Alles begann im Dezember 2004 als wir nach einem Jahr voller Reggae – Festivals bei einer unserer gemütlichen Musik – Sessions auf den Gedanken kamen, doch endlich mal in das „Geburtsland“ des Reggaes zu reisen: nach Jamaica.
Und somit war es eine beschlossene Sache. Mart, Tom und ich werden im nächsten Februar drei Wochen in Jamaica verbringen. Natürlich als Individualtouristen, also mit dem Rucksack, um den Flair der Insel und deren Bewohner direkt zu erleben.
Nach unzähligen Telefonaten mit unterschiedlichen Reisebüros hatten wir uns die günstigsten Tickets bestellt; ca. 800 Euro pro Person für hin und Rückflug (natürlich mit Zwischenlandungen in den USA, sonst wäre es mindestens doppelt so teuer geworden).
Im Januar bestellten wir noch einmal zwei Tickets (zum Glück gab’s noch welche), da sich Sandra und Claudia, sie sind Schwestern, auch entschieden, mitzureisen.
Nach etlichen Informationen von Leuten die diese Insel schon einmal besucht hatten und aus mehreren Reiseführern, waren wir reif für die Insel.
Dann ging´s erst mal ans Rucksack packen: genau abgezählte Kleidung, Badesachen, Waschzeug, Handtücher, Waschmittel, Wäscheklammern und Wäscheleine (unbedingt notwendig ), Taschenmesser, Sonnencreme, Moskitospray, Universalstecker (für US – Steckdosen), Reisepass, Reiseschecks, verschiedene Medikamente (gegen Kopfschmerzen, Durchfall und Magenbeschwerden) und natürlich Schlafsack und Isomatte.
Alle noch schnell zum Arzt, um sich gegen Hepatitis impfen zu lassen und dann konnte es losgehen.
04.02. und 05.02.2005: Der Flug
Abfughafen München: Wir waren schon ca. 2 Stunden vor dem Abflug am Flughafen und genossen noch ein letztes mal ein bayrisches Bier, bis wir um 13 Uhr durch den Check - In gingen. Der Flug war lang und anstrengend und die Durchblutung der Beine neigte sich dem Ende zu, bis wir gegen 21 Uhr (Ortszeit) in Boston zur Landung ansetzten. Endlich raus aus diesem Flugzeug.
Nach einer gemütlichen Nahrungsaufnahme suchten wir uns irgendwo ein Plätzchen um dort die Nacht zu verbringen. Eine lange Nacht da unser Weiterflug nach Philadelphia erst am nächsten Morgen startete. Nach einem kleinen Spaziergang durch den Flughafen fanden wir ein paar Schaukelstühle aus Holz, wo wir die Nacht verbrachten (so gut es ging). Zum Glück hatten im Flughafen einige kleine Cafés geöffnet, die, wie es in den USA üblich ist, Kaffee gleich in Halben-Liter-Bechern verkauften. Somit war die Nacht gerettet.
Um 10:30 ging´s dann weiter nach Philadelphia; Flugzeit 2 Stunden. Und wieder warten. Der Flieger nach Montego Bay, Jamaica, startete dann erst um 22 Uhr. Natürlich waren wir völlig fertig von der Fliegerei und der langen Wartezeiten, so dass wir den Flug nach Jamaica im Schlafen verbrachten. 4 ½ Stunden dann setzen wir zur Landung an.
06.02.2005: Jamaica
Endlich auf Jamaica. Wir landeten in Montego Bay, im Nordwesten der Insel. Durch die Zeitverschiebung war es dort schon 10 Uhr und nach einer geraumen Wartezeit (wieder Passkontrolle) verließen wir den Flughafen. Jetzt hieß es erst mal umpacken. Das ganze Reisegepäck, das wir im Flugzeug dabei hatten, in die Rucksäcke. Um uns herum lauter Taxifahrer und Privatleute die uns nervten, mit ihnen mitzufahren. Bloß raus aus dieser Touristenstadt.
Unser erstes Ziel hieß Falmouth (ca. 20 km östlich von Montego Bay). Der Taxifahrer fuhr uns gleich zu einem Guesthouse (dt.: Pension) wo wir zwei Zweibettzimmer bezogen. Falmouth ist ein altes jamaikanisches Fischerdorf mit rund 3000 Einwohnern. Wir hatten noch keine richtige Idee was wir machen sollten, also zogen wir erstmal los um etwas Essbares aufzutreiben. Kaum hatten wir das Guesthouse verlassen, stand auch schon der erste „Einheimische“
da und wollte uns die Ortschaft zeigen. Wir winkten ab, da wir aus den Reiseführern wussten, dass die Jamaikaner für solche „Dienstleistungen“ gerne Geld verlangen, was sich jedoch bald als Irrtum herausstellte. Kaum waren wir weitere 500 Meter gegangen kam schon der Nächste. Ein Rastamann, um die 50, wie aus dem Bilderbuch; Moses. Er war sehr freundlich und gleichzeitig so hartnäckig, dass er uns bis in die Mitte des Ortes folgte und uns ein kleines Chickenrestaurant zeigte. Er wollte dafür keinen Cent und war wahrscheinlich nur glücklich darüber, jemanden kennen gelernt zu haben. Auch ein kleiner Junge, der sich uns während unseres Spazierganges angeschlossen hatte, saß plötzlich an unserem Tisch. Er sah eher ärmlich aus und deutete immer mit seinem Finger darauf hin, dass er etwas zu essen möchte. Also gaben wir ihm etwas ab.
So was erlebt man auch nicht alle Tage; erster Kulturschock.
Gezeichnet von unserem Jetlag ruhten wir uns, als wir gegen 17 Uhr zurück in unserer Unterkunft waren, etwas aus, was dazu führte das aus der kleinen Ruhepause eine erholsame Nachtruhe wurde.
07.02. und 08.02.2005: Runaway Bay
Der erste jamaikanische Morgen. Wir wurden von lautem Hundegebell und einem schreienden Hahn unsanft geweckt. Erstmal eine kalte Dusche. Plötzlich hörten wir Musik. Als ich auf den Balkon trat, stellte sich auch gleich heraus woher diese kam. Unten im Nachbarhaus hatte soeben ein um die 40 Jahre alter Rastamann sein Haus verlassen, stand hinter seinem Gartentor und sang. Dort stand er etwa zehn Minuten, bis er sein Gartentor öffnete und singend losmarschierte.
Anfangs dachten wir noch dieser Kerl wäre etwas verrückt, doch diese Fröhlichkeit ist auf ganz Jamaica verbreitet.
Nach etwa 2 Stunden kam er zurück (er sang immer noch) und stellte einige Reifen (er war anscheinend Reifenhändler) vor sein Haus. So beginnt der jamaikanische Arbeitstag; zweiter Kulturschock.
Wir packten unsere Rucksäcke ein, verließen das Guesthouse und gingen Richtung Dorfmitte. Dort kauften wir eine Telefonkarte für Marts Handy (von Jamaica aus kann man mit solchen aufladbaren Karten für rund 20 €Cent pro Minute nach Deutschland telefonieren) und kehrten in ein kleines Selbstbedienungsrestaurant ein, wo wir zum ersten mal jamaikanisches Frühstuck probierten: Ackee and Saltfish und Blue Mountain Coffee. Wahnsinn!
Danach, am Busbahnhof, wir wollten weiter Richtung Osten, waren schon wieder jede Menge Taxifahrer um uns herum und wollten uns mitnehmen. In solchen Situationen immer vor der Reise nach dem Preis fragen, dass wussten wir. Also stiegen wir (ich schon mal versehentlich auf der Fahrerseite, weil: ungewohnter Linksverkehr) für 900 J$ (etwa 14 €) in einen Kombi. Dieser war natürlich für 6 Leute, einschließlich Fahrer, viel zu klein. Aber die 30 km bis Runaway Bay würde das schon gehen.
Somit verließen wir Falmouth und fuhren, mit einem kleinen Zwischenstop am Christoph Kolumbus Freilichtmuseum, Richtung Osten.
Der Taxifahrer brachte uns auf unseren Wunsch zu einem günstigen Guesthouse am Ende der Ortschaft: Tamarind Tree Resort. Dort mieteten wir wieder zwei Zimmer an, für je 45 US$ pro Nacht.
Hier wurden wir zum ersten und einzigen Mal auf Jamaica übers Ohr gehauen: Der Taxifahrer wollte statt 900 J$ dann doch 1900J$ und behauptete, wir hätten ihn falsch verstanden. Das war uns dann für den restlichen Urlaub eine Lehre.
Wir beschlossen gleich einige Tage hier zu bleiben, da das Guesthouse sauber und günstig war und direkt am Strand lag, was wir natürlich gleich ausnutzten. Nachdem wir uns heimisch niedergelassen hatten, packten wir unsere Badesachen und gingen zum Strand.
Dieses war einer der schönsten Sandstrände auf der Insel wie sich später herausstellte. Wenig Leute und überhaupt keine Touristen. Ein paar Einheimische spielten neben einem kleinen, leicht verfallenem Haus Domino und ein Straßenverkäufer verkaufte sein Obst.
Kaum hatten wir es uns am Strand gemütlich gemacht, tauchte auch schon der erste Souvenirverkäufer auf, was uns an diesem Strand etwas wunderte. Er hat wahrscheinlich nur auf uns gewartet . Doch er wollte uns nicht unbedingt etwas aufzwingen, sondern setzte sich und unterhielt sich mit uns. Später kam ein weiterer Jamaikaner, er war um die 50, mit einer schwarzen Einkaufstüte in der Hand und setzte sich neben mich. Anfangs verstand ich nicht ganz was er wollte, doch dann griff er in seine Tüte und holte eine
Frucht heraus: Ackee. Er wollte mir für 500 J$ die ganze Tüte verkaufen. Als ich ablehnte bot er an für uns alle Essen zu kochen. Wir gaben ihm 1000 J$ und fort war er. Wir hörten nichts mehr von ihm.
Als es dämmerte beschlossen wir zurück zum Guesthouse zu gehen. Wir mussten wieder an der Hütte vorbei wo am Nachmittag die Leute Domino gespielt hatten. Es war die Hütte des Jamaikaners der mit unserem Tausender davon ist. Er stand vor seinem halbverfallenem Haus an einer Feuerstelle, darauf ein Topf, und schnitt Saltfish hinein. Er hatte uns tatsächlich was zum Abendessen gekocht; dritter Kulturschock.
Inzwischen wunderte uns gar nichts mehr.
Das Essen war so viel, dass es für alle sechs Leute reichte und die Hunde auch noch genug abbekamen.
Am nächsten Morgen gab es Frühstück in unserem Hotel. Und was: Ackee and Saltfish und Blue Mountain Coffee. Auf Jamaica scheint es nichts anderes zu geben. Wir gingen wieder zum Strand. Die Sehenswürdigkeiten würden ja nicht davonlaufen und außerdem steckte noch ein Rest vom Jetlag in unseren Knochen. Auf dem Weg dorthin kam uns ein junger Rasta, etwa in unserem Alter, auf dem Fahrrad entgegen, grüßte uns und begleitete uns ohne weitere Worte zum Strand. Dort setzte er sich auf einen Baum und blieb sitzen.
Es kamen den ganzen Tag Jamaikaner vorbei. Einige setzten sich zu uns und unterhielten sich mit uns, wie Marley der uns von seinem Aufenthalt in Deutschland erzählte oder ein junger Rasta, der einen Sohn in Deutschland hat aber nicht zurück darf. Andere wollten uns Souvenirs verkaufen und Mart kaufte (nach langem Gespräch) eine kleine jamaikanische Trommel.
Der junge Mann mit dem Fahrrad, er hieß „Sunshine“, saß immer noch auf dem Baum, bis er uns nach einiger Zeit anbot uns nach Nine Miles zu fahren, den Geburtsort von Bob Marley. „Dort steigt am kommenden Freitag ein Fest, da ja Bob Marley am 06. Februar geboren war.“ Wir sagten, dass wir uns das Ganze überlegen würden und er gab uns seine Telefonnummer. Dann war er weg.
09.02.2005 Ocho Rios
Am nächsten Morgen packten wir, nachdem wir ausgiebig gefrühstückt hatten, unsere Rucksäcke, um unsere Reise Richtung Osten fortzusetzen. Wir bezahlten unsere Zimmer und stellten uns mit den Rucksäcken auf dem Rücken an den Straßenrand. Es dauerte keine 5 Minuten bis uns das erste Fahrzeug anhupte um uns mitzunehmen. Wir sagten zu und es ging für 500 J$ nach Ocho Rios. Unser Privatchauffeur fuhr uns in ein schönes Hotel, das aus vier einzelnen, im Quadrat angeordneten Häusern bestand: Sandcastle Resort Ltd. In der Mitte war ein Pool, eine Bar und eine Bühne. Wir bezahlten für ein Doppelzimmer mit vier Betten und einer kleinen Küche 90 US$ pro Nacht. Ein Spitzenpreis für eine solch noble Einrichtung.
Nachdem wir uns etwas heimisch eingerichtet hatten ging´s erstmal Richtung Innenstadt. Wir brauchten wieder etwas Geld und unser Essensvorrat neigte sich auch dem Ende zu.
Kaum hatten wir unser Zimmer verlassen, sprach mich ein junger Jamaikaner an. Es war der Pool-Boy des Sandcastle Resorts. Er wollte wissen, ob wir ein Taxi bräuchten um zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten zu fahren. Wir stimmten zu und sagten dass wir später noch einmal darauf zurückkommen würden.
Nach unserem Einkauf und einer kleinen Mahlzeit gingen wir zurück ins Hotel und der Pool-Boy bot uns an, mit einem Kumpanen von ihm zu den Dunns River Falls zu fahren.
Gegen 14 Uhr ging´s los.
Der Taxifahrer setzte uns an den Wasserfällen ab und versprach uns um 18 Uhr wieder abzuholen.
Hand in Hand wateten wir in einer langen Kolonne, voran ein jamaikanischer Führer, die Wasserfälle rauf; 45 Minuten lang.
Oben angekommen, nahmen wir erst einmal einen Kaffee zu uns und spazierten durch einen kleinen Craft Market.
Natürlich wurden wir sofort „herzlich“ empfangen. Jeder wollte
uns etwas verkaufen. Irgendwie wurde durch den ganzen Tumult unsere kleine Gruppe getrennt, was die Verkäufer auch beabsichtig hatten. Jedem von uns wollten sie zwei geschnitzte Holzköpfe andrehen; für 5000 J$ (etwa 70 €). Sie zogen uns einzeln in verschiedene kleine Verkaufsbuden und redeten einen so in Grund und Boden, dass das klare Denken, also das Umrechnen der Währung, schwer viel. Nachdem Tom, Mart und ich zwei Holzköpfe, je ein Männlein und ein Weiblein, gekauft hatten, ließen sie von uns ab.
Diese Verkäufer verstehen ihr Handwerk. Auf Jamaica darf man nie das Handeln vergessen, das hatten wir an diesem Tag gelernt. Ich bezahlte für diese Holzköpfe 1000 J$, Tom 2000 J$ und Mart sogar 5000 J$.
So etwas passierte uns nie wieder.
Der Taxifahrer war pünktlich um 18 Uhr da und fuhr uns zurück nach Ocho Rios. Dort angekommen bot er uns an, uns weiter in den Osten zu fahren um dort die Summerset Falls und den Rio Grande zu besichtigten. Wir sagten für 40 US$ pro Person zu und machten für den nächsten Tag einen Termin aus.
Abends gingen wir, nachdem wir von Ackee and Saltfish die Nase voll hatten, in eine Pizzeria. In der Ecke spielte ein alter grauhaariger Rastaman auf der Gitarre alte Bob Marley Songs und wir bestellten italienische Pizzen. Das war das einzige mal im Urlaub, dass wir die jamaikanische Kultur verletzten.
10.02.2005 Port Antonio
Das Morgenbuffet im Sandcastle erfreute uns mit einer riesigen Auswahl verschiedener kultureller Angebote. Schinken, Eier, Pfannkuchen und verschiedene Obstsorten standen auf einer riesigen Theke und wir genossen dieses ausgiebige Frühstück, um gestärkt Richtung Osten aufzubrechen.
Wir standen wie ausgemacht pünktlich um 8:30 Uhr vor dem Hotel wo wir Steve, den Taxifahrer, antrafen der uns gestern zu den Dunns River Falls gefahren hatte. Er meinte wir sollten uns noch einen Augenblick gedulden, da sein Kollege uns heute fahren würde.
Dann tauchte er auf: Frank. Er war um die 50 und besaß einen kleinen Reisebus (Reiseunternehmen Juta Tours) in dem wir alle fünf genug Platz fanden um zu einer erholsamen Tour aufzubrechen.
Es ging entlang der Küste vorbei an Bananen- und Kokosplantagen, durch „Urwaldalleen“ und über schlechte, mit Schlaglöchern übersäte Straßen. Wir fuhren durch Port Maria, Annotto Bay und Buff Bay über Snow Hill (man war´s da heiß ) zu den Summerset Falls kurz vor Port Antonio.
Dort waren nicht soviel Touristen wie bei den Dunns River Falls (eigentlich waren wir die einzigen dort) und man kann diese Wasserfälle auch nicht hinaufsteigen, dafür ist direkt unter dem Wasserfall eine kleine Lagune mit kristallklarem Wasser, in der es sich wunderbar baden
lässt, was Claudia und Sandra dann auch taten.
Wir wollten dann zum Mittagessen fahren. Frank sagte er wisse ein schönes Restaurant in Port Antonio. Er fuhr mit uns einen Hang mit mindestens 35% Steigung hinauf und wir waren nach 10 Minuten etwa 50 Meter über dem Meer: Bunny View.
Ein Ausblick wie aus dem Bilderbuch. Obwohl das Restaurant geschlossen war, hielten wir uns eine halbe Stunde dort auf, da man von dort oben eine wunderbare Sicht über ganz Port Antonio und auf Monkey Island hat.
Unser Hunger war noch immer nicht gestillt, also ging´s weiter zu einem Jerk-Markt etwas östlich von Port Antonio. Jerk-Food wird in einer Tonne über dem Feuer gegrillt. Schmeckt echt super und es wurden uns verschiedene Fleischsorten angeboten.
Nachdem wir gegessen hatten kauften wir noch einige Souvenirs (jetzt wussten wir ja wie man richtig handelt) und es ging zurück.
Westlich von Port Antonio befindet sich der Rio Grande. Dort werden für 25 US$ pro Boot „Rafting“- Touren angeboten. Eine Tour dauert etwa eine Stunde und man fährt mit länglichen Bambusflößen, die durch einen Steuermann gelenkt werden, den Rio Grande entlang.
Wir mieteten drei Flöße und nutzten das schöne Wetter und die natürliche Atmosphäre, um uns von der anstrengenden Busfahrt erst einmal zu erholen.
Auf dem Rückweg nach Ocho Rios fragten wir Frank ob er uns auch in den Süden der Insel begleiten würde, da wir in den nächsten Tagen von Buff Bay aus auf die Blue Mountains wollten. „The Road is closed“ meinte er, aber er würde uns über Kingston in die Blue Mountains begleiten und uns alles zeigen. Somit war die Sache abgemacht.
Gegen 20 Uhr erreichten wir wieder Ocho Rios.
11.02.2005: Nine Miles
Am nächsten Morgen wurden wir wieder, wie jeden Tag im Sandcastle, von der Reggaemusik geweckt. Heute hatten wir nichts vor. Ausspannen war angesagt.
Leider kam spontan der Entschluss, dass uns die beiden Schwestern Claudia und Sandra nun doch aus familiären Gründen verlassen werden. Wir kämpften telefonisch (die konnten nur englisch) um einen Platz im nächsten Flugzeug nach Deutschland und charterten ein Taxi nach Montego Bay.
Somit war der Vormittag gelaufen und Mart, Tom und ich setzten uns erst einmal an die Bar um endlich einmal einen Jamaica-Rum zu genießen, was auf diesen Schock hin durchaus angebracht war.
Dort trafen wir zum ersten und auch einzigen Mal zwei deutsche Touristen, die gerade mit einem Kreuzfahrtschiff angelegt hatten. Deutsche sind scheinbar um diese Jahreszeit nicht viele unterwegs und schon gar nicht auf Jamaica.
Danach zahlten wir noch für die nächste Nacht unser Hotelzimmer und gingen hinaus auf den Hof des Hotels, wo Franks Mutter einen kleinen Souvenirladen besitzt. Wir kauften einen jamaikanischen Seesack, da unser kleiner Reiserucksack wegen der Strapazen nun endlich seinen Geist aufgegeben hatte, und gingen in den Supermarkt und in eine Exchangestube um weitere Travellerschecks einzulösen.
Wir wussten ja von Sunshine (der Rasta von Runaway Bay), dass heute eine Party in Nine Miles steigt und wir telefonierten mit Frank, um uns dorthin zu fahren.
Er holte uns um 17 Uhr ab und meinte, er wisse einen schönen Aussichtspunkt über Ocho Rios und fuhr uns dorthin.
Franks Kollege, Steve, war auch da und wir setzten uns alle auf die Holzterrasse, tranken ein Red Stripe (jamaikanisches Bier) und warteten auf den Sonnenuntergang.
Kaum waren fünf Minuten vergangen tauchte Happy auf. So was gibt’s wahrscheinlich auf der Welt nur einmal. Ein Rastamann, er war Touristenführer auf einer Flowerplantage, mit einer tiefen Reibeisenstimme und Rastalocken, ohne
Übertreibung, bis zu den Fersen, die wir erst erblickten als er sie aus seiner Hosentasche zog.
Normalerweise sind Jamaikaner nicht sehr begeistert wenn sie fotografiert werden, er jedoch war sogar sehr glücklich als wir ihn um ein Gruppenfoto baten.
Kurz darauf tauchte Julie Gordon auf. Sie fragte uns woher wir kämen und erzählte, dass sie auch schon in vielen Städten in Deutschland war, da sie Backroundsängerin von dem Reggaemusiker Patrice sei. Wow.
Als die Sonne im Meer verschwunden war brachen wir auf nach Nine Miles. Wir kamen ganze fünf Kilometer, als Frank feststellte, dass er das Handy von Julie Gordon mitgenommen hatte und wir mussten noch einmal zurück.
Leider hatte das Bob Marley Mausoleum in Nine Miles schon geschlossen, daher fuhren wir gleich zum Open Air ans Ende der Ortschaft. Links und rechts am Straßenrand waren kleine Verkaufsstände aufgebaut, wo unterschiedliche Gemüsesorten und Fisch angeboten wurden. Wir waren die einzigen Weißen dort und alle schauten uns etwas entgeistert an, doch das störte uns nach fünf Tagen Jamaikaaufenthalt nicht mehr. Ein kleiner Junge hing ständig an meinem Rockzipfel und wollte mir Süßigkeiten andrehen. Wir stillten unseren Hunger und betraten die Festwiese.
Die Veranstalter bauten gerade die Bühne auf und aus dem riesigen Soundsystem schallte mit herzzerreißendem Bass laute Reggaemusik.
Aufgrund der zunehmenden Kälte, wir waren ja auf ca. 500 Höhenmeter, und dem Essen dass mir etwas auf dem Magen geschlagen war, verließen wir das Open Air nach etwa drei Stunden wieder und waren um ca. 1 Uhr zurück in Ocho Rios, wo wir erschöpft in unsere Betten fielen.
12.02. und 13.02.2005: Der Strand von Ocho Rios und Murphy Hill
Reggae, so ging´s wieder los am Sonntag den 12.02.. Mittlerweile bereute ich schon meine Gitarre zuhause gelassen zu haben, denn dieses Musikfieber, das auf dieser Insel verbreitet ist, steckt jeden an.
Heute beschlossen wir mal einen erholsameren Tag als die letzten einzulegen und noch einen Tag in Ocho Rios zu bleiben. Nach dem Frühstück gingen wir also wieder zur Rezeption und wollten noch mal um einen Tag verlängern. Leider hatten wir Pech. Wir sollten die Anlage verlassen, da für die nächsten Tage alles ausgebucht war.
Etwas enttäuscht gingen wir auf unser Zimmer und packten unsere Sachen in unsere Rucksäcke, als plötzlich das Telefon läutete. Ich ging ran und die Rezeption meinte, sie hätten jetzt doch noch ein Dreibettzimmer für uns. Also verließen wir nicht das Hotel sondern zogen lediglich ins Nachbargebäude der Anlage.
Als wir uns wieder häuslich niedergelassen hatten, gingen wir zum Strand und ließen uns die Sonne auf die Bäuche scheinen. Es war ein kleiner Privatstrand, der zum Sandcastle gehörte und somit blieben auch die Händler aus, die einem ständig etwas andrehen wollen.
Wieder etwas brauner, Tom sah schon aus wie ein Einheimischer, ging´s dann zurück ins Hotel, um am Abend noch ein kleines Restaurant im Zentrum der Ortschaft aufzusuchen.
Auch den nächsten Tag ließen wir etwas ruhiger angehen und verbrachten diesen am Strand.
Um 14 Uhr bezahlten wir nun endgültig unser Zimmer und verließen das Hotel. Frank, unser Taxifahrer, wartete schon auf uns und wir fuhren, wie wir es vor zwei Tagen ausgemacht hatten, Richtung Murphy Hill.
Doch zuerst, meinte er, müsse er uns noch seinem Freund, Prof High, vorstellen. Wir fuhren also an den Rand von Ocho Rios hinein in ein großes Grundstück. Das Haus sah etwas vernachlässigt aus, was jedoch auf Jamaica keine Seltenheit ist. Im Garten spielten einige Kinder, dessen Anzahl schlagartig zunahm, als sie uns die Hofeinfahrt hineinfahren sahen. Es waren alles Kinder des Rastamanns der aus der Haustür kam und uns begrüßte.
Nach einigen Gesprächen über uns und Jamaica verließen wir die Rastafamilie und fuhren weiter zu Frank, da uns seine Frau zum Essen eingeladen hatte.
Frank hatte für jamaikanische Verhältnisse ein großes, schönes Haus und er erzählte uns etwas über seine Familie, über seinen 28-jährigen Sohn der als Sportler in den USA lebe und er zeigte uns dessen Medallien, die an einem kleinen Regal hingen. Vor lauter Stolz zog er so fest an einer Medallie an, dass das ganze Regal mit einem lautem Krachen zu Boden viel.
Franks Frau hatte ein Spitzenessen aufgetischt und nachdem wir uns so richtig satt gegessen hatten, fuhren wir weiter zum Aussichtspunkt Murphy Hill.
Auf dem Grundstück stehen zwei Häuser. Eins davon gehört dem Besitzer und das andere ist das Guesthouse, ein längliches Gebäude mit einem Gang in der Mitte und links und rechts davon die einzelnen Zimmer. Die Qualität der Unterkunft ist nicht sehr überragend, aber für eine Nacht ließ sich das schon aushalten. Außer dem Besitzer und einem weiteren Gast war dort kein Mensch, was etwas verwunderlich war, denn dies muss einer der schönsten Plätze auf Jamaica sein. Murphy Hill befindet sich etwa 200 Höhenmeter über Ocho Rios und die Aussicht dort ist atemberaubend.
Frank setzte uns ab, es war so gegen 19 Uhr, und versprach uns am nächsten Morgen um 8 Uhr wieder abzuholen.
Wir richteten uns häuslich ein und setzten uns dann mit je einer Flasche Red Stripe auf eine Bank um der untergehenden Sonne zuzusehen. Die Silhouette von Ocho Rios war im Dunkeln noch besser anzusehen. Die Sichel des Mondes lag wie eine Schale am Himmel und die Ruhe machte einen nachdenklich. Man hörte nur die Zirpen grillen (äh… Mart meinte wohl die Grillen zirpen).
14.02.2005: Kingston und die Blue Mountains
Pünktlich um 8 Uhr morgens, wir hatten unsere Sachen gerade wieder fertig eingepackt, kam Frank mit seinem Bus in Murphy Hill an. Seine Frau hatte er auch dabei, die uns eine Kanne frischen Kaffee und etwas zum Frühstück mitgebracht hatte.
Wir fuhren los. Die Straße (falls man es so nennen kann) verlief direkt vom Norden durch Moneaque und Bog Walk in den Süden der Insel.
Kurz vor Spanish Town hielten wir nochmal an um an den Ständen, die dort aufgestellt waren, etwas Obst einzukaufen.
Nachdem wir quer durch Spanish Town gefahren waren, erreichten wir Kingston vom Westen her.
Unser erster Stopp hieß Bob Marley Museum. Vor dem Haus, in dem er lebte, steht eine Bronzestatute, wo er und seine Backroundsängerinnen ver - ewigt sind. Wir zahlten pro Person 500 J$ Eintritt und schlossen uns einer kleinen Truppe an, die durch das Haus geführt wurde. In der Küche sieht man heute noch die beiden Einschusslöcher der Kugeln, die Bob Marley damals beinahe das Leben kosteten.
In den einzelnen Räumen hängen die goldenen Schallplatten und die Wände sind mit Zeitungsausschnitte tapeziert. Am Ende der Tour wurde uns noch ein kleiner Film über das Leben Bob Marleys gezeigt.
Weiter ging´s nach Kingston Downtown Richtung Hafen, mit einem kleinem Zwischenstop am Craft Market (wo wir allerdings nichts kauften) und dann weiter zum Mittagessen nach Port Royal.
Port Royal liegt etwas außerhalb von Kingston, nach dem Flughafen.
Dort sind immer noch einige Kanonen von früheren Piratenabwehrstützpunkten zu sehen. Der Großteil ist jedoch bei einer Überflutung untergegangen.
Wir stärkten uns mit einer riesigen, scharfen Portion Jerk – Schrimps und einem kühlem Red Stripe und suchten eine Bank auf um noch etwas Geld für unseren Aufenthalt in den Blue Mountains zu besorgen.
Nördlich von Kingston geht es sofort steil bergauf. Unser nächstes Ziel hieß Newcastle, dass etwa 1600 Höhenmeter in den Blue Mountains liegt. Die schmalen, serpentinenförmigen Straßen sind noch stärker mit Schlaglöchern übersäht als wir es bisher gewohnt waren, daher ging es nur langsam voran.
Nach etwa eineinhalb Stunden erreichten wir den Ort Section, kurz nach Newcastle, in dem steil am Berg einige Häuser stehen. Frank hielt an und uns begrüßten sofort die Rastas die hier lebten und die Kaffeeplantage bewirtschaften. Es waren Freunde von Frank.
Frank verließ uns und versprach, uns am nächsten Tag wieder abzuholen.
Es dämmerte bereits und die Arbeiter der Kaffeeplantage hatten bereits die Feuerstelle angeheizt um Essen zuzubereiten.
Wir unterhielten uns ein wenig mit den Leuten die hier lebten und gingen in das kleine Geschäft nebenan, das extra wegen uns von der Besitzerin geöffnet wurde.
Als die Sonne untergegangen war kam der Plantagenbesitzer vorbei und holte uns zum Essen. Es gab Ital-Food (Rastaessen: vital → ital, vegetarisch), welches aus einer ungesalzenen Kartoffelsuppe und Fisch bestand. Danach bot er uns noch einen Kaffee aus eigenem Anbau an.
Das Klima in den Bergen ist ziemlich feucht und von der Wärme spürt man nach dem Sonnenuntergang nichts mehr.
Da wir schon fröstelten und mit dem Plantagenbesitzer ausgemacht hatten um 2 Uhr morgens aufzubrechen um mit dem Jeep zum Blue Mountain Peak zu fahren, gingen wir früh zu Bett.
15.02.2005: Blue Mountain Peak
Um 2 Uhr läutete der Wecker. Wir machten uns reisefertig und warteten auf den Plantagenbesitzer. Nach einer halben Stunde hatten wir die Geduld verloren und wir klopften an seine Tür um ihn zu wecken. Er stand auf und meinte wir könnten erst am Morgen fahren, da er keinen Sprit in seinem Tank hätte. Etwas verärgert legten wir uns wieder schlafen.
Als am Morgen gegen 7 Uhr der Jeep (es war ein alter Suzuki) vollgetankt war, ging´s los.
Wir hatten nicht damit gerechnet dass es so weit zum Peak ist und waren doch froh, dass wir bei Tageslicht fuhren.
Der unbefestigte Weg verlief entlang der Berge, durch kleine Ortschaften an deren Bushaltestellen Kinder standen und auf den Schulbus warteten, der sie nach Kingston bringt (man muss bedenken auf welcher Meereshöhe wir uns befanden). Unser Rasta-Taxifahrer schien hier jeden zu kennen, da er jeden grüßte: „Bless“, „Irie“, „Jaja“, so ging es die ganze Fahrt. Mart und ich saßen auf der Rücksitzbank und genossen die zunehmende Wärme der aufgehenden Sonne.
Nach zwei Stunden, Ras (unser Fahrer) hatte bereits zweimal Kühlwasser nachgefüllt, tat es plötzlich einen Knall und der Jeep stand und sprang auch nach mehreren Startversuchen nicht mehr an.
Wir warteten. Was blieb uns anderes übrig! Die Sonne stand bereits ziemlich hoch und unser Fahrer versuchte immer wieder, durch saugen an der Benzinpumpe, Kraftstoff aus dem Tank zu bekommen. Doch das führte nur dazu, dass Ras immer „higher“ wurde. Nach geraumer Zeit tauchte ein Fahrzeug auf der einen Mechaniker holte. Dieser stellte dann fest, dass der Zahnriemen gerissen war und schleppte uns ab.
Es war bereits 14 Uhr und Frank wartete schon in Section auf uns.
Es war kaum zu glauben, aber dort oben auf dem Berg (! 2100m), wo nur Holzbaracken standen, gab es wirklich Ersatzteile für Fahrzeuge.
Während der Mechaniker den Zahnriemen tauschte, öffnete ein junger Mann eine kleine Holzhütte. Es war ein Laden in dem wir unseren Durst und Hunger stillten.
Als die Autoreparatur beendet war, es war wohl so gegen 16 Uhr, fuhren wir zurück nach Section.
Irgendwie war es Ras schon unangenehm, dass wir es nicht zum Peak geschafft hatten, daher schenkte er jedem von uns 500 Gramm Blue Mountain Coffee und verlangte für die Fahrt kein Geld.
Gegen 19 Uhr verließen wir Section und machten uns auf den Weg nach Treasure Beach, das ziemlich weit im Süden der Insel liegt.
Mit einem kurzen Zwischenstop in Kingston um unseren Hunger zu stillen (Kentucky Fried Chicken), ging es quer über die Insel durch Mandeville nach Treasure Beach, wo wir um 24 Uhr ankamen.
Natürlich hatten schon alle Guesthouses geschlossen und Frank war von der langen Fahrt ziemlich genervt und erschöpft. Nach längerer Suche, wir spielten schon mit dem Gedanken am Strand zu übernachten, fanden wir doch noch ein Hotel, wo uns der Nachtportier für eine Nacht ein Zimmer überließ.
16.02. und 17.02.2005: Treasure Beach
Am nächsten Morgen gingen wir im Hotel erst einmal ausgiebig frühstücken. Danach bezahlten wir die Übernachtung und verließen das Hotel, um ins gegenüberliegende Guesthouse zu ziehen. Dort bezogen wir wieder ein Dreibettzimmer (letzte Nacht musste sich ja wieder mal einer mit dem Schlafen auf der Luftmatratze begnügen) und richteten uns erstmal häuslich ein.
Das Guesthouse „Cottage“ liegt im Westen von Treasure Beach und ist mit einem großen Garten ausgestattet auf dem eine Privatbar steht, wo wir gleich mal unseren Durst stillten.
Nach dem wir festgestellt hatten, dass sich unser Vorrat an jamaikanischen Dollar dem Ende zuneigte, gingen wir in Richtung Jacks Place, eine größere, etwas teure Ferienanlage mit einzelnen Wohnbungalows, um dort
weitere Travellerschecks einzulösen. Dort aßen wir auch zu Mittag und gingen dann zum Strand.
Ein ebenfalls wunderschöner Sandstrand, wie wir es ja von Jamaica bereits gewohnt waren, mit wenig Tourismus, einer Bootanlegestelle und einigen Verkäufern, die wieder mal ihre Souvenirs an den Mann bringen wollten.
Den Nachmittag verbrachten wir damit, uns die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen und am Abend holten wir uns dann Rice and Peace an einem der Straßenläden an der Hauptstraße.
Auch den nächsten Tag ließen wir ruhig angehen. Wir kauften wieder mal einige Souvenirs, gingen in den kleinen Supermarkt und machten mit dem Bootsfahrer für den nächsten Tag eine Tour zum Black River aus.
18.02.2005: Der Black River
Die Guesthousebesitzerin machte uns auch an diesem Morgen ein spitzen Frühstück. Ackee and Saltfish mit verschiedenen Früchten und Kaffee. Es gibt eine Frucht auf Jamaica dessen Namen ich immer noch nicht weiß, obwohl wir sie zurzeit fast täglich zum Frühstück bekamen. Sie hat eine harte Schale und schmeckt nach Bananenjoghurt!!!
Gegen 9 Uhr trafen wir uns dann am Strand mit dem Bootsfahrer und fünf weiteren Touristen aus England.
Wir brachen Richtung Black River auf, welcher einer der größten Flüsse Jamaicas ist.
Kaum hatten wir den Fluss erreicht, tauchte an der Seite bereits das erste Krokodil auf, das faul in der Sonne lag. Es ging durch schöne Palmenalleen und vorbei an Bananen- und Zuckerrohrplantagen weit den Fluss hinauf, bis der Bootsfahrer an einem Steg anlegte.
Hinter den Sträuchern tauchte eine wunderschöne Bananenplantage auf, wo man uns etwas zu Trinken anbot.
Dann ging´s wieder Flussabwärts.
Als wir wieder das Meer erreicht hatten, tauchte nach etwa zehn Minuten ein Gestell aus Holz auf, welches sich bald als eine Bar mitten im Meer entpuppte, die auf mehreren Holzstelzen
aus dem Wasser ragte. Auch dort legten wir an und machten etwa eine halbe Stunde Pause. Dann ging´s zurück nach Treasure Beach.
Zum Mittagessen gingen wir zu Rasti (er wurde wirklich so genannt), der uns schon am Tag vorher für heute zum Essen eingeladen hatte; Ital – Food. Von dem Fisch ließ ich meine Finger, da ich noch
genau wusste, wie es mir nach dem Fisch aus Nine Miles ging. Danach setzten wir uns wieder an den Strand und warteten bis die Sonne untergegangen war.
19.02. bis 22.02.2005: Negril
Wir hatten beschlossen heute unsere Reise fortzusetzen und suchten uns aus einem unserer Reiseführer ein Guesthouse in Negril aus. Die Besitzerin machte uns noch einmal ein ausgiebiges Frühstück und bestellte uns dann ein Taxi, das uns zur Ortschaft Black River zum Routetaxistand brachte.
Von dort aus ging´s dann weiter, vorbei am Peter Tosh Mausoleum, in die Touristenstadt Negril. Dies war eine unserer billigsten Taxifahrten. Da wir ja Routetaxi fuhren, bezahlten wir für dieses Stück, wir waren etwa drei Stunden unterwegs, nur rund 1000 J$. Dafür verzichteten wir auf jeglichen Komfort. Teilweise saßen wir zu viert auf der Rücksitzbank und mussten in Black River und Savanna la Mar umsteigen und auf das nächste Taxi warten.
Wir ließen uns an unserem ausgesuchten Guesthouse, es hieß Chippewa Village, absetzen.
Diese Anlage besteht, wie Jacks Place in Treasure Beach, aus mehreren einzelnen Holzhäusern, die alle mit einer Terrasse ausgestattet und recht komfortabel eingerichtet sind. Der Besitzer ist ein älterer, ausgewanderter Amerikaner der uns, nach dem wir uns eingerichtet hatten, gleich einen Kochtopf und einen Radio vorbeibrachte.
Erstmal ging´s los ins Zentrum der Stadt um unseren Proviant aufzufrischen. In Negril ist es besonders schlimm. Man kann sich vor hupenden Taxifahrern kaum retten. Am besten ist es, man reagiert nicht darauf.
Wir beschlossen, die letzten Tage unseres Urlaubs hier in Negril zu verbringen, da wir die Insel ja schon fast umrundet hatten. Also bezahlten wir unsere Hütte gleich für die nächsten Tage und gingen dann zum nächsten Jerk - Stand um etwas zu essen.
Dieser Tag war somit gelaufen. Am Abend machten wir es uns noch auf unserer Terrasse gemütlich und genossen noch ein paar Tassen Blue Mountain Coffee.
Auch den nächsten Tag ließen wir gemütlich angehen. Wir machten uns selbst Frühstück, was aus Brot, etwas Kuchen und Kaffee bestand und gingen zum Strand.
Dieser war gesteckt voll mit Touristen. Deutsche Urlauber waren hier nicht aufzufinden, zumindest sind wir keinen begegnet. Alles war voller Amerikaner die an den Privatstränden auf den Hotelliegestühlen lagen und sich die Sonne auf die Bäuche schienen ließen. Verdammte Touristenstadt! Hier war nichts mehr zu finden von jamaikanischen Roots.
Wir gingen einen großen Teil des 11km langen Sandstrandes entlang (dies ist der längste Strand Jamaicas), bis wir einen Strandabschnitt fanden, der nicht zu irgendeinem Hotel gehörte. Dort verbrachten wir dann den Rest des Tages.
Die beiden folgenden Tage genossen wir ebenso und verbrachten diese die meiste Zeit am Strand.
Wir unterhielten uns mit Einheimischen, wie zum Beispiel einem Holzschnitzer, der schon etliche Figuren für prominente Personen, unter anderem für Liz Taylor, geschnitzt hatte und saßen abends an der Strandpromenade um den Tag mit nationalem Essen und der Sonne, die im Meer versank, ausklingen zu lassen.
Im Vergleich zu den vergangenen Tagen erlebten wir in Negril eigentlich nicht sehr viel, was bestätigte, dass wir den Urlaub eigentlich richtig angegangen waren.
Dafür war dort Erholung pur angesagt.
23.02.2005: zurück nach Montego Bay
Am 23. Februar morgens verließen wir unser Häuschen in Negril und gingen zum Routetaxistand.
Da unser Flug am nächsten Morgen schon um 11 Uhr starten wird, wollten wir uns noch etwas von Montego Bay anschauen und den Urlaub entspannt ausklingen lassen.
Wir ließen uns wieder zu einem Hotel bringen, dass wir aus unserem Reiseführer ausgesucht hatten (war übrigens das schlechteste Hotel unserer Inseltour) und gingen am Nachmittag zum Craft Market.
Die Marktfrauen fielen sofort über uns her und wollten uns etwas verkaufen. Wie man richtig verhandelt wussten wir ja jetzt und kauften noch ein paar Souvenirs.
Das Angebot, für 2000 J$ die Haarpracht von Mart und Tom nachzuarbeiten, nahmen wir an und die beiden setzten sich, um sich von den Frauen bearbeiten zu lassen.
Nach zwei Stunden und ein paar Gesprächen über unsere Erlebnisse auf Jamaica war das Werk vollendet und wir verließen gegen 18 Uhr den Craft Market um ins Hotel zurückzugehen.
Abends setzten wir uns dann noch an den Hotelpool und genossen das letzte Mal die jamaikanische Küche.
24.02.2005: Jamaica ade!
Am nächsten Morgen gingen wir zum Frühstücken, was im Hotelpreis von 80 US$ enthalten war. Dementsprechend dürftig fiel auch das Frühstück aus und der Kaffee hatte keinen Hauch von jamaikanischem Flair.
Wir packten und ließen uns ein Taxi rufen, das uns zum Flughafen brachte.
Gegen Mittag startete der Flug und es wurde einem schon etwas mulmig, diese schöne Insel, die netten Leute und die jamaikanische Kultur, an die wir uns ja nun gewohnt hatten, zu verlassen.
Der Rückflug sollte stressfreier verlaufen als der Hinflug, dachten wir, da wir ja nur einmal zwischenlanden mussten. Doch dies stellte sich schon bald als Irrtum heraus.
Wir landeten im verschneiten Philadelphia; Temperaturschock!
Kaum hatten wir unser Gepäck vom Band geholt, stürmten schon die ersten Grenzpolizisten herbei.
Sie fragten uns, woher wir kämen, wo wir wohnten, was wir auf Jamaica gemacht hätten und natürlich ob wir irgendetwas dabei hätten. Natürlich verneinten wir die letzte Frage und sie hatten wirklich nichts Besseres zu tun, als unsere mühsam eingepackten Rucksäcke, dessen Volumen mit den Souvenirs aus Jamaica gerade ausreichte, auszupacken.
Sie schütteten alles auf die Tische. Stress pur! Die Anzahl der Polizisten nahm kontinuierlich zu.
Alles wurde beschnuppert und jedes Medikament, das wir dabei hatten, wurde auf Spuren von Drogen untersucht.
Nach einer langen Stunde, wir bekamen schon Angst den Anschlussflug nach Deutschland zu verpassen, ließen sie endlich von uns ab.
Nie wieder durch die USA!
Endlich im Flugzeug ging´s damit erstmal durch die Enteisungsanlage.
25.02.2005: Daheim!
Gegen 13 Uhr landeten wir (mit zwei Stunden Verspätung) in München.
Irgendwie war der Rückflug vom Pech verfolgt. Erst diese Kontrolle in Philadelphia und dann tauchte jetzt in München Marts Rucksack nicht mehr auf. Er wurde ihm jedoch zwei Tage später per Kurier nachgesandt.
FAZIT
Jamaica ist eine wunderschöne Insel, die uns mit Sicherheit nicht das letzte Mal gesehen hat.
Am Anfang ist es etwas schwer sich an die Gepflogenheiten des Landes zu gewöhnen, vor allem wenn man als Individualtourist unterwegs ist. Auch wenn oft darüber gesprochen wird, aufzupassen und sich nichts andrehen zu lassen, ist es im Großen und Ganzen kein Problem sich mit den Jamaikanern auf freundliche Weise zu unterhalten. Bei Aufdringlichkeit einfach „nein“ sagen, dann wird man in Ruhe gelassen.
Von Kriminalität oder Ähnlichem haben wir nichts mitbekommen, wobei gesagt werden muss, dass wir diese Orte (z.B. Kingston) absichtlich mieden.
Wer vorhat, dieses Land zu besuchen und ebenfalls eine Individualreise machen möchte, sollte es nicht versäumen, in Ocho Rios eine Zeit im Sandcastle Resort zu verbringen. Dies war für uns eine der schönsten und vom Preisleistungsverhältnis besten Unterkünfte. Fragt im Souvenirshop vor dem Sandcastle nach Frank, der ja unser Busfahrer war. Er wird euch viel zeigen und hat jede Menge über Jamaica zu erzählen.
Mit Unterkünften gibt es grundsätzlich keine Probleme. Es ist immer irgendwo ein Zimmer frei, da es ja von Guesthouses, zumindest an den Hauptverkehrsstraßen, nur so wimmelt.
Am Besten ist es, nicht sehr viel zu planen, sondern einfach alles auf sich zukommen zu lassen, da diese Kultur nicht mit unserer bzw. unseren Erfahrungen vergleichbar ist.
Wer dem Tourismus aus dem Weg gehen möchte jedoch trotzdem einen schönen Sandstrand braucht, sollte unbedingt nach Treasure Beach fahren. Dort ist man hauptsächlich unter Einheimischen, genießt aber trotzdem einen erholsamen Urlaub.
Auch eine kleine Besichtigung der Blue Mountains sollte man sich nicht entgehen lassen. Etwas Vergleichbares gibt es bei uns kaum.
Wer sich das lästige Umsteigen in den USA ersparen möchte, sollte gleich einen Direktflug buchen, die in der Regel jedoch fast doppelt so teuer ausfallen.
Die Nahrungsmittel und das Wasser auf Jamaica kann man ohne große Bedenken zu sich nehmen. Leitungswasser schmeckt leicht verchlort, was jedoch kein Problem für die tägliche Hygiene darstellt. Wird es als Tee- oder Kaffeewasser verwendet, sollte es vorher aufgekocht werden.
Ratsam sind Impfungen gegen Hepatitis und Tetanus. Malaria gibt es auf Jamaica nicht.
Und das Moskitospray nicht vergessen!
Dieser Reisebericht wurde am 21. Juni 2007 von BavarianHias
verfasst.
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