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Koloniale Städte in Nicaragua

Massaya, Granade, Low Budget

Im Rahmen unserer Mittelamerikareise besuchten mein Reisebegleiter und ich auch Nicaragua, dessen Schönheit und überraschte, da unser Lonely Planet Reisführer sich eher wortkarg über dieses schöne Land zwischen Honduras und Costa Rica ausließ.




Nach den ersten Tagen auf nicaraguanischem Boden in und um Leon fuhren wir über die Hauptstadt, die wunderschön am größten See des Landes liegt, in dem es angeblich noch letzte Exemplare von seltenen Süßwasserhaien geben soll nach Massaya. Abends angekommen, finden wir nur mit Mühe eine Unterkunft, da die Gegend hier besonders von Sprachreisenden angesteuert wird, die wie wir eben auch außerhalb der Hauptreisezeiten ins Land kommen.
Massaya ist eine alte Kolonialstadt mit sehr schönen Häusern, die trotz ihres Alters und der etwas weiter zurückliegenden letzten Renovierung doch eine angenehme Atmosphäre und Stimmung verbreiten. Da Freitag ist, sind die Straßen und der große Platz um die Stadt sehr belebt - mit Einheimischen und nicht mit Touristen. Wir staunen und beobachten, wie die Menschen hier mit ihren Familien laut und mit gutem Essen ihren Wochenausklang feiern. Da wir heute nichts außer ein paar Bananen zu uns genommen haben, essen wir erst eine Portion Tortillas mit einer leckeren Füllung und dann noch ein Hähnchen mit Pommes.
In einer Kneipe kosten wir das gute und günstige nicaraguanische Bier und freuen uns, dass trotz der ausgebuchten Hotels sich hier niemand dem Tourismus versklavt hat und alles so ist, wie es wahrscheinlich auch ohne Touristen aussehen würde.
Wir laufen auch zu sehr später Stunde noch bedenkenlos in den hell erleuchteten Gassen herum, da alles inklusive der Menschen hier sehr vertrauenswürdig und sicher wirkt.
Der nächste Tag beginnt mit einem Frühstück der Extraklasse. Der nette alte Herr, der mit seiner Frau das kleine Hotel führt, serviert uns für weniger als zwei Dollar ein richtiges Menu: leckerer Kaffee, frisch gepresster Fruchtsaft, einen Teller Obst, Brötchen, Eier und ein Reisgericht mit Bohnen lassen uns mehr als gut gestärkt in den Tag starten. Wir laufen zu einem Fort außerhalb der Stadt und müssen dabei durch ein eher etwas ärmeres Wohnviertel, jedoch außer bellenden Hunden, die uns ein Stück verfolgen, passiert nichts Spektakuläres. Vom Fort aus hat man einen grandiosen Blick auf das ansonsten recht flache Land, wir sehen viele Sehen, von denen es in Nicaragua reichlich gibt. Auf dem Rückweg trinken wir zu zweit in zwanzig Minuten 3,5 Liter Pepsi, da es recht heiß und schwül ist. Ist zwar nicht gesund, aber bei dem Flüssigkeitsbedarf den wir am Tag haben, können wir nicht immer nur geschmacksneutrales Wasser trinken.


Zurück in Massaya laufen wir zum Lago de Massaya, einem schönen, überschaubaren See. Da uns das Baden nicht reizt, verbringen wir den restlichen Tag in der Stadt.
Nach wiederum einmaligem Frühstück machen wir uns auf die Suche nach dem Busbahnhof, denn bei unserer Ankunft hat uns der Fahrer irgendwo abgesetzt und nicht am Busterminal.
Auf eigentlich akzeptablen Straßen geht es dann weiter nach Granada, die die schönste Stadt hinsichtlich Kolonialstil und kulturellen Gebäuden sein soll. Diese Aussage unseres Reiseführers können wir sofort voll und ganz bestätigen! Natürlich ist Granada auch für die Touristen so schön hergerichtet, aber diese Fülle an tollen Hotels, Parks, Kirchen, alten Verwaltungsgebäuden der Spanier und tollen Innenhöfen hätte die Stadt gar nicht nötig, um nicht genauso viele Reisende anzulocken. Bei der Hotelsuche bekommen wir prachtvoll eingerichtete Hotels zu sehen, die sich teils an altem Kolonialstil und teils an modernem Stil orientieren. Unserem Budget entsprechend nehme wir ein Zimmer für umgerechnet sieben US-Dollar pro Person und Nacht, was für nicaraguanische Verhältnisse für so ein Zimmer schon eher viel und kein Vergleich mit dem günstigen und netten Hotel in Massaya ist.
Die Strassen von Granada sind größtenteils gepflastert und wo sie es noch nicht sind, sind Heerscharen von Arbeitern, die alle unkontrolliert gar nichts machen, damit beschäftigt, sie zu pflastern. Kurz vor Sonnenaufgang steigen wir auf den Kirchturm der Kathedrale und sind erstaunt, dass man bis auf die Spitze gelangen kann und dann dort vor dem Abgrund weder Geländer noch sonstige Absperrung vorfindet. So etwas würde es in Deutschland nie geben, nach Mittelamerika passt es und ist ein Beispiel für die etwas entspanntere Lebenseinstellung der hier lebenden Menschen. Granada ist aber im Gegensatz zu Massaya und Leon geradezu mit Touristen überfüllt, da insbesondere Amerikaner in dieser wirklich tollen Kolonialstadt mit schachbrettartigem Grundriss sehr gerne ihre größtenteils erste Fremdsprache lernen: Spanisch.


Den folgenden Tag verbringen wir in der Stadt und in der Nahen Umgebung, so z.B. am Strand des Sees, an dem Granada liegt. Wie eigentlich alle Seen in Granada ist das Wasser braun, was weniger an der möglichen Verschmutzung als vielmehr am braunen und teils auch vulkanischen Erdreich liegt. Die Seeoberfläche wird vom Wind aufgepeitscht, sodass ständig kleine Wellen am Strand brechen. Ein Badesee scheint es aber nicht zu sein, da der Strandabschnitt eher ungepflegt trotz einer Palmenallee wirkt.
An diesem Abend werden wir Zeuge eines wirklich lebhaften Gottesdienstes in einer „Íglesia evangelista“, zu dem wir herein gewunken werden, als wir ungläubig an der Straße stehe bleiben. Die Gemeinde feiert den Gottesdienst im wahrsten Sinne des Wortes: die Menschen aller Altersklassen vom Kind bis zum Greis bzw. zur Greisin singen und tanzen gemeinsam, klatsche dabei viel in die Hände und verharren nur zum Gebet in Stille. Sehr beeindruckend, anders als amerikanische Gospel-Gottesdienste und doch sehr originell. Vielleicht ein Vorbild für hiesige Gottesdienste, wobei ich mir persönlich nicht vorstellen kann, mit oder neben einer alten Frau zu tanzen…
Am Ufer des Sees ist heute Abend eine Party mit Miss-Wahl und wir schauen zu. Da wir die einzigen Touristen auf dieser Party sind und uns auch noch wie alle anderen Gäste mit dem Dosenbier anfreunden, haben wir einen Moment lang Angst, vom hyperaktiven Moderator der Show auf die Bühne gebeten zu werden. Doch wir haben Glück.
Am nächsten Tag brechen wir nach einem Bummel über den Markt auf in Richtung Costa Rica, wollen aber noch eine Nacht auf nicaraguanischem Boden kurz vor der Grenze verbringen.

Dieser Reisebericht wurde am 08. Dezember 2007 von montechristi verfasst.

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