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Klassenfahrt nach Gyeongju – Eine Reise zwischen Shilla, Spaß und Sauna

Gyeongju (12. Oktober 2008)

Gyeongju, das Museum ohne Mauern, die glorreiche Hauptstadt des Shilla Reiches und für fast tausend Jahre das Zentrum der Macht in Korea, stellt für jeden Schüler dieses Landes mindestens einmal während seines Daseins als solcher, das Ziel einer Klassenfahrt dar. Und da sind auch die zwanzig Siebtklässler einer alternativen Mittelschule in den koreanischen Bergen, keine Ausnahme. Da ich sowieso einen Wochenendausflug nach Gyeongju planen wollte, nahm ich die Gelegenheit war, diese Stadt mit meinen Schülern zu erkunden. Als sich am Montagmorgen dann endlich alle, mehr oder weniger ausgeschlafen an der Bushaltestelle eingefunden hatten, ging es los, in Richtung Osten.



Der erste Tag stand ganz im Zeichen der Natur: Nachdem wir uns bei einem schönen Picknick im Freien mit jeder Menge Kimbab (mit Reis und Gemüse gefüllter Seetang) gestärkt hatten, stand eine kleine Wanderung auf den Nangsan, einen mit alten Königsgräbern gespickten kleinen Berg etwas außerhalb der Stadt auf dem Programm. Da die Stadt im 8. Jahrhundert schon über eine Millionen Einwohner beherbergte, zu jener Zeit die Wolkenkratzer allerdings noch nicht erfunden waren, erstreckt sich das Stadtgebiet über eine riesige Fläche, so dass die wichtigen Sehenswürdigkeiten sehr weit auseinanderliegen und eine ständige Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel notwendig wird.

Das Interesse von Schülern in Wanderungen scheint sich auf der ganzen Welt, zumindest in Deutschland und Südkorea, ähnlich in Grenzen zu halten, so dass die Tour erst nach einigen Diskussionen gestartet werden konnte. Durch einen wahrscheinlich uralten, aber wunderschön ruhigen Kiefernwald erreichten wir, ich nenne es mal einen etwas künstlich aussehenden grasbewachsenen Hügel, der sich im Nachhinein als das Grab einer wohl relativ wichtigen Königin des Shilla-Reiches zu erkennen gab. Allerdings nur in Form einer neben ihm stehenden Infotafel. Jetzt, hunderte von Jahren nach ihrem Tod, muss sich die gute Königin allerdings damit abfinden, dass riesige Schülergruppen ihr täglich, im wahrsten Sinne des Wortes den „Buckel runterrutschen“. Es gibt sicher schlimmeres.


Unseren Übernachtungsplatz, welchen wir am Ende der Wanderung aufsuchten, verdankten wir der Wohltätigkeit der koreanischen Telekom, die für ihre Angestellten ein riesiges Gebäude für Seminare, Tagungen oder einfach für den touristischen Aufenthalt angelegt hat. Da eine Mutter eines Schülers bei dieser Firma arbeitet, war es uns möglich die Anlage frei zu nutzen. Das Abendessen war exzellent koreanisch und auch sonst bot das ganze Gebäude einiges an Annehmlichkeiten. So kamen zum Beispiel nach dem Essen zwei Schüler ganz euphorisch zu mir und meinten: „Ping-pong – for free; Sauna – for free; swimming for free; all for free; this is heaven!“ Das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen und begleitete sie um mich zu entspannen und der koreanischen Kultur des „public bath“ nachzugehen.

Am zweiten Tag sollten die Kinder das Nationalmuseum von Gyeongju kennenlernen, das laut Reiseführer beste Geschichtsmuseum in Korea. Da nur der Vormittag für die Besichtigung eingeplant war, das riesige Gelände allerdings weit mehr zu bieten gehabt hätte, versuchte ich mir einen Überblick über das Gezeigte zu verschaffen. Das war aufgrund der unglaublichen Menge an Schulklassen eine ziemlich schwere Angelegenheit. Da man sich durch sein Aussehen unweigerlich als Ausländer identifiziert, muss man nahezu ständig auf diverse „Hello’s“, „Nice to meet You’s“ oder „Where are you from’s“ antworten, was die Konzentration auf frühzeitliche Tongefäße dann doch etwas komplizierter gestaltet. Dennoch hat sich der Besuch gelohnt, da das Museum eine gute Übersicht über die koreanische Geschichte liefert. Besonders empfehlen kann ich, vor allem wenn man mit Kindern unterwegs ist, die Ausstellung für buddhistische Kunst. Die ohne Kopf aufgefundenen Buddhafiguren sind ein beliebtes Fotoobjekt für die Altersgruppe, die mit dem eigentlichen Inhalt des Museums noch nicht soviel anfangen kann.



Der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Ich wette die Hälfte der Schüler war im PC-Bang, einer koreanischen Unsitte von Internetcafé, wo Jugendliche manchmal Tage bei Computerspielen verbringen (wenigstens ist es gesellig) oder im Noraebang, einer Art Karaokebar, die überall zu finden ist. Da ich die Klassenfahrt aus zeitlichen Gründen zwei Tage eher verlassen musste, die Welterbestätten Bulguksa und Seokguram allerdings nicht verpassen wollte, beschloss ich, meine freie Zeit zu nutzen um diese, etwas außerhalb liegenden Orte, zu besuchen. Und das war es wert. Der Bulguksa-Tempel gilt nicht umsonst als die Krone der Tempelbaukunst des Shilla-Reiches, was er mir bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel sehr eindrucksvoll bewies. Dass mich ein architektonisches Gesamtkunstwerk, wie diese Tempelanlage, so derart beeindruckt, ist schon eine ganze Weile nicht mehr vorgekommen. Ich war hin und weg und verbrachte einige Stunden damit, die Gärten, Schreine und verschiedenen Buddhastatuen zu erkunden und mich mit ihrer Bedeutung vertraut zu machten. Außerdem traf ich einen leidlich englisch sprechenden Mönch, dessen Interesse ich wahrscheinlich durch meine professionell aussehenden Verbeugungen vor den Schreinen geweckt hatte, was für einen so genannten „Westerner“ dann doch etwas ungewöhnlich ist. Aber ich habe ja schließlich fünf Tage im Tempel verbracht und treffe den Obermönch nicht umsonst jede Woche.

Dieser Reisebericht wurde am 28. Oktober 2008 von rofrie11 verfasst. Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: Gyeongju, , Klassenfahrt nach Gyeongju – Eine Reise zwischen Shilla, Spaß und Sauna, Shilla, Gyeongju, Geschichte, Kultur, Munmu, Bulguksa, Seokguram.

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