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Australien: Dreamtime down under
Sydney, Darwin, Backpackers
6 lange und doch viel zu kurze Wochen gehört mir dieses Land mit seinen atemberaubenden Landschaften, Farben, Klängen und liebenswerten Menschen. Ankunft Sydney Anfang August. Noch ist es Winter hier. Bei 16° Celsius ein Wohlfühl -Winter. Für die erste Nacht nach dem 22stündigen Flug gönne ich mir das Airport City International in der Nähe des Flughafens. Tags darauf ziehe ich um ins Glebe Village Backpackers im Studentenviertel von Sydney.
Erst mal ankommen. Durchatmen. Das Fremde, das Andere wirken lassen. Wie durch ein Kaleidoskop. Den schönsten Blick bietet der Sydney Tower. Ich hab‘ Höhenangst. Seit ich denken kann. Sitzt in meinen Kniekehlen und lässt mich wie auf Watte gehen. Ich fahr‘ trotzdem hinauf auf 305 m. Weil ich alles von oben sehen will. Alles. Weil ich glücklich bin, wenn ich alles überblicke. Es vergrößert die Auswahl. Bunte Spielzeugstadt im Abenteuerland. Weiß blitzen die Segel der Boote im Hafen. Die Sonne malt Silbersterne aufs Blau des Wassers. “Brückenklettern auf dem Kleiderbügel“ oder „bridge climbing“, wie sie es hier nennen. Nichts für meine weichen Knie. 134 Meter erhebt sich der stählerne „coat hanger“ über dem Meeresspiegel. Im Vordergrund das Opera House. Das größte Segelschiff im Hafen. So wirkt es jedenfalls aus der Ferne. Verrückte Architektur. Wieder geerdet beäuge ich das Wahrzeichen Sydneys aus der Nähe und stelle fest, dass es von unten betrachtet viel von seiner imposanten Erscheinung einbüßt. Macht aber nichts. Das ist das Geheimnis. Erst die Betrachtung aus der Distanz ermöglicht die Wahrnehmung der Ausdrucksstärke eines Kunstwerkes. Einer schweren Limousine entsteigt ein japanisches Hochzeitspaar. Aufstellung zum Hochzeitsfoto vor der Traumkulisse. Im Hintergrund ein Drehorgelspieler. Ob der dazugehört ? Eher nicht. In das Geleier der Drehorgel mischt sich das Kreischen der Seemöven. Irgendwie lustig. Auf dem Rückweg bekomme ich eine Massage angeboten. Ich will aber nicht massiert werden. Der „Strassenmasseur“ ist hartnäckig. Kostet auch nur ein paar „bucks“ (australische Dollar). Ich will immer noch nicht. Soviel Aufdringlichkeit verursacht bei mir erst Verspannung. Ich fliehe ins Aquarium. Verstecke mich zwischen Acrylglastunnels. Eintauchen und trotzdem trocken bleiben. Schön ist das. Im Meer spazieren gehen – sozusagen. Über mir schwebt ein Rochen. Neugierig betrachtet er mich von oben – und ich ihn. Solange bis sich eine Touristin mit Kamera zwischen uns schiebt und unsere Zweisamkeit mit ihrem Blitzlicht zerstört. Schade. Wir waren gerade dabei uns anzufreunden.
Nicht weit vom Aquarium am Darling Harbour lässt sich im National Maritime Museum alles Wissenswerte zur Seefahrt erfahren. Kultur und Geschichte gibt es im Powerhouse Museum. Wie war das gleich mit ausgewogener Ernährung? Nach soviel Geistesnahrung ist jetzt mein Magen an der Reihe. Bei über 50 Restaurants, Cafes und Essensständen fällt die Wahl schwer. Chinesisch, vietnamesisch, mongolisch, libanesisch und und und oder doch lieber australisch. Mein innerer Vielfraß wünscht sich für einen Moment einen Dinosauriermagen. Dann könnte ich ..... Letztendlich entscheide ich mich für ein mongolisches Gericht. Für australische Küche bleibt in den kommenden Wochen noch ausreichend Gelegenheit. Jetzt aber genieße ich es ziellos durch die Straßen zu schlendern. Lasse mich mitreißen vom Strom der Besucher bis in die Rocks. Dorthin, wo sich die ersten Siedler niederließen. Nicht ohne hin und wieder stehenzubleiben. Auf den Straßen sitzen Aborigines und entlocken den Didgeridoos magische Töne. Wie könnte ich mich verzaubern lassen vom Klang der „Didgidoos“ ohne innezuhalten und zuzuhören. Ob Klänge oder Farben – die Atmosphäre dieser Stadt lässt sich nicht im Vorübergehen einfangen. Zeit ist der Schlüssel zum Erleben der kleinen Geheimnisse und Kostbarkeiten. Sie sind es, die den Rhythmus dieser quirligen Metropole bestimmen. Kopfüber habe ich mich verliebt in die Stadt am Pazifik. Dennoch verlasse ich sie nach drei Tagen.
Aufbruch gen Norden. Northern Territory. Auf den Spuren Crocodile Dundees. Darwin – Unterkunft diesmal Backpackers – Youth Shack. Zentral gelegen. Zum Casuarina Strand, liegt etwas außerhalb, fahre ich mit dem Bus. Endlos der Sandstrand und so gut wie menschenleer. Alles meins, denke ich und genieße den warmen Sand unter meinen nackten Füßen. Vom Meer weht eine leichte Brise. Ich breite die Arme aus, schließe die Augen und verwandele mich in eine Möwe. Hier sammle ich keine Muscheln, sondern eigenartige flache kreisrunde Gebilde, die in ihrer Mitte ein Blumenmuster haben. Hab‘ ich noch nie gesehen. Wie sie heißen, weiß ich nicht mehr. Aber schön sind sie. Sonnenuntergang schauen ist Kult. So schnell habe ich noch keine Sonne im Meer versinken sehen. Rotglühend verabschiedet sich der Tag. Die blaue Stunde verleitet mich zum Fotografieren bevor ich am Mindil Beach den Nachtflohmarkt besuche. Wie ich solche Märkte liebe. Doch leider besitzt mein Rucksack ein sehr begrenztes Volumen. Also begnüge ich mich mit einem Akubra. Der australische Cowboyhut, der keiner ist, weil in Australien die Cowboys Stockmen heißen. Der braucht nicht in den Rucksack. Ebenso wenig die Drizabone Weste aus wind- und wetterfestem Material. Typisch australische Outdoorkleidung. Kann ich auch anziehen. Da bleibt genügend Platz im Rucksack für die bunten Achatscheiben, die mir so gefallen.
Nun ist Darwin ein Dorf am Rande des Outbacks, aber auch Ausgangsbasis für interessante Ausflüge ins Outback. By the way, es ist immer wieder ein Spaß zu fragen, wo genau denn das Outback liegt. Jedenfalls weiß ich es jetzt, aber ich verrate es nicht. Es gehört zu den Geheimnissen, die jeder Australien-Reisende dem Land selbst abringen sollte. Nach einer mehrstündigen Busfahrt lande ich am Lake Benett, Naturreservat mitten im Busch. 7 km entfernt vom Stuart Highway , auf dem die Roadtrains mit ihren vielen Hängern Richtung Süden donnern. Oft zu schnell für die Kangaroos, die plattgewalzt am Straßenrand liegen. Ein Teil des Lake Benett ist ziemlich verwachsen. Selbst aus der Mitte des Sees ragen hohe Bäume, in denen allerlei Vögel nisten. Mit dem Kanu paddle ich in der Morgendämmerung im Slalom zwischen den Baumstämmen. Natur pur. Ab und zu schleift etwas am Boden meines Kanus entlang. Ich will gar nicht wissen, was es ist. Klare Gewässer sind mir lieber. In den Toilettenräumen hat sich eine Horde Crickets eingenistet. Nette kleine Käfer, die aus dem Stand bis zu einem halben Meter in die Höhe hüpfen. Folglich wird die Toilettenbenutzung zum Wetthüpfen mit den allerdings harmlosen Insekten. Den Bus nach Darwin habe ich verpasst. Der kam diesmal zwei Stunden früher. So genau geht’s hier nicht. „No worries“ meint der Pächter des Campsite, auf dem ich residierte und fährt mich die 80 km nach Darwin zurück. Einfach so. „Zum nächsten Pub ist’s auch nicht viel näher“, lächelt er. So sind sie – die Aussies. Immer hilfsbereit. Im Rückspiegel ist alles rot. Der Busch brennt. Ist aber nicht so. Es ist nur einer von vielen fantastischen Sonnenuntergängen down under.
Dieser Reisebericht wurde am 26. Juli 2007 von Claudi
verfasst.
Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: Sydney, Darwin, Backpackers, Australien: Dreamtime down under, Darwin ein Dorf am Rande des Outbacks Sydney Australien.
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