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Lust auf Süßes
Mexico - Teotihuacan, Teotihuacan
Kommt immer wieder vor, was ich heute in der Zeitung lese. In Chile hält ein Lokführer seinen Zug auf offener Strecke just auf einem Bahnübergang an und steigt aus. Zu fuß geht er die 5 Minuten in eine nahe Konditorei, kauft sich was Süßes und verspeist das auf der Stelle. Nach etwas mehr als einer Viertelstunde besteigt er wieder seine Lok, löst die Bremsen und fährt weiter. Der dadurch verursachte Stau reicht bis auf die nahe Autobahn zurück und löst sich erst langsam auf.Dem auf Süßigkeiten geilen Lokführer droht ein Disziplinarverfahren, das bis zur Entlassung führen kann.Aber mir gefällt das Bild: Wie der Zug verlassen auf dem Bahnübergang steht und das Männlein in seiner dreckigen Uniform dem Süßwarenladen zustrebt. Das Hupen und wilde Gestikulieren kümmert ihn einen Dreck. Er haut sich die Mehlspeis rein, dass der Puderzucker nur so staubt. Vor Jahren hatte ich selbst ein ganz ähnliches Erlebnis – in Mexiko. Meine Frau und ich machten Urlaub in einem kleinen Nest etwa 40 Kilometer nördlich von Mexiko-City, in Teotihuacan. Wunderbares Pyramidenörtchen mit viel Geschichte und Ausgrabungen pur. Und das Hotel hat einen Pool – phantastisch! Natürlich fahren wir eines Tages von den Ausgrabungen in die prickelnde Metropole. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Bus und U-Bahn. Iss gar nicht so schwer, wenn man den Leuten seine Angst nicht zeigt. Sie schauen schon alle ziemlich finster und forsch durch die Gegend. Aber was soll’s? Die City ist riesig – etwa 20 Millionen Menschen – die Altstadt mit dem Zokalo sehenswert und die Museen ein Wahnsinn! Es wird Abend. Wir sind hundemüde, nehmen die U-Bahn zurück und von deren Endstation einen Bus in unsere Richtung, eben zu den Pyramiden. Von dort sind es keine 5 Minuten zum Hotel mit dem Wunder-Pool. Alles verläuft reibungslos. Um diese Zeit sind die Mexicanos zu Hause bei ihren meist beleibten Mamas. So rumpeln wir fast allein in dem silbernen Bus nach Norden. Dabei haben wir noch Glück, es ist der letzte Bus, den wir erwischt haben. Nicht auszudenken, wenn wir den verpasst hätten!Zwei Stationen vor der Endstelle hält der Bus bei einer Hendlbraterei. Der Fahrer steigt aus, kauft sich so einen Vogel und deutet uns ebenfalls auszusteigen. Er fährt heute nicht mehr weiter, er ist zu Hause angekommen und den Bus lässt er stehen. Da hilft gar nichts, der Mann hat schon mit seinem Feierabend begonnen. Es ist knapp 23 Uhr und stockdunkel. Bis zur Endstelle sind es etwa 4 bis 5 Kilometer auf unbeleuchteten Landstraßen.Nach Mitternacht kommen wir unversehrt im Hotel an, und ich weiß heute ehrlich nicht mehr, wie wir das damals geschafft haben. © h.schida http://www.superschida.com mail: schida@web.de
Dieser Reisebericht wurde am 03. August 2007 von superschida
verfasst.
Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: Mexico - Teotihuacan, Teotihuacan, Lust auf Süßes, Pyramiden, Busse, Nachtmarsch, Pool, herrlich, Schida.
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