17.09.08 – 21.09.08 Das Hawaii Asiens – 5 Tage auf Jeju-do Hawaii Asiens, Insel der Träume, natürliche Schönheit oder Perle des Ostens. Gelesen hatte ich schon viel über diese Insel, doch nun wollte ich selbst herausfinden, was diese Insel wirklich auszeichnet. Also machte ich mich auf den Weg. Um 7 ging es los. Ich nahm den Bus von meinem kleinen Dorf Sannae im Süden Südkoreas in die nächste größere Stadt um mich in Wando, einem Fährhafen an der Südküste in Richtung Jeju einzuschiffen.
Schon im ersten Bus machte ich die Bekanntschaft der viel gerühmten koreanischen Gastfreundschaft. Zuerst erlies mir der Fahrer einen Teil des Fahrpreises, weil ich es nicht passend hatte und am nächsten Busbahnhof sah er sich dazu verpflichtet mir einen Kaffee auszugeben. Sah ich wirklich so müde aus? Nach zweimaligem Umsteigen erreichte ich dann endlich Wando, eine Hafenstadt der weniger schönen Art. Mit Mühe fand ich eine gemütliche Kneipe und mit noch größerer Mühe und viel Pantomime auch den Fährhafen. Während der circa dreistündigen Überfahrt machte ich die Bekanntschaft eines koreanischen Ehepaars älteren Jahrgangs, welches ich nach einer guten Campingmöglichkeit in Jeju-City, der Hauptstadt der Provinz Jeju, fragte. Daraus entwickelte sich ein äußerst interessantes Gespräch, welches in einem sehr gepflegten Konglisch, einer Kombination aus meinem doch sehr rudimentären koreanisch und deren nicht weniger lückenhaften englisch geführt wurde und damit endete, dass sie mir anboten: „You, my car, hamdeoke beachi, camping, very nice!“ Dieses Angebot nahm ich doch gerne an. Allemal besser als sich im Dunkeln in einer unbekannten koreanischen Stadt, in denen die Orientierung mangels Straßenschildern nochmal doppelt so schwer ist, einen geeigneten Zeltplatz zu suchen. Da der sich der Hamdeokbeach etwas außerhalb der Stadt befand, meinte der Mann, er kenne einen sehr guten Freund, der wohnt dort in der Nähe und an den würde er mich übergeben, damit dieser mich dorthin bringe. Nun saß dieser Freund aber gerade in der Kneipe und so kam es, dass ich ganz unverhofft zum Abendessen eingeladen wurde. Das Samgyeopsal (gebratenes Schweinefleisch) tat meinem geschundenen Magen nach den Tagen fleischlicher Entbehrung (ich hatte die letzten fünf Tage in einem buddhistischen Kloster verbracht) besonders gut und auch das Bier schmeichelte meinem Gaumen. Nach einem reichhaltigen Mahl wurde ich dann von allen zusammen zu meiner Lagerstätte begleitet. Und noch nicht einmal da war es mit der koreanischen Gastfreundschaft vorbei. Nein, sie liefen alle so lange am Strand auf und ab, bis sie auch ja den besten Platz für mich und mein Zelt gefunden hatten. Und dieser war wirklich schön. Direkt am Meer, zwischen schwarzen Lavafelsen und unter Palmen. Das hatte schon wirklich was von Hawaii! Also baute ich mein Zelt auf und machte es mir bequem.
Den nächsten Tag begann mich mit einem gepflegten Bad in der Straße von Jeju, jener Wasserstraße, welche das Chinesische mit dem Japanischen Meer verbindet. Mein Etappenziel war die Stadt Seongsan, welche ihre Berühmtheit, durch den sogenannten Sonnenaufgangsgipfel, den Seongsan Ilchulbong erlangte. Doch zuerst wollte ich zurück nach Jeju-City, da es auch die eine oder andere reizvolle Sehenswürdigkeit zu besichtigen gibt, wie z.B. den Samsseonghyeol-Schrein, der seine Existenz drei Löchern im Boden verdankt, welche ihrerseits den Anlass für den Gründungsmythos des vor tausenden von Jahren von 3 Brüdern auf der Insel gegründeten Tamna-Königreiches liefern. Zu dieser Legende zeigt das Museum ein recht lustiges animiertes Video im Stile fernöstlicher Comickunst, welches sehr eindrucksvoll zeigte, wie die drei hünenhaften, halbgottartigen Brüder aus den Löchern im Boden wachsen. Von wegen, der Storch bringt die Kinder! Hier nicht. Aber was machen nun 3 Brüder, die eine Dynastie begründen sollen auf einer unbewohnten Insel? Richtig! Sie warten darauf, dass ein Graf, der auf einer entfernten Insel lebt, zufällig drei Töchter hat und keine angemessenen Ehegatten für diese findet, ein Boot mit drei bildhübschen Prinzessinnen, einer Ladung Kühe und anderen Dingen, die man zur Gründung eines Königreiches braucht, zu ihnen schickt. Und komischerweise traf genau dies ein. Also heiratete jeder der Jünglinge eine Prinzessin (über Streitigkeiten bei der Frauenwahl ist nichts bekannt) und dann bekam jeder einen Teil der Insel unter seine Herrschaft. Die Auswahl erfolgte, wie es sich für ordentliche Krieger gehört mit Pfeil und Bogen. Jeder schoss einen Pfeil ab und erhielt das Gebiet wo der Pfeil landete. Die Einschussstellen können heute noch besichtigt werden, ebenso wie die Höhlen, in denen die Frischvermählten ihre Hochzeitsnacht verbrachten… Mir hat die animierte Darstellung des Films gereicht.
Und außerdem hatte ich ja auch nicht die Zeit, die die Brüder damals hatten.
Die längste Lavahöhle der Welt wartete auf mich. Also überließ ich die koreanische Mythologie vorerst ihrem Schicksal und widmete mich etwas fassbareren Dingen, wie der Entstehung einer Lavahöhle, obwohl auch hier unvorstellbare Kräfte am Werk gewesen sein müssen. Ob die drei Brüder die Höhle auch schon kannten? Vielleicht wurde hier der erste Thronfolger geboren? Touristisch vermarktet wird sie in dieser Hinsicht jedenfalls noch nicht. Dafür in anderer. Doch bevor ich mich in die kalt-feuchte Unterwelt begeben konnte, hatte ich einen langen Fußmarsch in praller Sonne auf einer von Oleandern gesäumten Straße zu bewältigen. Da taten die Abkühlung und vor allem das Abstellen des Rucksacks in der Höhle äußerst gut. Bei der Besichtigung der derselben bekam ich dann schon einen gehörigen Respekt vor der Natur. Da schreitet man von riesigen Herr-der-Ringe-würdigen Hallen durch Gänge, in denen nicht einmal ein Ork leben möchte und steht dann plötzlich vor einer Lavasäule, deren Spitze im Dunkel über einem verschwindet. Die spärliche Beleuchtung tut ihr übriges. Der zweite Teil der Reise wird in einem weiteren Reisebericht geschrieben.
Dieser Reisebericht wurde am 23. September 2008 von rofrie11
verfasst.
Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: Jeju-do, Chineol Minbak, Das Hawaii Asiens - 5Tage auf Jeju-do Teil 1, Jeju, Korea, Insel, Seogwipo, Seongsan, Ilchulbong, Submarine, Hallasan, Gastfreundschaft, Camping.
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1 Kommentar zu diesem Reisebericht
23. September 2008, 19:16:03. Jule sagt:
Cool Robert das du jetzt einen Bericht über Korea geschrieben hast.
War ja auch alles drin. Ein Foto von dir ist auch gut damitich nicht vergesse wie du aussiehst:)
Lg Jule
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