Tikal - Ruinenstadt der Maya (Guatemala, Petén), Tikal National Park
Tikal, die antike Maya-Stadt im Regenwald des Petén auf der Halbinsel Yucatan ist in Guatemala und auch in ganz Zentralamerika eine der größten und eindrucksvollsten Maya-Siedlungen.
Unsere Tikal-Besichtigung startete von Flores/Sta. Elena am Lago Petén Itzá an einem Montagmorgen mit einem in Guatemala üblichen Bus: ein mindestens zwanzig Jahre altes Gefährt ohne jeglichen Komfort.
Nach knappen zwei Stunden Fahrt entlang des sehr anschaulichen Sees erreichten wir El Remate, wo wider Erwarten unser Bus endete. Nachdem wir schon befürchten mussten, irgendwo in diesem Nichts vom Ort unser auf unbekantem Gelände unser Zelt aufstellen zu müssen, kam doch noch ein „chicken bus“ vorbei, der uns mit nach Tikal nahm. Wir fanden heraus, dass der Name „chicken bus“ auf den sehr begrenzten Platz zum Sitzen der Passagiere zurückführt. Außer uns waren nur Einheimische im Bus und zwar solche, die im Schnitt nur 1,60 m groß waren und aus den ländlicheren Regionen des Petén stammten und uns Mitteleuropäer interessiert begutachteten.
Die nun folgende Busfahrt brachte uns immer weiter und tiefer die Regenwälder des Petén, es tauchten nun nur noch selten Siedlungen und kleine Dörfer auf und das undurchdringliche Grün des Waldes dominierte.
Abends in Tikal angekommen, versuchte ein übereifriger Guide, uns für seine Tour und Führung am nächsten Tage zu gewinnen - ziemlich nervig, aufdringlich und daher für ihn auch erfolglos.
Aus dem Plan, nahe des Eingangs zum Park wild zu campen, wurde dank übereifriger Wächter mit großen Gewehren nichts. Wir wurden auf dem Campingplatz - einer Lichtung mit betonierten Flächen im Urwald - zwangseinquattiert, mussten jeder 35 Queztal bezahlen und waren danach uns selbst überlassen. Licht gab es keins, also waren Taschenlampen angesagt.
Neben zwei bis drei Hotels, dem Campingplatz, einem Restaurant und Gebäuden der Parkverwaltung war auf dem Gelände abends nicht viel zu erkunden, in den auch nachts bewachten Ruinenpark kam man außerhalb der Öffnungszeiten ohne kostenpflichtigen und lizenzierten Führer nicht.
Als essentiell bei dem Aufenthalt in und um Tikal erwies sich ein zuverlässig funktionierendes Anti-Mückenspray, insbesondere wenn man einfach nur auf der isomatte schlafen will Aufgrund des feucht-heißen Klimas sind die Insekten dort sehr zahlreich und Nerv tötend. Das Einschlafen erwies sich als Problem, da der nur ca. 15 m entfernte Regenwald komische und unbekannte Geräusche von sich gab, an die mein Ohr sich erst gewöhnen musste. Höhepunkt der Nacht war der Besuch von drei Wächtern, die mit Taschenlampen, Stöcken und Gewehren nach einem Hund suchten, der sich unter einer Hütte nahe unserem Schlafplatz verkrochen hatte.
Trotz des eher unfreundlichen und auch etwas unheimlichen Empfang fing der zweite Tag in Tikal vielversprechend an: auf dem Weg zum Parkhäuschen am Info-Punkt vorbei sahen wir zwei große Tulcans mit ihren wunderschönen Schnäbeln. Der Eintritt von 70 Queztal erwies sich im Nachhinein mehr als Geschenk für den einmaligen Eindruck, den Tikal hinterließ.
Der Ruinenpark an sich war schlicht und weg überwältigend. Auf kleinen, teils sehr engen Pfaden geht es durch den Regenwald, stets begleitet von den Geräuschen des Waldes, entstanden durch die zahlreichen Vögel, eine vorbeiziehende Affenhorde oder einfach nur dem Wind durch das Blätterwerk. In moderaten Abständen gab das grüne Dickicht dann einen Tempel, eine Pyramide oder andere Gebäude preis, die teils bestens restauriert und teils im bei der Wiederentdeckung der Stadt von Méndez und Tut im Jahre 1848 (erster öffentlicher Bericht) vorgefundenen Zustand zu bestaunen waren. Überraschender Weise waren fast alle Bauten begehbar, nur wenige waren abgesperrt. Der eigenständigen Erkundung der weitläufigen Anlage (Der Tikal National Park umfasst insgesamt 576 qm!) waren also keine Grenzen gesetzt, ob das Herumtrampeln auf den Ruinen für deren Erhalt förderlich ist oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Zentrum der weitläufigen Anlage ist der Große Platz, auf dem sich die beeindruckenden Tempel I und II in Ost-West-Richtung gegenüber stehen.
Entgegen unseren Befürchtungen hielt sich die Anzahl anderer Touristen in Grenzen, so dass man auf den Pfaden zwischen den Tempeln weitgehend alleine unterwegs war und auch an den etwas abseits des Großen Platzes gelegenen Bauten die Mystik des Ortes für sich genießen konnte.
Vom höchsten Gebäude des Areals, dem Tempel IV, ergab sich uns ein verblüffender Blick auf die antike Stadt. Aus 64 m Höhe hatte man einen guten Blick auf die im Urwald verstreuten und versunkenen Gebäude, von denen nur noch die Spitzen aus dem Grün herausragten und das Vorhandensein von Wegen oder gar großen Plätzen unvorstellbar schien. Bei dem Weg von Tempel zu Tempel hatte man auch genügend Zeit, die fremde tropische Vegetation zu beobachten: riesige Bäume mit Durchmessern von über 2 m, Flechten, Lianen, Gestrüpp, überwucherte Maya-Bauten und vieles mehr.
Im Park gab es ab und an Verpflegungsstände und man traf auch Arbeiter, die mit der Instandhaltung der Ruinen oder aber auch noch mit der Ausgrabung und Restauration selbiger beschäftigt waren. Erschreckend waren dabei teilweise die Arbeitsweise und vor allem die Arbeitssicherheit, nicht selten kletterten die Männer ohne Sicherung an einer steilen Pyramide entlang, um Moss zu entfernen. Das Klima in Tikal war feucht-warm, aber trotzdem gut aushaltbar.
Nach einen langen und anstrengendem Tag in der Ruinenstadt, der leider zur Erkundung des gesamten Gebietes nicht ganz reichte, traten wir per Minibus unsere Rückreise nach Flores an. Unser Reisegepäck konnten wir, gegen Gebühr versteht sich, auf dem Campingplatz einschließen. Mit lauter guten Eindrücken und unvergesslichen Erinnerungen ging es aus dem Dschungel zurück in die guatemalesische Zivilisation.
Als Tip für einen Besuch in Tikal:
Man kann mit dem Tagesticket bereits am Vortag ab 15 Uhr (?) den Park besichtigen, so dass man inklusive des nächsten, ganzen Tages eine gute Chance hat, das gesamte Areal ausreichend zu erkunden. Zur Hauptsaison ist Tikal sicherlich voller, um allzu einsame Stunden auf dem Campingplatz oder über geschlossene Restaurants braucht man sich dann keine Sorgen machen. Touren nach Tikal kann man am besten von Flores aus planen, wo eigentlich jeden Tag Minibusse nach Tikal aufbrechen.
Dieser Reisebericht wurde am 25. November 2007 von montechristi
verfasst.
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