Verzeichnis » Ferner Osten » Südkorea » Klassenfahrt nach Gyeongju – Eine Reise zwischen Shilla, Spaß und Sauna Teil 2

Klassenfahrt nach Gyeongju – Eine Reise zwischen Shilla, Spaß und Sauna Teil 2

Gyeongju (12. Oktober 2008)

Shilla, Gyeongju

Als ich mich dann sattgesehen hatte (eigentlich hatte ich das nicht, aber ich wollte weiter), verließ ich die spirituelle Welt über die sogenannten Lotusbrücken, wobei ich die 48 Stufen zur Erleuchtung wieder hinabstieg,  und kehrte in die menschliche Welt zurück. Dort nahm ich einen kleinen Imbiss zu mir und setzte mich dann in den Bus, der zur Seokguram-Grotte führte.



Seokguram-Grotte

Das erste was ich auf dem Parkplatz geboten bekam war eine spektakuläre Aussicht über die Berge bis zum Ostmeer untermalt vom Klang einer riesigen Glocke, die vor ein paar Jahren als Symbol der Annäherung Nord- und Südkoreas gebaut wurde. Ein schöner Waldweg führte dann zur Grotte. Ich hatte anscheinend eine gute Zeit erwischt, denn die Schulklassen waren alle schon weg, so dass ich mich ganz spirituell der Ruhe des Waldes widmen konnte. Nach einer circa 20minütigen Gehmeditation erreichte ich die Grotte, die zur Zeit ihrer Errichtung im 8. Jahrhundert eine architektonische Meisterleistung dargestellt haben muss. Der Bau untergliedert sich in drei Kammern, in dessen Zentrum ein in Granit gehauener Buddha umgeben von Schülern und Wächtern sitzt. Die Granitblöcke wurden damals eigens aus einem Steinbruch über einen engen Waldweg auf den Berg gebracht und vor Ort bearbeitet. Aus restauratorischen Gründen hat man vor den Grotteneingang eine Glasscheibe und einen Holzvorbau gesetzt, so dass man die Figuren nur durch Glas betrachten kann. Was ich allerdings nicht verstanden habe ist, dass die Tür des Holzvorbaus geschlossen war. Man hat die Grotte errichtet, damit der Buddha über das Meer blicken und Korea bewachen kann. Wie soll der arme Kerl das denn machen, wenn ihm dieser schöne Blick verwehrt wird? Das sollte aber nicht mein Problem ein und so ging ich wieder zurück.

Bulguksa-Tempel

Da mir noch etwas Zeit bis zum Treffen mit den anderen blieb, nahm ich diesmal nicht den Bus, sondern den Wanderweg zurück zum Bulguksa-Tempel, welcher mir dann sogar noch einen Schluck Wasser aus einer Heilquelle am Wegesrand einbrachte. Den Abschluss dieses ereignisreichen Tages bildeten wiederum ein ausgezeichnetes Abendmahl, sowie ein Entspannungsbad mit Saunagang im Keller des Telekomgebäudes. Am dritten Tag war, sehr zur Freude der Kinder, dafür aber typisch koreanisch, wieder einmal wandern angesagt. Diesmal handelte es sich allerdings um eine größere und vor allem weitaus weniger improvisierte Tour auf den Namsan, den Südberg. Das Wetter war traumhaft und die Laubfärbung befand sich nahezu auf ihrem Höhepunkt, was einen Naturgenuss vom Feinsten garantierte. Nach einem kleinen Marsch durch ein noch nicht abgeerntetes Reisfeld, erreichten wir den Beginn des Waldes und damit der Wanderung, welcher wiederum durch eines der schon erwähnten Hügelgräber markiert wurde. Ich habe allerdings die Vermutung, dass dieser König hier von weit geringerer Bedeutung war, als jener von vorgestern, denn sein Grab hier konnte es in punkto Größe und Infotafel mit dem anderen bei weitem nicht aufnehmen. Begleitet vom Jammern der Schüler begannen wir den Aufstieg und nach circa einer Stunde straffen Wanderns wurde dann die lang ersehnte Mittagspause eingelegt, bei der sich alle mit Unmengen Kimbab für den weiteren Weg zu Stärken versuchten. Auf diese Rast folgte der schönste Teil der Wanderung. Da der Namsan als ein frühes Zentrum des Buddhismus gilt, befinden sich am Wegesrand, malerisch in die Landschaft gesetzte Pagoden, kleine Tempel mit verschiedenen Buddhastatuen und sogar ein in den Fels gehauener Buddha, der sich wie selbstverständlich in die Landschaft einfügt (siehe Foto), so dass man das Gefühl hat, er gehöre genau an diese Felswand. Danach wurde das Gelände felsig und der Untergrund zunehmend unwegsamer, so dass zur Sicherung Seile angebracht wurden, was manchen der Schüler ganz schöne Schweißperlen auf die Stirn trieb. Aber auch diese Hindernisse wurden gemeinsam überwunden und die schöne Wanderung konnte ohne nennenswerte Verluste zu Ende gebracht werden. Da das Telekomgebäude die Räume nur für maximal zwei Tage zur Verfügung stellt, zogen wir, auch typisch koreanisch, in ein so genanntes Condominium, ein aus ganz vielen kleinen ferienwohnungartigen Gebilden bestehendes großes Gebäude, um. An Schlaf war trotz der langen Wanderung nicht zu denken. Die Kinder feierten ausgelassen ihre Klassenfahrt und ich muss sagen: Ich bin schon auf Heavy-Metal-Konzerten gewesen auf denen es leiser zuging. Dabei sollte doch der Wecker am nächsten Tag schon um fünf klingeln. Und das tat er auch. Es war eine Freude in die vor Motivation und Lebensfreude strotzenden Gesichter der Kinder zu schauen, die in diesem Moment ihr Bett mit aller Wahrscheinlichkeit dem Sonnenaufgang am Unterwassergrab von König Munmu vorgezogen hätten. Aber so war der Plan und der wurde ausgeführt. Das Unterwassergrab ist eher eine Ansammlung von Felsen ungefähr 200m vor der Küste, aber ich will ja den koreanischen Aberglauben nicht anzweifeln. Da Nachforschungen nach einem Sarg sowieso nicht erlaubt sind, hatte ich auch gar keinen Grund die Echtheit des einzigen Unterwassergrabes der Welt in Frage zu stellen. Ob König Munmu dann tatsächlich zu einem Drachen geworden ist um die Küste vor japanischen Invasionen zu beschützen, weiß ich nicht. Wenn ja hat er jedenfalls nicht lange durchgehalten, da spätestens 800 Jahre nach seinem Tod, die Japaner erfolgreich Korea überfielen. Der Sonnenaufgang war trotz, oder gerade wegen der Kälte sehr schön und dass der arme Lehrer Han anlässlich seines Geburtstages im Meer landete, steigerte auch die Freude der doch etwas übermüdeten Schüler. Nach dieser frühmorgendlichen Aktion wurde es für mich Zeit abzureisen um mich in Daejon mit anderen, derzeit in Korea arbeitenden Freiwilligen zu treffen.


Dieser Reisebericht wurde am 28. Oktober 2008 von rofrie11 verfasst. Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: Gyeongju, , Klassenfahrt nach Gyeongju – Eine Reise zwischen Shilla, Spaß und Sauna Teil 2, Shilla, Gyeongju, Geschichte, Kultur, Munmu, Bulguksa, Seokguram.

Hat Ihnen dieser Bericht gefallen?

Dieser Reisebericht wurde noch nicht bewertet. Loggen Sie sich ein, damit auch Sie diesen Bericht bewerten können.

0 Sonnen (Unbewertet)

Wie bewerte ich Berichte?

Möchten Sie diesen Bericht kommentieren?


Dann loggen Sie sich ein und los geht's! Wir freuen uns über Ihre Meinung.



Diesen Reisebericht verlinken:




Login


Benutzer:
Passwort:
Nicht registriert?

Jetzt kostenlos bei adios.de registrieren


Passwort vergessen?

Neues Passwort per Email anfordern