3 Tage in Busan – zwischen Fischgeruch und Jjimjjillbang Teil 1
Busan, Haeundae Spa Jjimjjilbang, Vesta Spa Jjimjjilbang (03. Oktober 2008)
Ganz im Südosten des Landes, direkt am Meer, angeschmiegt an die Berge dahinter, liegt, die mit fast 4 Millionen Einwohnern zweitgrößte Stadt Südkoreas: Busan. Da ich mal wieder einen etwas größeren Wochenendtrip machen wollte, beschloss ich, mir einen Tag freizunehmen und schon am Freitagmorgen loszufahren.
Am ersten Tag wollte ich den Süden der Stadt, also das Gebiet rund um den Jagalchi-Markt, einen der weltweit größten Fischmärkte erkunden. Da die U-Bahn ein sehr komfortables, schnelles und zuverlässiges Transportmittel ist, erreichte ich mein Ziel ohne größere Schwierigkeiten. Der Fischmarkt ist eine Welt für sich. Ein riesiges mehrgeschossiges Gebäude mit lauten Händlern, lebenden Fischen und allem was man sonst im Meer finden und angeblich essen kann. Und dazu ein beeindruckender Fischgeruch, der so manchem, dem Fisch weniger angetanen Bürger wahrscheinlich den Magen umgedreht hätte. Mit diesem Problem musste ich mich glücklicherweise nicht herumschlagen, so dass ich ganz in Ruhe durch die Halle und die umliegenden Stände schlendern und mir einen Überblick über die vielen verschiedenen Meeresbewohner verschaffen konnte. Den Busan Tower auf dem Yongdusan-Berg wollte ich zur Dämmerung besteigen, da ich mir dadurch einen Blick sowohl auf Busan bei Tag als auch bei Nacht erhoffte. Da sich der Turm ganz in der Nähe befand, ich aber noch etwas Zeit hatte, beschloss ich, dass nicht wet entfernte Museum der modernen Geschichte Busans zu besichtigen. Dieses, aufgrund von Restaurierungsarbeiten nur zur Hälfte geöffnete Museum war eher unspektakulär, da der für mich interessantere Teil nach dem Zweiten Weltkrieg nicht zugänglich war. Ich verschaffte mir dennoch einen Überblick über die Entstehung der Stadt und ihren Ausbau zur Zeit der japanischen Besatzung, wobei letztere übrigens der Grund der immer noch währenden Abneigung gegenüber dem östlichen Inselnachbarn ist.
Nach diesem eher flüchtigen Einblick in die koreanische Vergangenheit, fing es schon langsam an zu Dunkeln und es wurde Zeit, den Yongdusan zu besteigen. Das „Besteigen“ erledigte allerdings eine Freiluftrolltreppe für mich, so dass ich völlig entspannt ein Foto mit Admiral Yi Sun-Shin, dem großen koreanischen Nationalhelden machen konnte, dessen Denkmal vor dem Busan-Tower steht. Der Ausblick war zwar aufgrund des Nebels nicht so gut, wie ich es mir erhofft hatte, aber ich genoss ihn trotzdem. Man hat ja schließlich nicht alle Tage einen Blick auf die Dächer einer riesigen Hafenstadt. Anschließend machte ich mich auf die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Eine koreanische Bekannte hatte mir die öffentlichen Bäder empfohlen, welche 24 Stunden geöffnet haben und in denen man prima schlafen kann. Damals wusste ich noch nicht was ein Jjimjjilbang ist. Nach einer längeren Suche durch das nächtliche Busan fand ich dann schließlich das Haeundae Spa Center, welches mir für umgerechnet 5 Euro eine schöne Bade- und Saunalandschaft (nicht zu verwechseln mit einem hiesigen Spaßbad), sowie einen speziellen Schlafanzug bot, der mir Eintritt in das Jjimjjilbang verschaffte. Jetzt war erst mal entspannen angesagt. Von der Sauna ins kalte Wasser und vom Whirlpool in das 60°C-Becken (ganz schön heiß). Und anschließend eine schöne Dusche. Als es mir dann gut ging und ich so richtig sauber war, nahm ich meinen Schlafanzug und bewegte mich in Richtung Jjimjjilbang, wo ich zwei Decken bekam, die beide gefühlte 1mm dick waren (in Wirklichkeit dürften es zwei gewesen sein). Dazu kam ein holzklotzähnliches Etwas, dass als Kopfstütze fungieren sollte. Es war zwar alles nicht sonderlich bequem, aber dieses Erlebnis war es wert. Und außerdem ist man ja hier um die fremde Kultur kennenzulernen und da gehört das Jjimjjilbang, genauso wie das öffentliche Bad, definitiv dazu. Den nächsten Morgen ließ ich etwas ruhiger angehen, besorgte mir einen Kaffee und eine Schachtel Kekse und bereitete mir ein gemütliches französisches Frühstück am Strand. Man muss ja nicht immer Reis essen. Dieser Strand, der Haeundae Beach ist der wohl berühmteste Strand Koreas, den im Juli und August täglich eine Millionen Leute in ein Meer aus Menschen verwandeln. Aber die Möglichkeit nach dem Ende dieser Monate noch Baden zu gehen, findet in koreanischen Gedankengängen nicht statt. Sobald der Kalender auf September gedreht wird, ist der Sommer vorbei und wer dann noch baden, oder gar zelten will, der ist entweder verrückt oder ein Ausländer, …oder beides. Aber das nur am Rande. Wie es der Zufall wollte, fand gerade zu jener Zeit, in der ich in der Stadt weilte, das PIFF, das Pusan International Film Festival, seines Zeichens das größte Filmfestival Asiens statt, was ich mir natürlich nicht entgehen lassen wollte. Also, nichts wie ran die Tickets. Offenbar hatte ich eine Rush hour des Verkaufs erwischt, doch einer reichlichen Stunde „Beine in den Bauch stehen“ war ich dann der glückliche Besitzer eines Tickets für das Freilichtkinoevent im Hafen. Doch dazu später mehr.Ich habe den Bericht aufgrund der Länge in zwei Teile geteilt, so dass die Fortsetzung meiner Reise in einem anderen Bericht nachgelesen werden kann.
Dieser Reisebericht wurde am 28. Oktober 2008 von rofrie11
verfasst.
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