Als Belohnung für unser bestandenes 1.Staatsexamen wollten meine Freundin und ich uns etwas Urlaub gönnen. Nach all dem Stress wegen den Prüfungen stand uns der Sinn nach Sonne, Strand und Meer. In der Hauptsaison, mit kleinem Geldbeutel und eigentlich so gut wie keiner Zeit (wir hatten beide Ferienjobs angenommen) war das aber nicht drin. Also entschlossen wir uns spontan zu einem Kurztrip mit der Bahn nach Berlin.Zum Glück gibt es jeden Monat direkt im DB-Reisebüro buchbare Bahn & Hotel-Angebote, die sich auch arme Studenten leisten können und so hatten wir kurzerhand nach zehn Minuten Beratung die Bestätigung für je zwei Übernachtungen plus Bahnfahrt in der Hand.
Anreise mit dem ICE
Aus dem Süden Deutschlands erreichten wir die Hauptstadt mit dem ICE bequem in nur fünf Stunden. Unsere Unterkunft, das "Winters Hotel Berlin" in Charlottenburg/Wilmersdorf war da schon schwere zu finden. Wenn man nämlich den falschen U-Bahnhof-Ausgang nimmt... zum Glück gab es gleich drei hilfreiche Berliner die uns den Weg zeigten. Von den klischeehaften Plattenbauten in der Nachbarschaft waren wir nicht so begeistert, unser Hotel war allerdings sauber und schön eingerichtet. Nach einer kurzen Zimmerinspektion (Funktioniert die Dusche? Sind genug Handtücher da? Ab wann gibt es Frühstück? Wie stell ich meinen vollen Koffer möglichst dumm mitten in den Weg?) machten wir uns auch gleich wieder auf in Richtung U-Bahn und Stadtzentrum.
Zwei Mädels in Berlin
Wenn zwei Mädels in nur zweieinhalb Tagen ganz Berlin sehen wollen gibt es eine einfache Rechnung: eineinviertel Tag Zeit für den Westen, eineinviertel Tag Zeit für den Osten der Stadt! Wehe Füße gelten nicht!
Tageskarte für den Bus Linie 100
Statt der teuren Stadtrundfahrtenbusse nutzen wir die Tageskarte der Berliner Verkehrsgesellschaften, mit der man im Bus der Linie 100 ebenfalls alle "Das-müsst-ihr-euch-unbedingt-Anschauen"-Sehenswürdigkeiten erreicht.
Sehenswürdigkeiten in Berlin
Wir fingen am Kurfürstendamm an. Nach einem Blick ins legendäre KaDeWe, bei dem wir standhaft blieben und nichts kauften (!) zogen wir weiter zur Gedächtniskirche und waren fasziniert von dem wunderschönen blauen Fenstermosaik im Neubau. Das Café Kranzler, dessen Name wohl jeder schon einmal gehört hat, enttäuschte uns aber. Denn genau genommen war das Werbeschild eines Modeherstellers im gleichen Haus größer und besser erkennbar als das des Cafés. Vorbei am Bahnhof Zoo, am Schloss Bellevue und an der Goldelse fahren wir mit dem Bus zum Wahrzeichen Berlins, dem Brandenburger Tor. Dort stiegen wir aus, denn einmal unter dem Brandenburger Tor durchzulaufen muss für jeden Geschichtsstudenten mal sein! Dachten wir... Wir hatten aber nicht mit der drei Tage später stattfindenden Modenschau gerechnet, für die schon fleißig Bühnen aufgebaut und das Tor somit zugebaut wurde. Nur ein kleiner Durchgang blieb frei. Nach ein paar Fotos nutzten wir diesen Tordurchgang und machten uns zu Fuß auf zum Reichstag. Die lange Schlange vor dem Eingang war vermutlich faszinierender als die berühmte Glaskuppel... Auf dem Weg in Richtung Alexanderplatz nutzen wir unser Geschichtswissen und versuchten ohne Reiseführer alle Gebäude richtig einzuordnen, was uns jedoch nicht immer gelang, denn neben zahlreichen Botschaften, dem Roten Rathaus, dem Berliner Dom, dem Bundeskanzleramt und der Marienkirche befindet sich auf dem Weg auch der inzwischen abgerissene Palast der Republik auf dessen Areal jetzt allerdings nur eine Bauruine steht. Nicht zu vergessen natürlich die vielen Ampelmännchen, die uns immer wieder begeisterten.Schon von weitem ist der Fernsehturm zu erkennen und auch den Alexanderplatz kann man dann nicht mehr verfehlen. Anstatt uns aber auf die Weltzeituhr zu stürzen, zogen wir es vor uns zunächst mit einem Eis zu stärken. Vor der Uhr war nämlich, typisch für Berlin, eine Baustelle...
Nicht Currywurst, sondern Pizza
Den ersten Tag unseres Berlin-Aufenthaltes beendeten wir nicht mit einer Currywurst, sondern in der Pizzeria in der Nähe unseres Hotels.Am nächsten Tag überraschte uns die Bahn mit einem dreistündigen Streik. Da hiervon auch die U-Bahnen und die Straßenbahnen der Hauptstadt betroffen waren, mussten wir etwas kompliziert mit dem Bus (vorbei am Krematorium, am Gefängnis Moabit und an vielen anderen Bauwerken, die wir sonst bestimmt nicht gesehen hätten...) in die Innenstadt fahren um dort wieder mit der Linie 100 in den Osten der Stadt, zunächst zu den Hackeschen Höfen, zu gelangen. Nach einem Blick auf Boutiquen, Ateliers, Cafés und einem kleinen Stopp im Ampelmännchenshop machten wir uns auf zum Checkpoint Charlie, DEM Grenzübergang zwischen Ost und West. Es ist schon ein komisches Gefühl an den "You are leaving the american sektor..."-Schildern einfach so vorbeizulaufen!Unser nächster Weg führte uns, vorbei am Bundesrat, zum Potsdamer Platz und dem dortigen Sony-Center. Und auch einen kurzen Stopp bei der Museums-Insel legten wir an diesem Tag ein. Der Abschluss bildete noch einmal das Schloss Bellvue, wobei ich zugeben muss, dass mich der akkurat geschnitten Rasen davor und der arme Polizist, der ständig Wache laufen musste viel mehr faszinierte, als der Sitz des Bundespräsidenten...
Currywust in Kreuzberg
Zum Schluss des Tages besuchten wir auch noch das berühmtberüchtigte Kreuzberg, wo wir schließlich doch noch zu unserer Currywurst kamen.Am nächsten Tag mussten wir leider schon wieder in Richtung Süddeutschland abreisen. Auf dem Weg zum Bahnhof nutzten wir jedoch die Möglichkeit, auch dem Sandskulpturen-Wettbewerb an der Spree noch einen kleinen Besuch abzustatten. Und schließlich fuhr der ICE mit zwei müden Mädels darin wieder in Richtung Heimat. Nächstes Jahr kommen wir aber wieder, dass haben wir schon beschlossen, denn gesehen haben wir noch längst nicht alles!
Dieser Reisebericht wurde am 18. September 2007 von Studi
verfasst.
Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: Berlin, Winters Hotel Berlin, Wochenende in Berlin: wir fahren nach Berlin!, mit der bahn nach berlin DB-Reisebüro buchbare Bahn & Hotel-Angebote.