit Made in China.
Die echten aus dem Museum sind kleine schlichte "Vogelscheuchen", deren schwarze Gesichter unterschiedliche Ritualzeichnungen haben.
Wir verlassen das Museum mit gefärbten Ritualkerzen und Gris-Gris und gehen nach links über die Strasse. Hier gibt es einen kleinen Laden, der jede Menge Artikel mit Totenköpfen führt und ein Psychic-Reading anbietet, eine Mischung aus Hand- und Kartenlesen.
Natürlich werden wir immer reich und schön sein....
Jetzt ist es Zeit, den Mississippi zu sehen und die berühmten Dampfer, mit denen wir morgen noch eine Tour machen.
Hier am Riverwalk gibt es eine grosse Einkaufsmeile mit "normalen" Läden, die z.B. Kleidung und Schmuck führen aber es gibt auch einen Lebensmittelladen, der alles für die creolische Küche führt.
Wir kaufen uns Gewürzmischungen, Jambalaya als Fertiggericht (gewürzter Reis, dem man dann noch Wasser und z.B. Fleischwurst oder Huhn zugibt) und Alligator-Sticks, die geschmacklich an Bifi erinnern.
Wer statt Fertiggerichten richtig creolisch kochen möchte, kann hier auch einen Kochkurs buchen.
Wir gehen die Canal Street wieder in die andere Richtung, um dem Louis Armstrong Park einen Besuch abzustatten. Er liegt quasi "neben" dem French Quarter und ist leider nicht sehr aufregend. Das Eingangsschild ist zwar riesig aber dahinter verbirgt sich ein kleiner See, eine Statue von Louis die inklusive Sockel vielleicht 2,50 Meter hoch ist und eher vermuten lässt, der Mann wäre ein Kind gewesen.
Wir sind nicht so beeindruckt und kommen auf dem Weg zurück ins French Quarter am St. Louis Friedhof vorbei. Draussen ist ein grosses Warnschild angebracht, den Friedhof nicht alleine zu erkunden, da man dort überfallen werden kann.
Wir beschlissen, jetzt erstmal bei Pat O´Briens einzukehren.
Während der Katrina-Berichterstattung hat tatsächlich ein Reporter behauptet, deswegen hätte man den Cocktail "Hurricane" erfunden. Das stimmt nicht. Pat O´Brien, der 1933 sein erstes Lokal eröffnete, hat den "Hurricane" erfunden und den bestellen wir uns hier auch zum Jambalaya. Während wir essen, klingt der Jazz herüber. Hier gibt es jede Menge kleiner Lokale mit Livejazz abends.
Im übrigen werden im Pat O´Briens 2,50 Dollar für die Gläser berechnet. Die kann man dann entweder einfach mitnehmen oder drinnen im Lokal abgeben, um das Geld zu bekommen.
Wir nehmen uns noch einen Absacker im Lafittes Old Absinthehouse mit und kehren ins Hotel zurück.
21.07.2004
Heute starten wir zu unserer Plantagentour.
Im klimatisierten Bus geht es über Strassen, die an Venedig erinnern. Die stehen auf Pfahlen im Sumpf.
Zuerst besuchen wir Lauras Plantation.
Eine alte creolische Plantage, wo Zuckerrohr angebaut wurde. Hier ist noch alles authentisch, auch die Inneneinrichtung und draussen stehen immer noch die Sklavenbaracken. Es gibt auch eine Chronik über die Familie, die dort gelebt hat zu kaufen.
Danach geht es weiter zu Oak Alley Plantation. Zu dem Haus führt eine Allee aus immergrünen Eichen, daher auch der Name.
Während Lauras klein und gemütlich ist, ist Oak Alley beeindruckend gross und hat einen Hauch von Noblesse. Leider ist im Gebäude selbst nichts mehr authentisch, die Sklavenbaracken wurden abgerissen und durch eine immerhin ca. einen Meter breite und 50cm hohe Gedenktafel ersetzt.
In Oak Alley wurden übrigens Teile von Interview mit einem Vampir gedreht.
Es gibt noch eine Mittagspause und dann fahren wir zurück nach New Orleans und werden aufgeklärt, dass die Inseln neben den Strassen im Sumpf keine Inseln, sondern wanderndes Land sind.
Hier sei noch auf folgendes hingewiesen: Oak Alley hat durch Katrina keinen Schaden genommen ausser ein paar umgefallenen Bäumen. Was denen mehr schadet, ist der Einbruch der Besucherzahlen, weil jeder denkt (!), da würden nur noch Ruinen stehen. Deshalb habe ich auch den Link eingefügt.
Wieder im Hotel ziehen wir uns um, für das abendliche Programm: ein Live Jazz Dinner Cruise auf der Creole Queen, einem Schaufelraddampfer oder wie man es hier nennt, einem paddle wheel boat.
Am Pier am Riverwalk wartet ein wunderschöner Mississippi-Dampfer auf uns. Nach der üblichen baginspection und einem Erinnerungsfoto werden wir im Restaurant zu den Plätzen geführt (in den USA sucht man sich in Restaurants nicht aus, wo man sitzt, sondern wartet, bis einem ein Platz zugewiesen wird)
Es gibt ein Buffet mit traditioneller creolischer Küche, das inzwischen liebgewonnene Jambalaya und Gumbo stehen unter anderem auf dem Speiseplan, während eine Band live Jazz spielt und wir über den Mississippi schippern.
Nach dem Essen legt die Band eine Pause ein, wir geben den Tip in die Metallkanne und gehen raus an Deck.
Nach einer Weile kommt auch die Band auf Deck und spielt hier oben weiter, während die Creole Queen wieder den Pier ansteuert und wir das beleuchtete Orleans bewundern.
22.07.2004
Wir fahren mit dem St. Charles Streetcar in den Garden District, dem Blankenese von New Orleans. Hier hat Anne Rice, die Autorin von Interview mit einem Vampir ihr Haus und hier ist auch der Lafayette Friedhof.
Obwohl es ein "besseres" Viertel ist, fahren auf dem Friedhof Guards auf Fahrrädern durch die Reihen.
Wir machen einen Spaziergang und bewundern die tombs, die teilweise reich verziert, mit steinernen Engeln und teils vor dem Verfall sind.
Wir gehen zu Fuss zurück bis zur Old US Mint am Mississippi, um dort die Jazz Collection zu besichtigen. Hier wird die Geschichte des Jazz beschrieben, die in den Bordellen des French Quarter anfing, wo die Jazzbands zur Unterhaltung der Freier versteckt hinter spanischen Wänden spielten.
Anschliessend schlendern wir über den French Market, eine Halle, wo man drinnen und auch draussen Taschen, Schmuck, Handarbeiten und Souvenirs kaufen kann.
Wir beschliessen, auch zum Hotel zu Fuss durch das French Quarter zu gehen, um nochmal die schönen gusseisernen Verzierungen der Balkone zu sehen. Letzlich sind wir so begeistert, dass wir kurz vor dem Hotel nochmal eine Kutsche für eine Fahrt durch das Viertel nehmen (35 Dollar).
So langsam wird es dann für uns Zeit, denn packen sollen wir auch noch aber auf den ebenfalls liebgewonnenen Absinth im Lafittes verzichten wir doch nicht. Im gutklimatisierten Lafittes sitzen wir mit unserem Absinth und hören nochmal der Jazzmusik zu, die aus den Kneipen in die Strasse schallt.
23.07.2004
Rückflug nach Hamburg
Dieser Reisebericht wurde am 28. Mai 2007 von EllenOnline
verfasst.
Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: New Orleans, Saint Louis Hotel, Voodoo Magic und ein Interview mit einem Vampir, New Orleans, Südstaaten, French Quarter, Louisiana, Plantage.