Verzeichnis » Mittelamerika » Guatemala » Antigua und Vulkan Pacaya (2552 m)

Antigua und Vulkan Pacaya (2552 m)

Antigua, Hotel eher schlecht...

Mit dem Bus aus Guatemala City kommen wir nachmittags in Antigua, der ehemaligen Hauptstadt Guatemalas an. Die unter Sprachschülern besonders aus den USA wohl bekannte Stadt verlor ihre Funktion als Hauptstadt nach einem verheerenden Erdbeben. Da sie mitten im vulkanischen Bergland Guatemalas liegt, kann man ab und an einen der feurigen Riesen von den breiten Straßen der alten Kolonialstadt beobachten.




Aufgrund des touristischen Charakters der Stadt hatten wir Probleme, ein Low-Budget-Hotel zu finden. Wir nehmen nach längerer Such mit einem fensterlosen, kleinen Zimmer mit feuchten Betten Vorlieb und beschließen, uns so wenig wie möglich darin aufzuhalten. Gleich bei unserem Wirt buchten wir für den nächsten Tag eine Tour zum Vulkan Pacaya, der zurzeit wieder aktiv sein soll. Das die Haupteinnahmequelle der Stadt und deren Bewohner das Tourismusgeschäft ist, wird auch daran deutlich, dass man bei Tourbüros, in Restaurants oder manchen Geschäften mit US-$ bezahlen kann, obwohl im Rest Guatemalas eigentlich ausschließlich mit dem landeseigenen Queztal gehandelt wird.
Die Stadt an sich ist schön hergerichtet, viele Häuser und ganze Straßenzüge sind frisch renoviert und meist bunt gestrichen. Schachbrettartig ziehen sich breite Straßen durch die Häuserviertel, trotzdem verlaufen wir uns an diesem Abend so vollständig, dass wir über zwei Stunden brauchen, um aus den äußeren Vierteln wieder in das touristische Zentrum und zu unserem Hotel zu finden. Dafür haben wir die nächsten Tage keinerlei Orientierungsschwierigkeiten, da wir an diesem ersten Abend so gut wie alle Straßen abgelaufen sind, auch ein Vorteil.
Besonders schön sind die bei Nacht beleuchteten Ruinen alter Gebäude (Kirchen, Friedhof, spanische Verwaltungsgebäude), die das Erdbeben von 1773 mehr oder weniger überstanden haben und der Stadt so ein gewisses historisches Flair geben.
Zum Abendessen gehen wir in ein Lokal und wollen ein einfaches Essen haben, was von der Bedienung kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen wird. Da sich in Antigua meist Amerikaner aufhalten, sind die Bewohner wohl eher zahlungskräftige „Gringos“ gewöhnt, die sich eher für die internationale Küche als für die Landesküche interessieren.



Am nächsten Morgen um 6 Uhr stehen wir an der Straße und warten auf den Bus, der uns zum Vulkan Pacaya bringen soll. Nachdem wir fälschlicher Weise zuerst in einen eingestiegen sind, der nach Guatemala City fährt, erwischen wir den richtigen Bus, der die nächsten 30 Minuten andere Touristen vor deren Hotels einsammelt. Der Fahrer scheint unfähig, er kommt mit dem langen Bus und den engen Gassen überhaupt nicht zurecht. Da wir aber eine „guarded tour“ gebucht haben, hat er eine Pumpgun dabei, mit der er desorientiert herumfuchtelt und den Gästen so vermittelt, in den Bus einzusteigen. Ein gutes Gefühl, wenn man weiß, im Notfall beschützt zu werden! :-)
Nach knappen zwei Stunden Fahrt steigen wir an einem Parkplatz aus, der prächtige Vulkan liegt direkt vor/über uns. Da wir nun schon relativ hoch sind, hat man einen tollen Blick in die Täler und auf andere Berge und Vulkane. Das Wetter ist gut, der Himmel blau und die Rauchfahne über dem Pacaya sagt zeugt von dessen Aktivität. Der 2552 m hohe Vulkan gehört zu den aktivsten Vulkanen der Welt, ist aber in Guatemala gleichzeitig einer der am häufigsten besuchtesten Berge.
Auf einem kleinen Pfad laufen wir nun in Richtung Gipfel, ein spanischsprachiger Guide klärt uns über die Geschichte des Vulkans auf. Nach anfänglich dichtem Bewuchs wechselt die Vegetation ab einem bestimmten Punkt in eine Graslandschaft, die vielerorts von schwarzem, vulkanischem Gestein unterbrochen wird. Der nun freie Blick auf den Gipfel des Pacayas ist atemberaubend. Die komplette Spitze raucht und dampft, der Berg ist die letzten 500 Höhenmeter unbewachsen und unbewachsen. Wir sehen frisch erkaltete Lavazungen, die sich den Berg hinunter in das Gras gefressen haben. Das Vulkangestein ist sehr scharfkantig und porös und zu bizarren Formen erstarrt. Eine steile Geröllhalde geht es hinauf zum höchsten Aussichtspunkt auf den Feuerberg, der Boden ist sehr warm und die Schuhe ständig voller Steine.


Unterhalb des Gipfels beginnt ein Lavafeld, welches noch in Bewegung ist und stellenweise rot glüht. Beim Herumklettern auf den heißen Steinen schmelzen meine Schuhsohlen an, da ich zu lange für ein Foto gebraucht habe. Es riecht etwas nach Schwefel, besonders wenn Rauchschwaden vom Nebenkrater herüber wehen.
Mit Einsamkeit und Romantik ist auf dieser Tour aber nicht viel, außer uns sind an diesem Tag gut 200 andere Touristen da, die sich bei Auf- und Abstieg an den engen Passagen aneinander vorbeischieben.
Die Rückfahrt dauert ewig, unser unfähiger Busfahrer kann gar nichts und traut sich nicht, auch nur eine Pferdekutsche zu überholen. Als es einen Stau gibt, steigt er mit seiner Waffe aus, um die Ursache der Verzögerung zu erklären. Uns ist es in dem Moment sehr peinlich, als Touristen in diesem Bus zu sitzen. Die anderen Autofahrer schauen uns mit großen Augen kopfschüttelnd an. Auch wenn man es des Öfteren hört, Touristen sind in Guatemala bei entsprechendem Verhalten lange nicht so gefährdet, wie es dargestellt wird. In unserem Reiseführer wurde vor dem Vulkan gewarnt, da es auf dem Fußweg zum Gipfel ab und zu Überfällen gekommen sein soll. Dies halten wir für unmöglich, da der Weg dafür zu gut besucht ist und sich zudem alle paar Meter Versorgungsstände befinde, sodass es eigentlich keinen Abschnitt des Weges gibt, auf dem man allein sein könnte und so ein Ziel für Raubüberfälle böte.
Den Tag lassen wir gemütlich in einer Bar in Antigua ausklingen.


Fazit: Auch wenn Antigua nicht so viele historische und vor allem erhaltene Gebäude besitzt, lohnt sie doch einen Besuch. Als etwas störend empfanden wir die vielen Amerikaner in der Stadt und die touristische Ausrichtung der Stadt auf eben diese Besucher. Als lohnenswert empfanden wir die Tour zum Vulkan, da es in Deutschland ja leider und zum Glück keinen aktiven Vulkan gibt (aber z.B. in Italien). Antigua ist allgemein etwas teurer als andere Orte und Städte in Guatemala, dafür hat man hier das beste Angebot an Sprachkursen.

Dieser Reisebericht wurde am 01. Dezember 2007 von montechristi verfasst. Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: Antigua, Hotel eher schlecht..., Antigua und Vulkan Pacaya (2552 m), aktiver Vulkan, Kolonialstadt, Sprachkurse, Lava, alte Hauptstadt.

Hat Ihnen dieser Bericht gefallen?

Dieser Reisebericht wurde noch nicht bewertet. Loggen Sie sich ein, damit auch Sie diesen Bericht bewerten können.

0 Sonnen (Unbewertet)

Wie bewerte ich Berichte?

Möchten Sie diesen Bericht kommentieren?


Dann loggen Sie sich ein und los geht's! Wir freuen uns über Ihre Meinung.



Diesen Reisebericht verlinken:




Login


Benutzer:
Passwort:
Nicht registriert?

Jetzt kostenlos bei adios.de registrieren


Passwort vergessen?

Neues Passwort per Email anfordern