Verzeichnis » Deutschland » Baden-Württemberg » Zum Wohle der Tennisplätze: Tennisplatz-Service

Zum Wohle der Tennisplätze: Tennisplatz-Service

Offenburg, Stuttgart, Karlsruhe, Frankreich, im Wohnwagen

Süddeutschland im Wohnwagen mit viel Sand und Arbeit…


Alle Jahre wieder brechen ich im Frühjahr Anfang/Mitte März von Göttingen mit dem Wohnwagen und einem Bus voller Werkzeuge auf, um im Süden Deutschlands Tennissandplätze zu sanieren und sie für die Saison herzurichten.




Dieses Jahr ging es am 12. März los, nach dem Beladen des Autos mit Schubkarren, Schippen, Motorwalze, Besen, Netzen, Tennislinien, Rechen, Abziehern und weiteren Werkzeugen und des Wohnwagens mit Lebensmitteln und unseren Sachen. Zu dritt erreichten wir unseren ersten Bestimmungsort, Offenburg. Dort ist alles immer schon gute zwei Wochen weiter als im Norden, weshalb man dort auch schon früher mit der Sanierung beginnen kann, ohne durch Frost und Wintereinbrüche davon abgehalten zu werden. Pro Tag schaffen wir drei bis sechs Tennisplätze. Um einen Tennisplatz in Stand zu setzen, müssen zuerst Blätter, Äste, Steine, etc. vom Spielfeld entfernt werden, damit man anschließend mit den Abziehern das alte Ziegelmehl oberflächlich entfernen kann. Nach mehrmaligem Walzen und Ausbessern besonders schadhafter Stellen wird dann neues Material aufgekarrt, ausgestreut und mit viel Wasser und einem Hobel eingeschlämmt. Nach dem Trocknen der Plätze werden diese noch nachbearbeiten, um sie auch optisch zu erneuern. In Offenburg ging es die ersten Tage erst einmal darum, sich wieder an die recht harte Arbeit zu gewöhnen. Mit Arbeitszeiten zwischen acht und zwölf Stunden fallen wir abends zu Tode erschöpft ins Bett. Die ersten Tage sind besonders hart, das frühe Aufstehen in der morgendlichen Kälte sowie die nicht ganz heißen Duschen am Abend senken den Lebenskomfort doch erheblich. Wir ernähren uns während der „FI“, wie die Frühjahrsinstandsetzung von Tennisplätzen im Fachjargon heißt, hauptsächlich von Lidl, Aldi und Co. Einkaufen artet meist darin aus, dass wir den Wagen so voll wie möglich laden, da wir keine Lust haben, jeden Tag einkaufen gehen zu müssen. Die Tagesration, die jeder von uns hier am Tag verfuttert, beträgt mindestens das Anderthalbfache des Bedarfs außerhalb dieser vier bis sechs Wochen dauernden Plagerei. An guten Tagen schaffen wir es zu zweit, ein 750 g Glas Nutella (oder ein billigeres Äquivalent) zu leeren. Nach einer Woche beginnt die Arbeit Spaß zu machen, der Körper hat sich an den Tagesrhythmus und die physische Belastung gewöhnt. Jetzt entscheidet meist das Wetter, ob wir einen guten oder einen miesen Tag erleben. Mitte März, während wir uns mit unserem Gespann im wahrsten Sinne des Wortes in den Schwarzwald (Zell, Gengenbach) vorgearbeitet haben, haben wir eine Woche lang sehr schlechte Bedingungen: es regnet viel, nachts ist es kalt im Wohnwagen, wir haben keine Heizung im Wohnwagen, es hagelt und schneit. Nachdem wir eine Woche in Frankreich in der Umgebung von Obernai zu Gange waren, wird das Wetter mit einem Schlag besser und die längste Sonnenperiode in diesem Jahr bricht an. Über Rust, wo wir mit Blick auf die Achterbahnen einen im Nachhinein leider unzufriedenen Kunden bedient haben, geht es weiter über Karlsruhe in den Großraum Stuttgart, wo uns unser Chef, der von Göttingen aus seine Arbeitskolonnen leitet, jede Menge Arbeit versprochen hat. Da wir Akkordarbeiter sind, freuen wir uns natürlich über viel Anlagen und Plätze, da wir so natürlich ordentlich Geld verdienen können. Mittlerweile verlaufen die Tage nach immer dem gleichen Schema: Wir stehen so gegen sieben auf, beginnen im Pullover an zu arbeiten, ziehen spätestens um acht Uhr den Pullover aus, Frühstücken gegen halb zehn, ziehen die T-Shirts aus und cremen uns gegenseitig den Oberkörper ein und beginnen dann bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein so richtig mit der Arbeit. So geht es dann mit nur kleinen Pausen bis in die Dunkelheit, unterbrochen nur durch Wechsel der Baustellen oder zum Einkaufen. Spätestens nach drei Wochen stellen sich bei uns allen erste Verschleißerscheinungen ein. Damit ist nicht nur der Verschleiß an Werkzeugen, Arbeitsgeräten und Arbeitskleidung gemeint, sondern auch das Auftreten von kleinen Wehwehchen. Mir schlafen nachts die Hände schnell ein und morgens sind sie so steif, dass ich eine Zeit brauche, bis sie wieder voll funktionsfähig sind. Gelegentlicher Muskelkater und Sehnenprobleme runden das Bild ab. Nach drei Wochen beginnt die Lust auf das Zigeunerleben im Wohnwagen zu schwinden, im Wohnwagen herrscht ständig Chaos und Unordnung, zum Putzen fehlt uns bei all der Arbeit meist der Elan. Mein persönlicher Schlusspunkt in diesem Jahr war der zwölfte April, da ich am nächsten Tag in Göttingen eine Klausur schreiben muss. Die anderen beiden, ebenfalls Studenten und Freunde von mir, wollen auch nur einen Tag länger machen. Je näher für mich der zwölfte April kommt, desto mehr freue ich mich auf mein eigenes Bett, eine richtig Decke, frische Klamotten, Ausschlafen und Ausruhen. Wir sind alle so braun, wie noch keiner von uns zu dieser Jahreszeit gewesen ist. Urlaub machen wir nicht, da das Wetter zum Arbeiten zu gut ist. So kommt es, dass wir beispielsweise am Ostersonntagmorgen um halb sieben in der Frühe aufstehen, um zu einer Tennisanlage nahe Sternenfels zu fahren und dort sechs Tennisplätze „zu machen“. Abends geht es dann zurück und an der Anlage, wo unser Wohnwagen steht, arbeiten wir noch eine Stunde, die letzten zwanzig Minuten davon in der Dunkelheit und mit Flutlicht. Mit dem Zug fahre ich nach 31 Tagen Arbeit zurück nach Göttingen, an Lernen für die Klausur kann ich vor lauter Müdigkeit nicht denken. Die Schmerzen in den Fingern und Händen bleiben noch zwei Wochen erhalten, dafür sind wir alle rank und schlank und natürlich topfit.



Fazit: Ein wirklich toller Studentenjob, der besonders bei gutem Wetter richtig Spaß macht. Man könnte die FI fast als bezahlten Urlaub betrachten, wenn da nicht doch die Arbeit überwiegen würde. Und ich bin in Deutschland selten so viel herum gekommen, wie im Rahmen des Tennisservice.

.


Dieser Reisebericht wurde am 02. Dezember 2007 von montechristi verfasst. Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: Offenburg, Stuttgart, Karlsruhe, Frankreich, im Wohnwagen, Zum Wohle der Tennisplätze: Tennisplatz-Service, Tennisplatz, Arbeit, Studentenjob.

Hat Ihnen dieser Bericht gefallen?

Dieser Reisebericht wurde noch nicht bewertet. Loggen Sie sich ein, damit auch Sie diesen Bericht bewerten können.

0 Sonnen (Unbewertet)

Wie bewerte ich Berichte?

Möchten Sie diesen Bericht kommentieren?


Dann loggen Sie sich ein und los geht's! Wir freuen uns über Ihre Meinung.



Diesen Reisebericht verlinken:




Login


Benutzer:
Passwort:
Nicht registriert?

Jetzt kostenlos bei adios.de registrieren


Passwort vergessen?

Neues Passwort per Email anfordern