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Nepal - Island Peak (Imjatse) - 6.189m

Island Peak (Imjatse)

... Seit 14 Tagen sind wir nun in Nepal. Zuerst haben wir uns zwei Tage in Kathmandu umgesehen. Anschließend waren wir bis jetzt auf dem Everest-Trekk unterwegs. Der bergsteigerische Höhepunkt soll die Besteigung des Imjatse werden.




Montag, 10.03.2003 Chhukhung - High Camp Island Peak

Heute haben wir relativ lange geschlafen. Nach dem Frühstück machen wir uns gegen 11:00 Uhr auf den Weg zum Island Peak. Größtenteils gehen wir über Geröllmoränen. Der Weg führt durch den ausgetrockneten ImjaTsho-See und dann linksseitig entlang des Lhotse Shar Gletschers. Das Wetter ist noch trocken, teilweise bewölkt.

Am frühen Nachmittag erreichen wir den Ort des Island Peak Basis Lagers. Er ist aber nur an einem Klohäuschen zu erkennen. Ansonsten ist außer uns niemand hier. In der Hochsaison sieht das sicher anders aus. Wir gehen weiter. Unser Ziel ist das High Camp. Gegen 16:00 Uhr erreichen wir den Platz in ca. 5.600m Höhe, wo wir die Zelte aufstellen. Mittlerweile hat es angefangen zu stürmen und zu schneien. Wir haben zu tun, dass uns die Zelte beim Aufbauen nicht wegfliegen. Gegen Abend hört es wieder auf zu schneien und die Sonne zeigt sich noch mal. Aber der Sturm bleibt bis in die Nacht hinein. Fast habe ich die Hoffnung aufgegeben, morgen zum Gipfel aufbrechen zu können.


Dienstag, 11.03.2003 Gipfeltag

3:00 Uhr werden wir von unseren Sherpas geweckt. Erstaunlicherweise hat der Sturm gänzlich aufgehört. Es ist klar, kalt und fast windstill. Nach Tee und einer heißen Suppe brechen wir auf. Danu Sherpa geht voran. Wir sind fast allein am Berg. Es sind nur noch zwei andere Bergsteiger unterwegs. Der Leipziger Höhenbergsteiger O.R. will heute gemeinsam mit seiner Begleiterin Fixseile verlegen, an denen er dann in den nächsten Tagen mit seinen "Kunden" zum Gipfel aufsteigen kann.



Zum Sonnenaufgang erreichen wir den vergletscherten Teil des Imjatse in ca. 6.000m. Wir legen Steigeisen und Hüftgurt an. Ab hier gehen wir als Seilschaft. Wir kommen gut voran. Das Wetter ist phantastisch, genau wie die grandiose Landschaft um uns herum. Wir haben nun auch die 120m hohe, ca. 50° steile Eisflanke vor uns, die wir auf dem Weg zum Gipfel noch überwinden müssen.

Relativ problemlos überwinden wir den Bergschrund am Fuß der Steilstufe. Mit Hilfe von Eispickel und bereits vorhandenen Fixseilen steigen wir auf. Gegen 11:00 Uhr erreichen wir den Gipfel.

Am Gipfel treffen wir O.R. wieder. Er bietet uns an, dass wir seine neu verlegten Fixseile zum Abseilen benutzen dürfen. Wir nehmen dankend an. Ich beginne als erster den Abstieg. Ein paar Minuten später finde ich mich mit gebrochenem rechten Fußgelenk, gerissenen Bändern und einem dutzend Schürfwunden am Rande einer bodenlosen Gletscherspalte hängend wieder. Was war passiert? An der Eisflanke hängen jede Menge alter Fixseile. An einer Eisschraube habe ich mich wohl in eines dieser alten Fixseile eingehängt. Beim weiteren Abseilen war ich einen Moment unaufmerksam, so das mir entging, dass dieses Seil plötzlich endet. Mit einem scharfen Zischen pfeift das Seilende himmelwärts, nachdem es ungehindert meine Abseilacht passiert hat. Im gleichen Moment spüre ich die Kräfte der Fallbeschleunigung.

Mit der sich anschließenden Rettungsaktion verbinden sich für mich in erster Linie Erinnerungen an erbärmliche Schmerzen.Deshalb folgt an dieser Stelle auch keine detaillierte Schilderung. Mein Leben verdanke ich dem engagierten Einsatz meiner Bergkameraden und unserer Sherpas. Mein Dank gilt weiterhin allen Teilnehmern unserer Trekkinggruppe sowie O.R. und seinen Sherpas.




Mitwoch, 13.03.2003

Irgendwie ist es mir gestern mit Hlfe der Kameraden und Sherpas gelungen, vom Gletscher runterzukommen und bis zum HC abzusteigen. Zunächst wollte mich ein Sherpa vom Gletscher bis zum HC tragen. Dies erwies sich jedoch als nicht praktikabel, da der Steig zu steil und mein Gewicht für das schmächtige Männlein doch etwas zuviel war. So blieb mir nichts übrig, als mich mehr oder weniger auf allen Vieren und auf dem Allerwertesten, unter unglaublichen Schmerzen hinabzurobben. Erst im Dunklen erreichte ich das Zelt. Heiko, Danu und zwei weiter Sherpas sind in der Nacht mit hiergeblieben, die anderen haben ihre Zelte abgebaut und stiegen weiter ab, um in Chhukhung Hilfe zu organisieren. Geschlafen habe ich in der vergangenen Nacht nicht wirklich. Alle verfügbaren Schmerzmittel schlagen nicht an.

Am Morgen kommen zwei der anderen zurück. Sie berichten, dass sie telefonisch den Hubschrauber bestellt haben. Der kann allerdings maximal bis zum BC kommen. Das heißt, ich muß noch irgendwie vom HC aus eigener Kraft zum BC hinab. Die Sherpas haben eine Alu-Leiter organisiert. Auf dieser werde ich festgebunden und von nun an getragen. Im BC angekommen hat sich das Wetter soweit verschlechtert, dass der Heli heute nicht kommen kann - vielleicht morgen. Die Sherpas beschliesen, mich noch bis ins nächste Dorf, nach Dingboche zu tragen, damit ich in dem Zustand nicht noch eine Nacht im Zelt verbringen muß. Im Dunklen erreichen wir bei starkem Schneetreiben die Lodge.


Donnerstag, 13.03.2003

Wetterbedingt kann der Hubschrauber erst am Donnerstag, dem 13.3.2003 kommen. Ich werde nach Kathmandu ausgeflogen. Unsere Agentur in Nepal kümmert sich um alles weitere. Noch in der gleichen Nacht organisiert die Krankenversicherung einen Rückflug nach Deutschland und den Transfer in die Uniklinik Leipzig. Auch dafür noch mal herzlichen Dank.


Den Reisebericht mit vielen tollen Bildern gibt's auf meiner Homepage.

Dieser Reisebericht wurde am 14. Juli 2007 von Juergen verfasst. Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: Island Peak (Imjatse), , Nepal - Island Peak (Imjatse) - 6.189m, Island Peak, Imjatse, Trekking, Bergsteigen, .

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20. November 2007, 16:56:09. Yvonne sagt:


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