3 Tage in Busan – zwischen Fischgeruch und Jjimjjillbang Teil 2
Busan, Haeundae Spa Jjimjjilbang, Vesta Spa Jjimjjilbang (03. Oktober 2008)
Der Nachmittag wurde mal wieder in das Zeichen der spirituellen Selbstfindung, sprich den Besuch eines buddhistischen Tempels gestellt. Der Beomosa-Tempel, der wichtigste der Stadt war mir allerdings zu voll, zu bunt und zu überlaufen. An neblig-regnerischen Tagen könnte er sicher eine Oase der Stille sein, doch an diesem sonnigen Markttag präsentierte er sein geschäftiges, lautes Gesicht, was mich dazu veranlasste, ihn nach relativ kurzer Zeit, wieder zu verlassen.
Tempel in den Bergen rund um Busan
Ich hatte von einem kleinen Tempel in den Bergen rund um Busan gehört, wo es sehr beeindruckende, in den Fels gehauene Buddhastatuen geben soll. Und da eine kleine Wanderung auch noch keinem geschadet hat und es dort oben sicher ruhiger sein würde, machte ich mich auf den Weg. Aus der kleinen Wanderung wurde allerdings eine ziemlich große und der Aufstieg wurde noch dadurch erschwert, dass dieser Ort anscheinend zwei Namen besitzt, was ich natürlich nicht wusste: Seokbulsa und Pyeongpungsa. Und die Leute, die ich fragte, kannten immer nur einen der beiden Namen und hatten den anderen noch nie gehört. Sehr mysteriös. Als sich dann ein Gefragter anbot mir den Weg zu zeigen, wagte ich aufzuatmen. Wenn er mich schon hinbringt, kann es ja nicht mehr weit sein. Ein Trugschluss. Er führte mich noch weiter in die Berge und der Weg schien kein Ende zu nehmen. Aber ich wurde für meine Mühen belohnt. Majestätisch an den Fels gebaut stand der Tempel und die in den Stein gemeißelten Buddhas überblickten würdevoll das Tal und die Stadt Busan. Ein atemberaubender Anblick und ein Ort zum tief Luft holen. Und wenn man dann schon einmal in den Bergen ist, dann ist auch der Weg zur Bergfestung Busans nicht mehr weit. Und so machte ich mich auf die übriggebliebenen Festungsmauern und-tore zu besichtigen um dann mit dem 게이블가 Keibeleka (koreanisch für Seilbahn, am besten laut lesen, dann könnte so etwas wie das englische Wort Cable Car rauskommen) zurück in die Stadt zu schweben. Das Festungstor ist nichts worüber man nach Hause schreiben müsste, aber die Fahrt mit der Seilbahn, mit Blick auf das Busaner WM-Stadion, war recht schön. Und dann war es auch schon Zeit für das Kino. Dazu hatten die Veranstalter im Jachthafen eine große Leinwand und einige Imbissstände aufgebaut. Der erste von zwei Filmen, wäre für Freunde von japanischer Anime gepaart mit Action sicher ein Leckerbissen gewesen. Für mich war er dann doch eher langweilig, auch wenn gegen Ende noch ein paar durchaus zum Nachdenken anregende Aussagen getätigt wurden. Dass dieses Ende aufgrund eines Ausfalls des Projektors mit einer einstündigen Verzögerung gezeigt wurde, war auch nicht weiter schlimm, da dadurch immerhin das Eintrittsgeld zurück zu den Besuchern floss. Der von mir mit Spannung erwartete zweite Film, die Verfilmung des Romans Camorra von Roberto Saviano, startete dann erst gegen Mitternacht, aber wenigstens lief er überhaupt noch. Die Atmosphäre im Hafen war für den Film, der die dunklen Geschäfte der Camorra, der neapolitanischen Mafia beschreibt, wie geschaffen, so dass der Abend doch noch zu einem cineastischen Highlight wurde.
Jjimjjilbang
Als ich mich dann auf den Weg zum Jjimjjilbang, ich hatte diesmal ein anderes gewählt, machte, fuhren schon längst keine U-Bahnen mehr und da das Wort Taxi für mich nicht existiert und ich zu faul bin nach Bussen zu suchen, stand mir also ein einstündiger Marsch durch das nächtliche Busan bevor, der sich dann sogar als relativ angenehm herausstellte. Mit etwas Glück und Überredungskunst ließ man mich im eigentlich schon überfüllten Vesta Spa noch herein und ich konnte mich auf ein schönes warmes Bad freuen. Diese Hoffnung wurde allerdings nicht erfüllt, da ich gerade zur Reinigungszeit eintraf. Aber man wartet ja gerne bis um drei um es sich dann frisch gebadet im Treppenhaus auf der schon beschriebenen Decke bequem zu machen. Überdecken und Kopfstützen waren diesmal leider schon alle. Am Sonntag wollte ich gegen Mittag die Heimreise antreten und nutzte den Vormittag dazu das Musikinstrumentenmuseum zu besichtigen, welches neben traditionellen koreanischen Trommeln auch einige ramponierte Geigen und Trompeten zu bieten hatte. Und bevor ich mich in den Bus in Richtung Zentralkorea setzte, schloss ich meinen Busanbesuch mit einem reichhaltigen Samgyeopsal in einer gemütlichen kleinen Kneipe ab. Alles in allem hat sich der Ausflug sehr gelohnt, und das nicht nur wegen der festivalbedingten internationalen Atmosphäre (ich habe zum ersten Mal seit 1½ Monaten wieder blonde Menschen gesehen), sondern auch aufgrund der Lage am Meer, der Berge dahinter und der vielen Sehenswürdigkeiten.
Dieser Reisebericht wurde am 28. Oktober 2008 von rofrie11
verfasst.
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