Nachdem ich wieder in die subtropische Hitze und Luftfeuchtigkeit hinausgetreten war, machte ich mich auf den Weg nach Seongsan. Als ich dort verzweifelt nach einem schönen Platz zum Zelten suchte und in dieser Hinsicht leider enttäuscht wurde, mietete ich mich bei einem liebenswerten Opi ein, der mir ein Zimmer mit Blick auf den berühmten Berg gab und versprach mich am nächsten Morgen kurz vor Sonnenaufgang zu wecken.
Das tat er dann auch und ich bestieg den Seongsan Ilchulbong, begleitet von Unmengen Koreanern, für die es, jetzt, da sie ihren heiligen Berg, aufgrund der wohl am besten bewachten Grenze der Welt nicht mehr besteigen können, eine Art Lebensziel ist, einmal den Sonnenaufgang am Seongsan Ilchulbong zu erleben. Und ich muss sagen zu Recht. Wie sich die Sonne da über dem Japanischen Meer, was hier aus Historisch geprägter Antipathie Ostmeer heißt, erhebt und das schwarze Vulkangestein nach und nach in ein rötlichen Licht taucht, ist schon beeindruckend. Von Seongsan ging es weiter mit dem Bus in Richtung Süden, nach Seogwipo, der zweitgrößten Stadt der Insel. Dort angekommen wurde meine Orientierung durch die Irreführungen des koreanischen Städtebaus wieder einmal hart auf die Probe gestellt. Ich wollte zum Hafen. Kann ja eigentlich nicht so schwer sein. Da wo Wasser ist. Blöd nur, wenn ein Großteil der Stadt auf einer Halbinsel liegt, und man ständig irgendwelche riesigen Umwege laufen muss um irgendeine Bucht zu umwandern.
Nach einer langen ermüdenden Suche fand ich dann schließlich mein Ziel, das Bootstouristikunternehmen, welches U-Boottouren zu den nahe gelegenen Felskorallen anbietet. Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Also stieg ich ein und los ging es. Auf einem Monitor sah man das Boot langsam in den Tiefen des Meeres versinken und schon nach kurzer Zeit breitete sich vor den großen Fenstern eine Korallenwelt in den prächtigsten Farben aus. Doch ich muss sagen, aller Schönheit der Unterwasserwelt zum Trotz, U-Boot-Kapitän wäre keine berufliche Alternative für mich. Das wäre mir alles zu eng. Nach diesem einzigartigen Erlebnis wollte ich den Cheonjiyeon Wasserfall besichtigen. Da ich aber bezüglich einer weiteren Suchodysse relativ unambitioniert war, fragte ich die Bootsleute nach einer Touristeninformation. Als die nach anfänglichen Verständnisschwierigkeiten wussten, was ich meinte, bat mich einer ihm zu folgen. Also stellte ich mich seelisch und moralisch auf eine ausführliche Wegbeschreibung und wildes Gestikulieren ein, doch er sagte nur: „Get in the car! I bring you!“. Und fünf Minuten später stand ich vor der Information. Es lebe die Gastfreundschaft! Die dortige Angestellte erwies sich als äußerst kompetent und erklärte mir sogar noch den Weg zu einer Campingmöglichkeit, so dass das Problem der Übernachtung auch gelöst war.
Der Wasserfall wäre sicher beeindruckender gewesen, wenn es etwas mehr geregnet hätte, aber ich will mich als Zelttourist ja nicht über mangelnden Regen beschweren. Der Weg dorthin war jedenfalls sehr schön: auf der einen Seite ein ruhig dahin fließendes Bächlein und auf der anderen ein Wäldchen, welches der Tropenhalle im Zoo zu entstammen schien. Und dieses Szenario wurde gesäumt von schroffen Felswänden, von denen nach einem Marsch von einem Kilometer der über 20m hohe Wasserfall hinunterdonnerte, in meinem Fall eher plätscherte. Nach dieser „Natur-pur-Erfahrung“ mitten in der Stadt begab ich mich zurück in die Menschenmassen, setzte mich in den Bus und fuhr, vorbei am eleganten Seogwipo Fußball-WM-Stadion, über Jungmun, den Touristenort, in ein nahe gelegenes Waldgebiet, wo ich die Nacht verbringen wollte. Die dortige Naturparkleitung war ganz überrascht von den Ansprüchen eines ausländischen Touristen, einen Zeltplatz zum Zelten zu nutzen. Für Koreaner ist es offenbar sehr ungewöhnlich im September zu zelten, was ich überhaupt nicht verstehe, da es so ziemlich der einzige Monat ist, in dem es auf Jeju nicht regnet. Der Weg zum Zeltplatz führte auf einem Holzpfad durch einen schönen Wald und stellte sich als Ansammlung von hölzernen Podesten und einem kleinen Waschraum mitten im Wald heraus. Ich weiß zwar nicht, wie Koreaner zelten, aber ich fand es durchaus problematisch, ein Zelt auf einem hölzernen Podest zu errichten, was mir auch nur mit einem gewissen Maß an Improvisation gelang (siehe Foto). Auch eine Einkaufsmöglichkeit gab es nicht in der näheren Umgebung und so musste ich mit ein Abendbrot aus den berühmten Jeju-Mandarinen und Keksen Vorlieb nehmen. Andere Camper kamen auch im Laufe des Abends keine mehr und so kam es, dass ich bei einer Vielzahl von Waldtiergeräuschen einschlief und von einem Reh geweckt wurde, welches an meinem Zelt schnüffelte.
Am nächsten Tag wollte ich den Hallasan, den höchsten Berg Südkoreas besteigen, welcher aus Naturschutzgründen allerdings nur bis zu einer von 1700m, statt 1950m begehbar ist. Nach einem kargen Frühstück bestehend aus Mandarinen und den restlichen Keksen machte ich mich auf den Weg. Auf einer Höhe von 1000m begann dann der eigentliche Wanderweg, welcher zuerst durch einen tropisch anmutenden dichten Wald führte, in dem es von Tieren und exotischen Pflanzen nur so wimmelte. Doch dann lichtete sich der Wald und gab den Blick auf die beeindruckende Yeongsil-Felswand frei, zu deren Entstehung es, wie in Korea üblich, eine sehr extravagante Legende gibt. Fünfhundert Söhne aßen vor sehr langer Zeit alle Reiseintopf, ohne zu wissen, dass dieser aus dem Fleisch ihrer Mütter bestand. Als sie dann die Wahrheit erfuhren, verfielen sie in so starke Trauer, dass sie zu Fels erstarrten. Naja.
Unterwegs traf ich einen jungen Koreaner, der drei Jahre in Rom studiert hatte und dementsprechend gut italienisch sprach. Also unterhielten wir uns ein bisschen und ich wurde wieder einmal der Nutznießer der koreanischen Gastfreundschaft. Freundlicherweise teilten er und seine Eltern ihr Picknick mit mir, was ich natürlich nicht ablehnen konnte, da meine Essensvorräte ja nicht gerade groß waren. Und so kam ich ganz unverhofft doch noch zu meinem Gipfelbier, welches ich eigentlich schon lange aufgegeben hatte.
Für den Abstieg wählte ich die etwas längere Eorimok-Route und musste mich des Öfteren erklären, weshalb ich den Hallasan mit so einem Riesenrucksack besteige. Das Wort „Camping“ brachte mir dabei viele erstaunte Blicke und einiges an Kopfschütteln ein. Am Fuß des Berges ließ ich meine Hallasanbesteigung mit einem Besuch des Nationalparkmuseums ausklingen und fuhr dann zurück nach Jeju-City.
Dort angekommen suchte ich mir ein gemütliches Yeogwan (koreanische Herberge) und beschloss, die für Koreaner wichtigste Sehenswürdigkeit, den Yongduam-, oder Drachenkopffelsen zu besuchen. Das einzig sehenswerte an diesem doch eher langweiligen Felsen, waren jedoch die Menschenmassen die ihn bestaunten und bewunderten. Also aß ich einem kleinen Hinterhoflokal ein Bibimbap und ging dann zu Bett. Am nächten Morgen fuhr mich der Herbergswirt zum Fährhafen, nachdem er mir mit viel Gestikulieren erklärt hatte warum für ihn „Germany die No.1“ sei, nämlich wegen der friedlichen Wiedervereinigung, und ich fuhr ganz entspannt zurück auf das Festland. Was bleibt ist die Erinnerung an fünf erlebnisreiche, interessante, schöne, aber auch anstrengende Tage auf einer Insel, die zum Programm eines jeden Koreaaufenthaltes gehören sollte.
Dieser Reisebericht wurde am 23. September 2008 von rofrie11
verfasst.
Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: Jeju-do, Chineol Minbak, Das Hawaii Asiens - 5Tage auf Jeju-do Teil 2, Jeju, Korea, Insel, Seogwipo, Seongsan, Ilchulbong, Submarine, Hallasan, Gastfreundschaft, Camping.
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2 Kommentare zu diesem Reisebericht
30. September 2008, 21:24:23. Prossi sagt:
Hi Robert,
ich kenn die Gegend, fand ich zu meinen Studentenzeiten auch genial. *ggg*
War natürlich ein kleiner Scherz, ich wünsch Dir weiterhin viel Spaß, denk aber an die Nerven deiner Eltern... *derschnuffel*
23. September 2008, 19:23:59. Jule sagt:
Ey klasse noch eine Folge, ich hoffe es kommen noch ein paar über Korea!
Lg Jule
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