Mit dem Bus kommen wir, mein Reisepartner und ich, in San Juan del Sur in Nicaragua an, kurz vor der Grenze zu Costa Rica. Bei schönstem Wetter und strahlendem Sonnenschein laufen wir mit unseren Rucksäcken, in denen wir eine komplette Campingausrüstung verstaut haben, zum Meer. Das Meer und der kleine Hafen sind recht idyllisch, Massentourismus ist hier zum Glück ein Fremdwort. In der Stadt treffen wir Surfer, die uns von einem tollen Surfspot nördlich von San Juan del Sur erzählen. Wir entscheiden uns jedoch dagegen, da man da nur mit dem Taxi hinkommt und auch auf ein solches für den Rückweg angewiesen wäre. Lieber wollen wir uns eine eigen, unberührte Bucht zum Übernachten suchen. Im Ort, der ruhig und gediegen in einem Tal liegt, kaufen wir ein paar Vorräte (Wasser, Reis, Limonen, Zwiebeln, Gurken, Bananen) und machen uns am Meeresufer auf den Weg in Richtung Süden.
San Juan
Zuerst geht aus San Juan del Sur hinaus und einen steilen Berg hinauf, der mit dem schweren Gepäck (und in Sandalen bzw. Flip Flops) echt anspruchsvoll ist. Auf dem Berg angekommen, öffnet uns wider erwaten ein Wachmann ein Gatter und lässt uns in die Nachbarbucht blicken und dann auch laufen. Die Aussicht ist grandios, man sieht in der Bucht keine Häuser, die felsige Küste scheint unberührt. Wir schauen etwas verdutzt, als wir einer Horde Straßenarbeitern begegnen, die amateurhaft versuchen, eine neue Straße anzulegen und zu befestigen. Es scheint aber niemanden zu stören, dass zwei gut beladene Touristen in eine unbewohnte Bucht zu schon fortgeschrittener Stunde am Nachmittag wandern. Umso besser für uns, denn so können wir uns in aller Seelenruhe an den Abstieg zur Wasserebene machen. Besonders die letzten Meter sind steil und ohne Weg, da die Küste, wie bereits erwähnt, ja hier ziemlich unerschlossen ist. Nach dem wir erfolgreich ein Flussbett hinunter geklettert sind stehen wir nun direkt am felsigen Ufer und blicken einerseits auf das offene Meer und andererseits die wundervolle Küste entlang. Direkt hinter dem Küstenstreifen beginnt ein dichter und tropisch anmutender Pflanzenbewuchs, hohe Bäume mit Lianen und gleichzeitig Palmen und Kakteen dominieren hier die Flora. Zu unserem Erstaunen entdecken wir einen gefliesten Pavillon mit Schilfdach, aber ohne Wände, der wohl von Bootsausflüglern genutzt wird. Dort bauen wir unser Zelt auf und klettern auf die Felsen, unsere Angel im Gepäck. In Wasserlöchern auf den Felsen gibt es kleine Fische, Krebse, Seeigel und jede Menge Wasserpflanzen. Das Herumklettern auf den scharfkantigen Felsen macht Spaß, obwohl es für die Füße eine Tortur ist. Und dann fangen wir irgendwo am anderen Ende der Welt mit einem stinknormalen Blinker drei uns beiden unbekannte Fische aus dem Wasser, die uns später als Abendessen dienen sollen. Ein Bad an den Felsen ist recht erfrischend, wenn der Ein- und Ausstieg aufgrund der recht starken Brandung nicht ganz ohne ist und mir bei meinem ersten Versuch ein blutiges Knie beschert. Der Sonnenuntergang über dem Meer und gerade vor der tollen Kulisse ist absolut einzigartig und gehört zu den Schönsten und Stimmungsvollsten, die ich bisher mir so an extravaganten Orten gegönnt habe. Im Dunkeln kochen wir mit unseren Stirnlampen den Fisch mit Reis, Zwiebeln, Limonen (oder waren es Limetten?) und einer leckeren Soße. Er schmeckt köstlich, wenn auch sicherlich die Atmosphäre einen großen Anteil an dem guten Essen hatte. Plötzlich beginnt es zu regnen und wir wollen uns im Regen nach einem langen und staubigen Tag säubern, also stellen wir uns vor unseren Pavillon und lassen uns begießen. Leider ist die Regenmenge nicht ausreichend, um die Seife abzuspülen und so müssen wir mit etwas Wasser aus einem winzigen Bach nachhelfen. Alles im Dunkeln, wohlgemerkt! Nach dem Regen kehrt Ruhe in das Tal und wir lauschen den Geräuschen der Nacht. Der tolle Sternenhimmel zieht weniger unsere Aufmerksamkeit auf sich als die vielen Glühwürmchen, die immer näher zu kommen scheinen und wir schon sicherheitshalber mal das Mückenspray bereithalten, falls es sich um nicht ganz so harmlose Vertreter dieser bioluminizenten Art handeln sollte, wie sie in unseren Breitengraden zu Hause in Deutschland anzutreffen sind. Am meisten wundern wir uns jedoch über das Leuchten im Meer und letztendlich einigen wir uns auf Leuchtalgen oder Leuchtfische oder Leuchtplankton (also keine außerirdischen Lebensformen und kein Chemieunfall). Die Nacht schlafen wir ruhig im Zelt mit offener Türe, da aufgrund des angenehmen Seewindes keine Mücken unsere Ruhe stören. Das Aufstehen fällt uns am Morgen bei der tollen Aussicht sehr leicht, allerdings kann man abends im Dunkeln ja auch nicht so viel machen und morgens wird es eben einfach auch früh hell. Wir verlassen unseren Pavillon, gehen Schwimmen, fällen einen riesigen Kaktus und sind enttäuscht, als aus ihm gar keine Kaktusmilch fließt und machen einen Abstecher zum etwa 500 Meter von unserer Lagerstätte entfernten Kiesstrand, hinter dem das grüne Dickicht beginnt, bei dem man ohne eine Machte keine Chance hat, durchzukommen. Befriedigt stellen wir fest, das vom Ufer aus wirklich keinerlei Zeichen von Zivilisation zu erkennen sind, allenfalls am Berg nahe dem Weg nach San Juan del Sur scheinen schon Baugrundstücke ausgewiesen. Nach dem Packen machen wir uns schweren Herzens auf den Rückweg. Gerne wären wir noch einen Tag in dieser traumhaften Bucht geblieben, doch fehlte es uns einerseits an Trinkwasser und andererseits an Zeit, denn in etwas mehr als einer steht unser Rückflug von San José/Costra Rica an und da müssen wir noch hin und wollen zudem ja auch noch etwas von Costa Rica sehen.
Fazit: Ein sehr lohnender Trip, die Bucht (direkt eine Bucht südlich von der, in der San Juan del Sur liegt) ist echt wunderschön und ihre Naturbelassenheit waren eine toller Kontrast zu Granada, der touristischen und auch sehr schönen Stadt, in der wir zuvor einige Nächte verbrachten.
Dieser Reisebericht wurde am 08. Dezember 2007 von montechristi
verfasst.
Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: San Juan del Sur, Zelt, Die einsame Bucht San Juan del Sur, Angeln, Leuchtalgen, Felsküste, Natur pur, Camping.