Sudan - Wüstenlandschaften und liebenswerte Menschen
Rundreise, Wohnmobil
Ein Teil aus "Afrikadurchquerung in Etappen" - Sudan
Der Grenzübergang
Gegen 12 Uhr legt das Schiff in Wadi Halfa an, Klaus wartet schon auf uns. Die Fahrzeuge sollen schnell vom Ponton, da dieser zurück nach Assuan will. Aber so schnell geht das alles nicht, auch der Sudan hat so seine Bürokratie…
Immerhin schafft es unser Helfer Mazur Mahir (ein junger Sudanese, der Touristen über die Grenze hilft), die 6 Fahrer schneller frei zu bekommen und alles nimmt seinen Lauf. Wir anderen verlassen die Fähre dann gegen 15.00 Uhr. Die Einreiseformalitäten sind Dank Mazur schnell erledigt. Der Zoll vergleicht nur die Fahrgestellnummern beider Fahrzeuge und verlangt 100 USD Einreisegebühren, dann ist die Sache geritzt. Doch zum ersten mal stoßen wir auf Probleme mit dem Hund, man will eine Bescheinigung vom Tierarzt aus Assuan. Diese haben wir natürlich nicht, also wird die Sache auf sudanesisch geregelt. Einer guckt sich den Hund kurz an (natürlich ohne ihn anzufassen), dann fahre ich mit ihm zum Arzt (natürlich ohne Hund) und bekomme einen Wisch auf Arabisch, dass der Hund gesund ist. Unterwegs sehe ich zig Hunde herumlaufen. Ob die wohl jemals eine Tollwutimpfung gesehen haben…
Nachdem wir jetzt alles erledigt haben, können wir die Grenzstation verlassen. An der Schranke wird nochmals alles kurz kontrolliert, dann geht sie auf und…
Wir sind im Sudan.
Die Registrierung übernimmt Mazur am nächsten Tag für uns. Vorher gibt er uns aber 20 USD wieder und sagt, wir hätten gestern zuviel bezahlt. Wir staunen nicht schlecht. In der Zwischenzeit (ca. 2,5 Std.) können wir uns im Dorf umsehen. Der Unterschied zu Ägypten ist grandios. Keiner quatscht einen ständig an, man kann sich in Ruhe auf dem Markt oder in kleinen Geschäften umschauen. Ein äußerst willkommenes Gefühl…
Wir beschließen alle zusammen Richtung Khartoum zu fahren, da jeder zu glauben scheint, die Strecke ist nicht ohne, was sich schon sehr bald bewahrheiten soll…
Der Weg von Wadi Halfa bis Abu Dom ist die härteste Prüfung für Mensch und Material. Man kann es eigentlich kaum beschreiben, hat man es nicht selbst erlebt. Die Piste ist eine Mischung aus übelstem Wellblech, der stellenweise kaum befahrbar ist, vielen Geschwindigkeitsstoppern, die man kaum erkennen kann und einigen Tiefsandpassagen, durch die wir jedoch erstaunlich gut durchkommen. Immer wieder behindern kleine Pannen das Vorwärtskommen und alle sind froh sich innerhalb einer Gruppe zu bewegen. Gegenseitige Hilfe ist jetzt das höchste Gebot. Die Motorradfahrer haben ihr Gepäck zum Teil auf die Autos aufgeteilt, wir helfen Jason, die Engländer den anderen Engländern und so tragen wir gemeinsam unser Leid. Aber es ist nicht nur die Sorge um die Fahrzeuge und die ständige Rüttelei die uns zu schaffen macht. In erster Linie ist es die Hitze. Die Spitzentemperaturen bewegen sich inzwischen bei 48°C, doch es soll noch schlimmer kommen…
Dongola
Dongola liegt auf der anderen Nilseite, wir überqueren den Fluss per Fähre. Als ich den Preis erfahre, wünschte ich, wir hätten ein Amphibienfahrzeug. 34 USD für 6 Minuten Überfahrt. Das ist ein Witz. Aber was tun? Wer die Fähre hat, hat die Macht. Also Augen zu und durch…
In Dongola angekommen, beschließen wir in ein Hotel zu gehen, um uns von den Strapazen der letzten Tage ein wenig zu erholen. Die ersten beiden von uns angefahrenen Hotels verdienen diesen Namen gar nicht, Absteige ist noch zu viel gesagt. Dann finden wir aber ein neues Hotel, welches auf den ersten Blick gar nicht mal schlecht aussieht…
Doch der Schein trügt. Zwischendurch gibt es kein Wasser, keinen Strom und die Klimaanlage können wir nicht laufen lassen, da die Leitungen dies nicht überstehen. In den Zimmern ist es höllisch heiß, der Deckenventilator schleudert die heiße Luft nur umher, ohne sie abzukühlen. Somit verbringen wir hier die schlimmsten Nächte unseres Lebens. Da helfen nur noch härtere Maßnahmen, wie Bettdecke nass machen, sich darin einwickeln und auf den nächsten Morgen hoffen. Dass es in der Wüste zu solchen Problemen kommen kann ist ja verständlich, soll man dafür jedoch 20 USD pro Nacht bezahlen, nur noch ärgerlich. Jetzt liegt es ja wohl auf der Hand, warum wir Hotels meiden wie die Pest…
Hier beschließen wir dann, doch noch Malariaprophylaxe zu betreiben. Wir können nicht immer unter einem Moskitonetz schlafen, bei solchen Temperaturen fühlt man sich da drunter lebendig begraben. Da sind Mückenstiche unumgänglich. Wir entscheiden uns für Doxycyclin, da die anderen fast alle dies zur Prophylaxe einsetzen. Nur in Deutschland wird es nicht empfohlen und ist auch nicht zugelassen…
Und dann kommt der Sandsturm. Die Sicht beträgt nur wenige Meter, die Staubwolke der anderen macht die Sache auch nicht gerade einfacher. Es ist eine sehr unangenehme Erfahrung, dafür aber eine unvergessliche. Denn nie werden wir vergessen, wie lange wir danach das Fahrzeug gesäubert haben…
Der Weg nach Khartoum
Manch ein Tag wird geprägt von besonderen Ereignissen, als z.B. die Gruppe sich verliert, Sasha und Richard vom Motorrad stürzen (unverletzt) oder Jasons Motorrad (BMW) versagt und keinen Mucks mehr von sich gibt. Tatsächlich passiert das alles an einem Tag, Jason kniet nieder als er uns kommen sieht, denn wir haben ja seine Klamotten. Danach stoßen noch Ed und Sue dazu und wir campen etwas außerhalb der Ortschaft in der wir uns zufällig treffen. Die anderen sehen wir erst am nächsten Tag und Richard schafft es tatsächlich die BMW wieder zum Leben zu erwecken. Wir sind begeistert…
Später haben auch wir ein Problem, eine Schweißnaht am Auspuff übersteht die Rüttelei nicht und löst sich in Wohlgefallen auf. Jeder Versuch den Schaden selbst zu beheben scheitert jämmerlich mangels der benötigten Schweißelektroden für Edelstahl. Man kann einfach nicht an alles denken…
Doch als wir im nächsten Dorf ankommen, finden wir ein paar Häuser, eine Getränkebude und einen Schweißer, der schon auf uns wartet. Die anderen kennen unser Problem und leiten schon mal alles in die Wege…
Ab Abu Dom gibt es dann endlich die erträumte Teerstrasse und alle sind sofort besser gelaunt. Khartoum ist nicht mehr weit…
Als wir im Blue Nile Sailing Club in Khartoum ankommen, sind wir alle geschafft. Nein, wir sind fix und foxi. Kein Wunder, denn die Temperaturen steigen inzwischen auf 53°C im Schatten. Ungelogen. Nachts genießen wir dann so um die 40°C. An schlafen ist da kaum noch zu denken. Wir reparieren somit nur das nötigste, machen Ölwechsel und waschen Wäsche. Wir wollen so schnell wie möglich nach Äthiopien, wissen wir doch, dass die Temperaturen dort bei 25°C liegen…
Die Engländer fahren noch nach Meroe, um die berühmtesten Pyramiden Sudans zu besichtigen. Gerne wären wir mitgefahren, doch bei 53°C Außentemperatur verzichten wir auf dieses besondere Vergnügen…
Wir brechen als erstes auf und verabreden uns mit allen in der Belegez Pension in Gondar. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg…
Der Weg nach Äthiopien
Etwa 130 km vor der äthiopischen Grenze passiert es dann. Eine Reifenpanne vorne rechts. Auf Asphalt. Damit haben wir hier nun wirklich nicht gerechnet. Also, mal wieder Montiereisen raus, wir könnten ja aus der Übung kommen…
Wir fühlen den Reifen ab, finden jedoch keinen Fremdkörper. Der Schlauch hat einen fetten Riss und ist somit unbrauchbar. Wir finden keine Erklärung dafür, am wahrscheinlichsten scheint Materialermüdung. Wir werden es nie erfahren…
Diesmal haben wir keinen neuen Schlauch mehr dabei und müssen einen alten flicken. Das kostet uns eine weitere ¾ Std. Dass wir uns tierisch ärgern, dies nicht schon in Khartoum gemacht zu haben, muss ich ja wohl nicht erwähnen. Wir schieben es auf die Hitze…
An der Grenzstation angekommen, tritt das nächste Problem auf. Wir kriegen keine Luft mehr auf die Anlage, somit ist eine Weiterfahrt unmöglich. Zu allem Ärger verliert der Reifen auch wieder Luft, es ist wirklich ein Scheiß Tag. Doch alles fluchen hilft nicht, auch da müssen wir durch. Es ist schon recht spät, also erledigen wir nur noch unsere Ausreiseformalitäten und hoffen, der nächste Tag wird besser. Doch wir sollen uns bitter täuschen…
Zunächst verläuft alles gut, Klaus beseitigt das Problem mit der Luft und auf der anderen Seite der Grenze gibt es einen Reifenhändler. Wir erledigen den ersten Teil der Einreiseformalitäten für Äthiopien und bekommen problemlos unsere Stempel in den Pass. Der Zoll ist dann ca. 35 km weiter. Und überhaupt ist der ganze Grenzübergang ein Witz. Eine Schranke gibt es nicht, auch keine Beamten, eigentlich gibt es gar keine Grenze. Das Dorf ist bloß zweigeteilt, Gallabat gehört zum Sudan, Matema zu Äthiopien. Das war’s…
Wir sind in Äthiopien.
Fazit Sudan
Wer glaubt, der Sudan wäre unsicher, der liegt völlig daneben. Wir können uns absolut frei bewegen, nie kommen wir in eine Situation in der wir um unsere Sicherheit fürchten müssen. Auch hier sind die Menschen sehr hilfsbereit, mehr noch als in den anderen Ländern. Und im Vergleich zu den Ägyptern kennen sie ihr Land. Fragt man nach dem Weg, bekommt man ihn immer richtig gewiesen. Die Sudanesen sind sehr zurückhaltend und dennoch gesprächsbereit, neugierig und doch nicht aufdringlich. Und sie lassen sich unheimlich gerne fotografieren. Danach werden die Fotos betrachtet, jedes Kind im kleinsten Dorf kennt die Bedeutung einer digitalen Kamera. Wäre es nicht so heiß gewesen, wären wir mit Sicherheit länger geblieben in einem Land, dessen Bevölkerung uns so herzlich willkommen geheißen hat.
Dieser Reisebericht wurde am 09. Juli 2007 von globetrotter_ontour
verfasst.
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