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Äthiopien - ein Land voller Gegensätze

Rundreise, Wohnmobil

Ein Teil aus "Afrikadurchquerung in Etappen" - Äthiopien

Der Weg nach Gondar

An der Grenze gelten beide Währungen, so können wir das restliche sudanesische Geld noch für Getränke ausgeben.
Beim Reifenhändler sehen wir dann das Malheur. Der von uns gesetzte Flicken ist undicht. Doch der Äthiopier beseitigt den Fehler schnell und zuverlässig. Nur eben auf afrikanische Art und Weise…



Hier treffen wir auch wieder die beiden Motorräder. Noch ist die Welt in Ordnung…

In Äthiopien gibt es wieder Pisten. Sie sind zwar etwas besser als im Sudan, trotzdem genauso staubig. Problemlos erreichen wir Shedi. Beim Zoll warten wir zwei Stunden auf den Stempel ins Carnet. Wir wundern uns schon, wo die Motorradfahrer bleiben. Dann sehen wir Richard. Alleine. Er ist froh uns zu sehen und berichtet, Jason hatte einen Unfall. Er ist Gott sei Dank nur leicht verletzt, aber die Maschine ist nicht mehr fahrbereit. Auch Jason kann natürlich mit einer angebrochenen Schulter nicht mehr fahren. Also organisieren wir einen Pickup, der die Maschine nach Shedi bringt. Danach werden beide Motorräder auf einen LKW verladen und die drei (Jason, Richard und seine Frau Sasha) verlassen Shedi Richtung Gondar. Dort wird Jason medizinisch versorgt. So Gott will…

Das Bild in Äthiopien ändert sich abrupt. Die Frauen sind nicht mehr verhüllt, Äthiopien hat seine Wurzeln schließlich im Christentum. Auch wird uns schnell klar: die Wüste haben wir hinter uns gelassen. Die Gegend ist bergig und grün. In Bächen wird gebadet und Wäsche gewaschen. Meistens gleichzeitig. Die Menschen in den Dörfern winken uns zu. Vor allem die Kinder. Nur wenige halten einen Stein in der Hand, zum Abwurf bereit. Doch als wir winken, überlegen sie es sich anders und die Steine landen wieder auf dem Boden. Trotzdem ist es ein merkwürdiges Gefühl, im Sudan ist uns diese Haltung nie begegnet.

Gondar

Wir erreichen Gondar einen Tag später als die Motorradfahrer und treffen uns in der verabredeten Pension. Jason hat Glück im Unglück gehabt, die Knochen sind bis auf die Schulter und ein paar blaue Flecken heil geblieben. Doch äthiopische Krankenhäuser sind wohl nicht wirklich empfehlenswert…

Wir verbleiben ein paar Tage in Gondar, campieren im Hof der Belegez Pension und genießen Höchsttemperaturen von 31°C. Es ist ein Segen. Kein Wunder, wir sind hier auch schließlich auf 2200m Höhe.

Auch die anderen sind inzwischen angetroffen und wir genießen unsere letzten gemeinsamen Tage. Hier trennen sich nämlich unsere Wege und wir werden bald wieder alleine unterwegs sein. Der Abschied fällt schwer, immerhin verbrachten wir eine anstrengende, aber auch schöne Zeit miteinander und das verbindet…

Wir fahren zum Tana Lake, wo wir uns im Garten des Ghion Hotels niederlassen. Wir stehen direkt am See und genießen die Umgebung. Nur baden können wir nicht. Billharziose lässt grüßen…


Ein Abenteuer der besonderen Art

Vom Hotel aus buchen wir einen Ausflug zu den Blue Nile Wasserfällen. Auf schlechter Piste kutschiert der Minibus uns und zwei weitere Touristen zum Eingangstor. Wir kriegen einen Führer verpasst und per Pedes erreichen wir dann die Fälle. Unterwegs begegnen wir vielen Kindern die nur darauf warten, uns irgendetwas zu verkaufen. Irgendwann siegt dann das Mitleid und ich frage mal nach dem Preis für ein Tuch. Als sie mir diesen nennen ist vom Mitleid nichts mehr übrig. Als sie dann merken, dass wir nichts wollen versperren sie uns den Weg und hängen an uns wie kleine Affen. Wir kämpfen uns durch und irgendwann geben sie auch auf, hinter uns her zu laufen.


Die Wasserfälle entfalten sich nicht in ihrem vollen Umfang, da jetzt keine Regenzeit ist, doch der Anblick ist dennoch passabel. Was jetzt kommt ist ein echtes afrikanisches Abenteuer. Wir müssen einen Bach queren der nicht gerade flach ist und dessen normalerweise kristallklares Wasser (angeblich) jetzt so braun ist wie…
Damit sehen wir natürlich nicht wohin wir treten, aber es warten schon fleißige Helfer die uns auf die andere Seite begleiten. Ich habe als einzige eine lange Hose an, das hochkrempeln rettet sie dennoch nicht vor Nässe. Egal. Abenteuer ist Abenteuer…

Den Nil queren wir dann per Boot. Sonst hätte ich wirklich schwarzgesehen…

Der Abay Canon

Auf dem Weg nach Addis Abeba wartet eine weitere Herausforderung auf uns. Wir müssen den „Abay Canon“ passieren. Die 1000 Höhenmeter tiefe Schlucht schlängelt sich hinunter, erreicht in der Senke die Brücke über den blauen Nil, um sich dann auf der anderen Seite wieder hoch zu schlängeln. Wir dürfen die Strecke intensiv miterleben, auf ausgewaschener, löchriger und natürlich nicht geteerter Piste. Aber wer den Sudan durchfahren hat, den kann so leicht nichts mehr schocken…

Die Stellplatzsuche

Was sich in Äthiopien zum echten Problem erweist, ist das Finden eines geeigneten Stellplatzes für die Nacht. Das Land ist sehr dicht besiedelt und sobald man auch nur einen Augenblick stehen bleibt, hat man Scharen von Menschen um sich herum. Das wäre an sich noch nicht so schlimm, wäre da nicht die ewige Bettelei und die unmittelbare Nähe zum Fahrzeug. Da müssten wir uns schon im Auto einschließen um ein bisschen Privatsphäre zu genießen, doch verstecken liegt uns irgendwie nicht. Alles hat eben seine Grenzen…

Somit stehen wir fast immer an Hotels. Für uns eingefleischte „wild Camper“ keine befriedigende Situation. Finden wir kein geeignetes Hotel, sind wir gezwungen bis in die Dunkelheit zu fahren, denn dann haben wir Hoffnung, erst am nächsten Tag entdeckt und belagert zu werden. Dementsprechend früh sind wir dann wieder verschwunden…

Addis Abeba

In Addis Abeba haben wir nicht viel zu erledigen, lediglich Geld tauschen und endlich einen neuen Schlauch für den Reifen besorgen. Das letztere gestaltet sich mal wieder schwieriger als gedacht. Wir jagen hinter einem Taxifahrer zur Strasse der Reifenhändler. Natürlich hat keiner diese Größe (14.00 R20) vorrätig, aber es wäre nicht Afrika, ließe sich da nicht was drehen. Der erste Versuch scheitert, man erklärt uns, einen solchen Schlauch können wir hier nicht kaufen. Na gut, wie wäre es dann mit einem 13.00 R20. Zwei Telefonate später können wir einen haben, für 300 Birr. Ich bemerke, es sei zu teuer, schließlich ist es nicht der von uns gewünschte. Wieso, wir wollten doch einen 14.00 R20 haben???
Lange Rede kurzer Sinn: nach drei Stunden Warterei und Lauferei halten wir das Objekt unserer Begierde in den Händen. Ich hole ihn mit meinem Helfer (nichts läuft hier ohne eine geeignete Person) aus der hintersten Ecke des Mercato (ein Paar Strassen kreuz und quer, in denen sich das Marktleben abspielt). Jetzt brauchen wir nur noch etwas Bremsflüssigkeit und weiter geht´s…



Der Awash Nationalpark

Wir besuchen den Awash Nationalpark, unseren ersten überhaupt. Entsprechend hoch sind natürlich die Erwartungen. Hier sollen viele Affen leben, aber auch Antilopen, Gazellen und ähnliches Wild. An den Wasserfällen verbleiben wir ein Paar Stunden, in der Hoffnung die Tiere an der Tränke zu sehen. Doch erst mal passiert lange nichts. Aber dann kommen sie doch, die Affen, fühlen sich auf unserem Fahrzeug wie zu Hause und benehmen sich auch dementsprechend. Später liegt es an uns ihre Hinterlassenschaft zu entsorgen…
Auch Krokodile können wir betrachten und abends eine Riesenschildkröte. Von dem anderen Wild fehlt jedoch jede Spur…

Campen dürfen wir auf einer der Campsites, doch dann kommt ein sogenannter „Parkranger“ und will uns bewachen, natürlich gegen eine Extragebühr. Der Mann hat meine Größe (wer mich kennt, weiß was das bedeutet), ist noch nicht mal bewaffnet und wir sind die einzigen Besucher in diesem Park, der am Arsch der Welt liegt. Um uns hier zu überfallen, müsste man uns erst mal finden und bis dahin wäre die Nacht schon wieder um, da wir recht gut versteckt sind. Also verzichten wir auf seine „Security Dienste“ und verbringen eine herrlich ruhige Nacht…

Langano Lake

Am Langano Lake verbringen wir ein paar schöne Tage. Im Bekele Mola Hotel dürfen wir direkt am See campen. Da es der einzige See ist in dem man baden kann (hoher Sodagehalt), lassen wir es uns im und am Wasser so richtig gut gehen. Ist auch mal nötig nach dieser langen Fahrerei…

Unser Hund kommt in Äthiopien auch nicht auf seine Kosten, alles ist so dicht besiedelt, dass wir ihn nicht laufen lassen können. Doch hier am Langano ist es ganz anders. Wir entdecken einen kaum benutzten Wanderweg und folgen diesem täglich auf einem ziemlich langen Stück. Man kann auch hier Tiere, vor allem Vögel beobachten und so genießen wir die Ruhe, die von diesem Ort ausgestrahlt wird. Und dann passiert es doch, unser Hund, noch voller Elan, läuft hinter ein paar Erdmännchen (oder was auch immer es gewesen sein mag) her und klettert eine Felswand hoch ohne an den Rückweg zu denken…
Also üben auch wir uns im Klettern und suchen die Felswand ab, zunächst ohne Erfolg, da Basco es noch nicht mal für nötig hält, sich mal zu melden, und so wissen wir nicht, wo er eigentlich steckt. Doch wie so oft in Äthiopien erscheint aus dem Nichts ein Einheimischer, der unseren Hund auch noch gesichtet hat und so können wir ihn aus seiner Falle befreien…

Moyale, die Grenzstadt zu Kenia

Auf dem Weg nach Moyale durchfahren wir eine sehr grüne und fruchtbare Ebene. Und doch wird hier noch mehr gebettelt als im Norden. Hier landet auch der erste und letzte Stein auf unserer Windschutzscheibe, ohne einen Schaden anzurichten…

Irgendwie sind wir froh in Moyale angekommen zu sein, schnell sind die Ausreiseformalitäten erledigt und auch die Einreise nach Kenia gestaltet sich völlig problemlos. Die Gebäude liegen alle hintereinander und so sind wir in einer ¾ Stunde durch. Hier ist die Bürokratie wirklich erträglich. Als wir dann nach Marsabit aufbrechen wollen, werden wir doch noch am letzten Checkpoint aufgehalten und man ist nicht wirklich begeistert uns jetzt noch weiterfahren zu lassen (ca. 16.30 Uhr). In Wirklichkeit wollen wir auch nicht mehr weit fahren, sondern suchen einen Stellplatz für die Nacht. Und dann erleben wir sie, die Freundlichkeit der kenianischen Polizei und verbringen die sicherste Nacht unseres Lebens, nämlich auf dem Polizeigelände. Das Gelände ist groß und grün, ich muss sagen wir haben schon mal schlechter gestanden…

Fazit Äthiopien

Äthiopien kann man nur überstehen, wenn man sich täglich vor dem geistigen Auge hält, dass man nicht die Welt retten kann. Die Armut ist zum Teil wirklich erbärmlich und doch müssen wir uns ständig fragen, was hier eigentlich schief läuft. Es gibt genug fruchtbaren Boden, der aber nicht bewirtschaftet wird. Und der, der bewirtschaftet wird, wird wie vor hundert Jahren mit zwei Ochsen und einem Holzpflug gepflügt. Dann ist da das Problem mit dem Vieh. Die Leute haben große Herden, die aber kaum geschlachtet werden, sondern nur als Prestigesymbol gelten. Die Tiere sind alle unterernährt, die Wiesen abgegrast. Und dann sind Menschen aus bestimmten Völkergruppen dazu berechtigt, Lebensmittel von verschiedenen Hilfsorganisationen zu erhalten. Da mischt die Regierung auch richtig mit, denn diese Güter werden mit staatlichen LKWs transportiert und diese Transporte von den Hilfsorganisationen finanziert. Da fließt also reichlich Geld in die Staatskasse, das will man sich natürlich nicht kaputt machen.
So kann das alles nicht funktionieren und da ist wohl die Regierung gefragt, diesen Zustand zu ändern. Die richtigen Vorraussetzungen sind ja vorhanden.
Die Bettelei ist schlimm und entwickelt sich zum Volkssport Nr.1 und je fruchtbarer und grüner die Gegend, desto mehr und aggressiver wird dieser ausgeübt. Damit ist das Reisen hier recht anstrengend, obwohl die Landschaften für vieles entschädigen…

Besondere Sehenswürdigkeiten
- Gondar
- Tana Lake
- Awash Nationalpark
- Langano Lake
- Bahir Dar
- Blue Nile Wasserfälle

Dieser Reisebericht wurde am 09. Juli 2007 von globetrotter_ontour verfasst. Der Autor hat Schlagwörter zu diesem Bericht hinterlegt: Rundreise, Wohnmobil, Äthiopien - ein Land voller Gegensätze, Gondar, Tana See, Addis Abeba, Langano See, Awash Nationalpark, Bahir Dar.

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