Von Cobán aus starten wir (mein Reisebegleiter und ich) früh morgens mit einem Minibus in Richtung Semuc Champey, wo laut Berichten eines Freundes von mir aus Deutschland wahre „Naturwunder“ den Besucher erwarten.
Nach etwa zwei Stunden biegt der Toyota-Bus von der gut geteerten Straße ab und beginnt, sich auf einer Schotterpiste ins Tal zu schlängeln. Die Landschaft ist herrlich grün, tropischer Bewuchs säumt den Weg und die Sonne scheint. Weniger idyllisch ist jetzt die Fahrt an sich, wir werden aufgrund der unzähligen Schlaglöcher gut durchgeschüttelt und nicht selten Stoßen wir uns am Nachbarn, den Sitzen oder dem Gepäck. An der laut Fahrer letzten Übernachtungsmöglichkeit, einem Hotel direkt am Fluss mit Liane zum hinein schwingen, vor Semuc Champey schmeißt uns der Fahrer aus dem Auto mit der guten Ansicht, dass wir unser Gepäck erst einmal im Hotel verstauen sollen. Er versteht nicht, dass wir aber gar nicht in dieses Hotel wollen, sondern lieber direkt in Semuc Champey unser Zelt aufschlagen wollen. Auch den verdutzten Hotelbesitzer lassen wir stehen und laufen die Straße weiter am Fluss entlang, der Toyota-Bus überholt uns mit einem kopfschüttelnden Fahrer. Nach etwa einer halben Stunde erreichen wir eine Brücke, von der aus man entweder zu den „Wasserspielen“ oder den Höhlen von Semuc Champey gelangt. Wir versuchen zuerst unser Glück bei den „Wasserspielen“ und stellen fest, dass es sich bei Semuc Champey um ein Naturschutzgebiet handelt und wir heute zu spät sind, um verbleibende Öffnungszeit noch zu einem ausgiebigen erkunden zu nutzen. Am Seeufer direkt an der Brücke kochen wir uns Essen, dass in einem Supermarkt gekaufte Fleisch lässt sich beim besten Willen nicht zerkauen und ich spucke die meisten Teile wieder aus oder schlucke sie unverdaut hinunter. Eine Gruppe Amerikaner in Badeshorts kommt von Semuc Champey und animiert uns, mit ihnen von der Brücke in einen trüben und kühlen Fluss zu springen. Nachdem wir alleine sind, sammeln wir in der anbrechenden Dämmerung Blätter von Bananenstauden und bauen auf dem sandigen Untergrund darauf unser Zelt auf, etwas vor den Blicken von der Straße geschützt. Auf der Straße und in dem Tal hier allgemein herrscht aber wenig Leben, die Touristenzahl hält sich in der Nebensaison in Grenzen, obwohl Semuc Champey laut Reiseführer ein „hot spot“ in Guatemala sein soll. Abends sitzen wir auf der Brücke, beobachten die Sterne und sind zuerst von Lichtern erschreckt, die sich dann aber als Bauern mit Taschenlampen und einer gehörigen Portion Alkohol intus entpuppen. Nachts regnet es stark, so dass wir uns über unser gutes und dichtes Zelt freuen. Das Zusammenpacken im nassen Zustand am nächsten Morgen macht dann weniger Spaß. Nach einem Bananenfrühstück geht es zum Eingang in den Park, wo wir unsere Rucksäcke einschließen und nur mit Badesachen, Kochgeschirr und Angel den Park betreten. Im Nachhinein erweisen sich die 35 Queztal Eintritt p.P. als ein Geschenk. Der Park an sich ist sehr gepflegt, ordentlich angelegte Wege mit Geländern und Stufen führen durch den Regenwald. Zu Beginn sieht man weder den Himmel noch das Wasser, man ist beeindruckt von dem grünen Dickicht, den hohen Bäumen und der Vielfalt an Gewächsen. Zuerst laufen wir auf den höchsten Punkt, was wirklich anstrengend ist, da es gute 45 Minuten nur steil bergauf geht. Manche Abschnitte sind extrem rutschig und glitschig. Ab und an beobachten wir Arbeiter, die neue Wege und Geländer bauen. Von oben hat man einen traumhaften Blick über das Tal, das ohne Felder voll von der prallen Natur in Besitz genommen ist. Unten, wo wir den braunen Fluss erwartet hatten, sehen wir lagunenähnliche Wasserbecken mit türkis schimmerndem Wasser und spätestens jetzt wissen wir, dass sich der Besuch in Semuc Champey gelohnt hat. Unten an diesen Wasserterrassen bleibt uns fast die Luft weg, so überwältigend ist der Anblick. Der mächtige Fluss verschwindet mit viel Getöse in einer Höhle unter den Terrassen, nur ein Teil fließt oberirdisch entlang und bildet die Wasserbecken, in denen das Wasser klar, sauber und warm ist. Natürlich lassen wir uns ein Bad nicht nehmen, das Wasser ist sehr angenehm und einige Bäume bieten die Gelegenheit, aus mehreren Metern Höhe in die Becken zu springen. Am unteren Ende der Terrassen tauchen die Wassermassen wieder aus dem Untergrund auf, bis zu unserem Übernachtungsplatz sind es von da aus nur wenige hundert Meter. Angeln kann man in Semuc Champey auch gut, jedoch fanden das die Wärter nicht so toll. Einer nimmt uns mit einem Grinsen die gefangenen Fische ab und steckt sie ein! Na ja, wir hatten noch Gemüse aus dem Supermarkt, welches aber in einer beinahe unerträglich scharfen Soße eingelegt war. Wir haben keine Lust mehr, die Höhlen von Semuc Champey zu besichtigen, da wir für einen Tag auf jeden Fall schon genug bleibende positive Eindrücke gesammelt haben. Zurück am Eingang holen wir unser Gepäck und müssen etwas auf den nächsten Bus warten. Um mehr von der Landschaft mitzubekommen, fragen wir den Fahrer, ob wir uns nicht auf das Dach zu unserem Gepäck setzen dürfen. Dies ist hier in Guatemala natürlich überhaupt kein Problem, in Deutschland wäre so etwas undenkbar. Mit einem tollen Blick vom Dach aus geht es die schlechte Straße zurück in ein Dorf, der Fahrer nimmt natürlich keine Rücksicht auf seine Passagiere auf dem Dach und fährt Vollgas wo es nur geht.
Nach etwas einer halben Stunde Fahrt wechseln wir den Bus und kommen mit diesm zurück nach Copán, dem Ausgangsort unserer Tour.
Fazit: Ein sehr lohnender Ausflug mit einzigartiger Natur! Ich schaue mir die Bilder von Semuc Champey immer wieder gerne an.
Dieser Reisebericht wurde am 01. Dezember 2007 von montechristi
verfasst.
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